FAZ 12.01.2026
16:43 Uhr

Söder attackiert Weimer: Ein Paukenschlag dröhnt


Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder entzieht Weimers Ludwig- Erhard-Gipfel seine Unterstützung und provoziert Bundeskanzler Friedrich Merz damit. Wie wird er darauf reagieren?

Söder attackiert Weimer: Ein Paukenschlag dröhnt

Das ist ein Paukenschlag, der von München bis nach Berlin dröhnt: Der bayerische Ministerpräsident Söder versagt dem Regierungsangehörigen Wolfram Weimer die finanzielle und symbolische Unterstützung seines „Ludwig-Erhard-Gipfel“ am bayerischen Tegernsee. Das muss der als größtmögliche Provokation auffassen. Und so ist es offenbar auch gemeint. Wenn jemand davon spricht, dass sein Schritt nicht als „Verurteilung“ aufzufassen sei, dann weckt er bei seiner Zuhörerschaft erst den Gedanken, dass es bei dem von Weimer begründeten Gipfel nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Implizite Attacke auf Merz Litotes nennt die rhetorische Lehre dieses Stilmittel, das in der Verneinung eine Hervorhebung des Gesagten bewirkt. Und der rhetorische Raketenwissenschaftler Söder weiß genau, wie er seine Sätze so sagt, dass sie auf mehrere Ziele gleichzeitig schießen. In diesem Falle also nicht nur auf Weimer, sondern auch auf dessen Schutzpatron, den Bundeskanzler. Merz hatte sich bislang treu vor seinen Kulturstaatsminister gestellt. Söders Angriff auf Weimer kann man nun wiederum als implizite Attacke auf den eben von ihm bei der CSU-Klausurtagung in Kloster Seeon noch hochgelobten Bundeskanzler verstehen. Dadurch, dass er Weimer als jemanden darstellt, der in einer zwielichtigen „Grauzone“ agiere, beschädigt er ein Stück weit auch das Ansehen seines Patrons. Gipfel steht nun unter Druck Es ist ein selten dagewesener Vorgang, dass ein CSU-Chef den Vertrauten eines CDU-Kanzlers in dieser Weise öffentlich desavouiert. Denn implizit gibt Söder mit seiner „persönlichen Entscheidung“, sich vom Gipfel zu distanzieren ja denjenigen Recht, die es als „Gschmäckle“ empfinden, dass sich Unternehmen beim Ludwig-Erhard-Gipfel offenbar für viel Geld exklusiven Zugang zu Spitzenpolitikern erkaufen konnten. Der Gipfel steht damit unter Druck. Warum tut Söder das? Dafür gibt es womöglich mehrere Gründe. Erstens: Er mag Weimer persönlich nicht. Zweitens: Er, der den Satz „Blaulicht oder Konto“ wie eine Monstranz vor sich herträgt und bei jeder Gelegenheit die strikte Unterscheidung zwischen Geldverdienen und Politikmachen zur Gewissensfrage erklärt, will auf keinen Fall in eine Grauzone hineingeraten, in der politische Macht mit Käuflichkeit in Verbindung gebracht wird. Drittens: Die bayerische Kulturpolitik ist offensichtlich verärgert über Weimers Handeln. Denn manch großspurige Versprechungen mit Blick auf finanzielle Beteiligungen des Bundes sind dem Vernehmen nach nicht eingelöst worden. Gerade in Söders Heimatstadt Nürnberg schwelt ein Konflikt um die Finanzierung einer Stiftung, die die Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände nicht nur architektonisch, sondern auch inhaltlich-programmatisch auf die Zukunft vorbereiten will. Eine Kakophonie aus missgestimmten Tönen also, die zum jetzigen Paukenschlag geführt hat. Wie Weimer und Merz darauf antworten? Vielleicht erst einmal mit ganz leisen Tönen.