FAZ 17.01.2026
17:27 Uhr

Sparkasseneinbruch: „Jeder Geschädigte wird die Chance erhalten, Angaben zu seinem Schließfach zu machen“


Um die Besitzer der mehr als 3000 leergeräumten Schließfächer in Gelsenkirchen zu verhören, hat die Polizei eigens Büroräume angemietet. Für die Geschädigten hat sie für die Termine einige Hinweise.

Sparkasseneinbruch: „Jeder Geschädigte wird die Chance erhalten, Angaben zu seinem Schließfach zu machen“

Nach dem spektakulären Einbruch in den Tresorraum der Sparkasse Gelsenkirchen-Buer mit einer Beute in mutmaßlich dreistelliger Millionenhöhe beginnen am Montag die Vernehmungen der rund 3000 Geschädigten. Die beim Polizeipräsidium Gelsenkirchen eingerichtete „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO) namens „Bohrer“ mit 230 Ermittlern hat dafür eigens Büroräume in der Stadt im nördlichen Ruhrgebiet gemietet. Bei dem Coup waren nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler sechs bis sieben Männer im Zeitraum zwischen 27. und 29. Dezember über die Tiefgarage in den Keller der Sparkasse eingedrungen. Mit einem Spezialbohrer bohrten sie vom Archivraum der Bank ein 40 Zentimeter großes Loch in Wand des Tresorraums, wo sie dann mehr als 3000 Schließfächer aufbrachen. Viele Mieter hatten in ihren Schließfächern ihren Familienschmuck, Gold und auch größere Mengen Bargeld verwahrt. In einer am Samstag veröffentlichen Mitteilung bat die Gelsenkirchener Polizei vorab um Verständnis dafür, das sich die Befragungen wegen der hohen Zahl der Geschädigten mehrere Wochen hinziehen werde. Geschädigte würden nicht von der Polizei kontaktiert, sondern müssten sich aktiv über die Rufnummer 0209 3651661 unter Angabe der Schließfachnummer um einen Termin bemühen. Alle Geschädigten hätten die Möglichkeit, bei der Polizei Angaben zum Inhalt ihres Schließfachs zu machen. „Diese Informationen fließen direkt in die Ermittlungen ein und können neue Ansätze zur Tatermittlung liefern“, hieß es von der Polizei. Sie leerten mehr als 3000 Schließfächer Der Ermittlungsaufwand ist groß. Als die Einbrecher die mehr als 3000 Schließfächer leerten, sortieren sie Hunderttausende Gegenstände und Dokumente aus, die ihnen nicht wertvoll genug erschienen. Jedes einzelne dieser Stücke wird derzeit auf Spuren untersucht und muss dann möglichst seinem Eigentümer zugeordnet werden. Um den Prozess sinnvoll zu strukturieren, hat die BAO im Keller des Geldinstituts vier sogenannte Bearbeitungsstraßen aufgebaut. Sehr aufwendig ist auch die Auswertung der Videoaufnahmen aus Überwachungskameras im Parkhaus und im Umfeld der Sparkasse und der Datensätze aus Funkzellenabfragen. Unklar ist, ob die Ermittler mittlerweile erste Hinweise darauf haben, ob die Täter Komplizen in der Bank oder bei einem von der Bank beauftragten Sicherheitsdienst hatten. Schon der Umstand, dass die Täter über detaillierte Kenntnisse zu den räumlichen und baulichen Verhältnisse haben mussten, deutet darauf hin, dass dem so war. „Jede und jeder Geschädigte wird die Chance erhalten, bei der Polizei Angaben zum Inhalt seines Schließfachs machen zu können. Diese Informationen fließen direkt in die Ermittlungen ein und können neue Ansätze zur Tatermittlung liefern“, betonte ein Polizeisprecher.