Bei der Förderung des sozialen Wohnungsbaus liegt Hessen an der Spitze in Deutschland. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des auf Analysen des Wohnungsmarkts spezialisierten Pestel-Instituts sind in den Jahren 2017 bis 2024 durch Neubau, Modernisierung oder den Ankauf von Belegrechten im Bestand rund 9500 Wohneinheiten für bedürftige Mieter entstanden. Das entspricht fast einem Viertel des Volumens in ganz Deutschland. Deutlich hinter Hessen liegen Berlin, Hamburg und Bayern mit jeweils mehr als 5000 Wohneinheiten. Trotz des Spitzenwerts an Neuzugängen in den Jahren 2017 bis 2024 ist im gleichen Zeitraum der Gesamtbestand an Sozialwohnungen in Hessen von 85.000 auf rund 83.000 gesunken, der Tiefpunkt war 2020 mit einem Bestand von 80.000 erreicht. Grund für diese Entwicklung ist, dass wegen der Förderkonditionen die Sozialbindung von Wohnungen nach einer gewissen Zeit, meist sind es 30 Jahre, ausläuft. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts sind dadurch allein 2024 mehr als 9000 Sozialwohnungen in Hessen weggefallen. Institutsleiter Matthias Günther plädierte deshalb bei der Vorstellung der Studie in Berlin dafür, geförderte Wohnungen in erster Linie von öffentlichen Gesellschaften bauen zu lassen, damit sie auf Dauer „in einem sozialen Segment bleiben“. Institut hält mehr Neubau für nötig In Auftrag gegeben hat die Studie ein Bündnis aus Mieterverbänden, Gewerkschaften, Sozialverbänden und Bauwirtschaft. Es will damit auf das Defizit bei der Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum hinweisen. In Hessen soll die Zahl der Sozialwohnungen laut der Studie bis 2035 um rund 70 Prozent auf mehr als 140.000 erhöht werden. Um den zusätzlichen Bedarf zu decken und gleichzeitig die entfallenden Bindungen auszugleichen, sei jedes Jahr ein zusätzliches Angebot von durchschnittlich 11.300 Einheiten nötig. Dieses Angebot müsse vor allem im Neubau geschaffen werden, so Günther. Denn nur so entstehe zusätzlicher Wohnraum. Neubau ist allerdings teuer. Für Mietwohnungen werden Baukosten von bis zu 6000 Euro je Quadratmeter veranschlagt. Günther verweist als positives Beispiel auf Projekte in Schleswig-Holstein. Dort würden durch den Standard „Erleichtertes Bauen“ Mietwohnungen schon für Quadratmeterpreise von 3400 bis 3800 Euro gebaut. Die Bewohner seien zufrieden. Als besonders schwierig bezeichnete Günther die Situation von Senioren. „Sie sind die einzige Bevölkerungsgruppe, die in den nächsten Jahren sicher wächst.“ Schon heute lebt in jedem dritten Haushalt in Hessen mindestens eine Person, die älter als 65 Jahre ist. Viele Rentner könnten sich aber gerade die teuren Großstädte nicht mehr leisten und würden wegziehen. Von einem verstärkten Vorgehen gegen Wohnungsleerstand, wie es jetzt auch in Hessen möglich ist, verspricht sich Günther wenig. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich nur ein sehr kleiner Teil des Leerstands aktivieren lässt.“
