FAZ 31.05.2026
13:20 Uhr

Sperrung der A 13: Was hat die Blockade am Brenner gebracht?


Am Samstag war die wichtigste Nord-Süd-Verbindung über die Alpen mehr als acht Stunden lang gesperrt. Das befürchtete Verkehrschaos blieb aus – und die Organisatoren der Demonstration in Gries ziehen ein positives Fazit.

Sperrung der A 13: Was hat die Blockade am Brenner gebracht?

Die Organisatoren der Brenner-Blockade am Samstag und der österreichische Automobilklub ÖAMTC haben sich nach dem Ende der Protestaktion erfreut gezeigt über deren erfolgreichen und störungsfreien Verlauf. Auf beiden Seiten der Grenze war das befürchtete Verkehrschaos ausgeblieben, weil die offenkundig gut informierten Auto- und Lastwagenfahrer ihre Reisepläne angepasst hatten. Die gut achtstündige Sperre des gesamten Brennerkorridors hatte zu keinen nennenswerten Beeinträchtigungen geführt. An der gesperrten Transitstrecke seien nur 219 Lastwagen zurückgewiesen worden. Die meisten Autofahrer hätten sich an den Rat gehalten, an diesem Tag nicht nach Tirol und weiter nach Italien zu fahren, teilte die österreichische Polizei mit. Alle Straßenverbindungen auf der wichtigsten Nord-Süd-Achse über die Alpen zwischen Österreich und Italien waren am Samstag wegen einer genehmigten Demonstration der Anwohner des Wipptals in Tirol bis 19 Uhr gesperrt. Nach dem Ende der Blockade der Autobahn 13 sowie der Landstraßen begann der Verkehr in beide Richtungen normal zu fließen. Am Sonntag ist das Verkehrsaufkommen bislang nicht erhöht Am Sonntagmittag sprach die Tiroler Verkehrspolizei von einem „normalen Sonntag mit erhöhtem Verkehrsaufkommen, aber keinen Staus“. Der ÖAMTC bezeichnete die Lage gar als „weiter sensationell“. Auch von italienischer Seite wurden bis Sonntagnachmittag keine nennenswerten Verkehrsbehinderungen gemeldet. Dem Demonstrationsaufruf des Bürgermeisters der Tiroler Gemeinde Gries am Brenner, Karl Mühlsteiger, waren am Samstag rund 5000 Menschen gefolgt. Der Bürgermeister sprach in seiner Rede von einem „historischen Moment“, zeigte sich „berührt und ergriffen“ von der hohen Zahl der Teilnehmer. In den Gemeinden des Wipptals leben rund 15.000 Menschen. Für die Anrainer der Straßen über den Brenner sei angesichts von knapp elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen jährlich die „Schmerzgrenze erreicht“, sagte Mühlsteiger. „Die Bevölkerung war vor der Autobahn hier. Wir dürfen uns unser Land nicht nehmen lassen.“ Der Protest sei ein „sehr, sehr deutliches Zeichen an die hohe Politik“, diese könne das Problem nun „nicht mehr kleinreden beziehungsweise ignorieren“, sagte Mühlsteiger. Die Protestaktion war wegen des befürchteten Verkehrschaos mitten in den Pfingstferien von Regierungspolitikern in Wien und Rom, in Innsbruck und Bozen scharf kritisiert worden. Von Lokalpolitikern und von der Bevölkerung beidseits der Grenze gab es dagegen Bekundungen von Solidarität und Verständnis. Österreichische Gerichte hatten Versuche der Anwohner, eine Demonstration auf der Autobahn 13 und den Brenner-Landstraßen gegen das Verkehrsaufkommen anzumelden, in der Vergangenheit mehrfach zurückgewiesen – wegen des zu erwartenden Verkehrskollapses. Das Landesverwaltungsgericht Tirol in Innsbruck ließ die Anmeldung der Aktion schließlich zu. Seine Begründung: „Das Verbot einer Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen, führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum.“