FAZ 26.01.2026
20:47 Uhr

Spannungen mit Iran: US-Flugzeugträger befindet sich nun näher an Iran


Angesichts der Spannungen mit Iran verlegen die USA Militär nach Nahost. Der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln befindet sich nun in der Nähe des Landes, das mit Drohungen reagiert.

Spannungen mit Iran: US-Flugzeugträger befindet sich nun näher an Iran

Der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ ist im Zuständigkeitsbereich des Regionalkommandos des US-Militärs Centcom angekommen, das den Nahen Osten inklusive Irans umfasst. Die Flugzeugträgerkampfgruppe werde aktuell im Nahen Osten eingesetzt, „um die regionale Sicherheit und Stabilität zu fördern“, teilte Centcom auf der Plattform X mit. Am Montag war der Flugzeugträger demnach im Indischen Ozean unterwegs. Nähere Angaben zur Position gab es nicht. US-Präsident Donald Trump hatte ein militärisches Eingreifen seines Landes in Iran zuletzt nicht ausgeschlossen. „Wir haben eine riesige Flotte, die in diese Richtung unterwegs ist“, sagte der Republikaner vor ein paar Tagen vor Journalisten. „Und vielleicht müssen wir sie nicht einsetzen, wir werden sehen“, fügte er hinzu. Viele Schiffe befänden sich nur für den Fall der Fälle auf dem Weg in die Region. „Ich würde es vorziehen, wenn nichts passiert, aber wir beobachten sie sehr genau“, sagte Trump über den Iran. Iran: Beobachten die Bewegungen der Feinde Eine Reaktion aus Iran folgte prompt. „Die Streitkräfte der Islamischen Republik Iran beobachten die Bewegungen der Feinde“, sagte ein ranghoher Militärvertreter im zentralen Einsatzkommando dem staatlichen Rundfunk. Die Anwesenheit „fremder Kräfte“ im maritimen Umfeld verwandle sie in „leicht erreichbare Ziele“, hieß es weiter. Das Außenministerium in Teheran warnte vor den regionalen Auswirkungen einer Eskalation. „Unsicherheit ist ansteckend, und daher besteht unter den Ländern der Region eine gemeinsame Sorge“, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai. „Wir werden stärker denn je auf jede Form der Aggression gegen Iran mit einer umfassenden und schmerzhaften Antwort reagieren.“ Schon zuvor hatten US-Medien berichtet, dass der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ und Begleitschiffe auf dem Weg vom Südchinesischen Meer in die Region seien. Der von einem Atomreaktor angetriebene Flugzeugträger transportiert normalerweise mehrere Tausend Soldaten sowie Dutzende Kampfflugzeuge und wird von Zerstörern der Marine begleitet. UN-Expertin: Irans Sicherheitskräfte verschleppen Verletzte aus Kliniken In Iran waren Proteste Ende Dezember zunächst durch eine Wirtschaftskrise ausgelöst worden. Rasch entwickelten sich die Demonstrationen jedoch zu politischen Aufständen gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Der Sicherheitsapparat ging brutal gegen die Proteste vor und schlug sie nieder. Tausende Demonstranten wurden getötet. Trump reagierte darauf wiederholt mit Drohungen – das schürte die Sorge vor einer militärischen Eskalation in der Region. Iranische Sicherheitskräfte gehen nach jüngsten Angaben einer UN-Expertin offenbar gegen verletzte Demonstranten vor. Es gebe Berichte, wonach Protestteilnehmer aus Krankenhäusern verschleppt und inhaftiert würden, sagte die UN-Sonderberichterstatterin für Iran, Mai Sato, am Montag in einem Videointerview der Nachrichtenagentur Reuters. Dies wäre ein schwerer Verstoß gegen das völkerrechtlich verankerte Recht auf medizinische Versorgung. Zudem würden Familien gezwungen, 5000 bis 7000 Dollar zu zahlen, damit die Leichname ihrer Angehörigen freigegeben werden. Dieses sogenannte Kugelgeld stelle angesichts der Wirtschaftskrise in Iran eine erdrückende Last dar. In iranischen Medizinerkreisen wurden einige der Vorwürfe bestätigt. Reuters will von einem Arzt aus der nördlichen Stadt Rascht erfahren haben, dass Revolutionsgarden Dutzende operierte Patienten mit Schusswunden abtransportiert hätten. „Wir wissen ⁠nicht, was mit ihnen geschehen ist“, sagte er. In Teheran sagten eine Krankenschwester und zwei Ärzte, Sicherheitskräfte hätten Kliniken nach Akten von behandelten und ⁠dann entlassenen Demonstranten durchsucht, um diese festzunehmen. Die in den USA ansässige Menschenrechtsgruppe HRANA beziffert die Zahl der Toten im Zusammenhang ⁠mit den Unruhen auf 5937, darunter 214 Sicherheitskräfte. Offiziellen Angaben zufolge kamen 3117 Menschen ums Leben. Reuters konnte die Zahlen nicht unabhängig überprüfen. Auch ‌Sato sagte, sie könne die Zahlen nicht bestätigen. Sie ‍gehe jedoch davon aus, dass sie weit über den offiziellen Angaben lägen und ‍sprach von Hinweisen auf „unrechtmäßige Tode und ⁠willkürliche Tötungen“.