Das Regime in Iran hat viel Erfahrung mit der Blockade des Internets. Schon bei Protesten in den Jahren 2019 und 2022 sowie im Sommer vergangenen Jahres wurde das Netz blockiert. Dienste innerhalb des Landes wurden dabei aber nicht unterbunden. Iran hat ein von der Außenwelt abgeschottetes nationales Netz, eine Art Intranet. Seit der vergangenen Woche hat das Regime das Internet nahezu vollständig abgestellt, auch der Mobilfunk und satellitengestützte Dienste funktionierten nicht mehr oder nur eingeschränkt. Am Dienstag wurde gemeldet, dass Iraner wieder ins Ausland telefonieren könnten. Aus dem Ausland waren iranische Nummern zunächst nicht erreichbar. Seit dem 8. Januar wurde der Internetverkehr auf ein bis fünf Prozent des üblichen Volumens reduziert. Das Regime nutzt hierfür eine Kombination aus technischen, infrastrukturellen und physischen Maßnahmen, die auf der zentralisierten Kontrolle der Internet-Infrastruktur basieren. Starlink ist seit 2025 in Iran verboten Zum einen hat das Regime Kontrolle über die Infrastruktur, indem sie die „Telecommunication Infrastructure Company“ kontrolliert, ein staatliches Monopol, das alle internationalen Internetverbindungen (Gateways) regelt. Mit einem Befehl kann die Regierung Internetdienstleister anweisen, den Zugang zum globalen Internet zu kappen. Das nationale Intranet für staatliche Zwecke kann dabei online bleiben oder ebenfalls abgestellt werden. Zum anderen arbeitet Iran mit technischen Manipulationen. Dazu werden Routen des „Border Gateway Protocol“ – quasi der Navigator durchs Netz – zurückgezogen. Die Datenpakete verlieren damit die Orientierung, wohin sie sich bewegen sollen. Der globale Internetverkehr weiß dann nicht mehr, wie man iranische Netze erreicht. Um verschlüsselten Datenverkehr (VPN) zu erkennen und zu drosseln oder zu blockieren, sucht Iran nach dessen „Fingerabdrücken“. Noch nicht einmal über Satelliten, etwa das Starlink-System des US-Unternehmens SpaceX von Elon Musk, konnten Iraner mit dem Ausland in Kontakt treten. Starlink ist seit 2025 in Iran per Gesetz verboten. Der Besitz gilt als Spionage und kann mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Viele Terminals wurden in den vergangenen Jahren illegal eingeschmuggelt, um die Zensur zu umgehen. Nun wurden nach Berichten Tausende Terminals bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmt. Militärische „Jammer“ Um Starlink zu blockieren, werden militärische „Jammer“ eingesetzt, die Signale stören und Paketverluste von bis zu 80 Prozent verursachen. Das Regime hat hierfür in den letzten Jahren massiv investiert. Beim „Jamming“ überdeckt ein starkes Funksignal das naturgemäß schwache Signal der Erdtrabanten. Ein Satellitenempfänger muss auf ein Flüstern aus dem All hören. Die in großer Höhe kreisenden Satelliten senden mit lediglich 20 bis 50 Watt, sodass auf der Erde nur ein sehr schwaches Signal ankommt. Der Jammer entfesselt nun einen Orkan aus elektromagnetischem Lärm, der die Satellitensignale überlagert oder überdeckt. Der Empfänger lauscht vergeblich. Jammer sind zum Beispiel das russische Krassucha-4-System, das Hunderte Kilometer abdeckt. So ähnlich ist Russland in der Ukraine gegen Starlink vorgegangen. Die Jamming-Tools stützen sich möglicherweise auf die russische oder chinesische Technologie, die Iran nutzt, um vor allem Starlink zu blockieren. Trotz dieser Maßnahmen funktioniert Starlink offenbar in einigen Grenzregionen oder abgeschiedenen, bevölkerungsarmen Gebieten noch, aber der Zugriff ist stark eingeschränkt.
