FAZ 31.01.2026
10:53 Uhr

Social-Media-Verbot: „Mit 14 konnte ich den Content noch nicht einordnen“


Auch in Deutschland wird nun über ein Social-Media-Verbot für Jugendliche diskutiert. In Frankfurt können nicht nur Lehrer, sondern auch manche Schüler der Idee etwas abgewinnen.

Social-Media-Verbot: „Mit 14 konnte ich den Content noch nicht einordnen“

Australien macht es vor, Frankreich zieht nach: Mit einem Social-Media-Verbot für unter Sechzehnjährige sollen Jugendliche im digitalen Raum geschützt werden. Auch in Deutschland ist die Debatte längst angekommen: Eine im Dezember veröffentlichte INSA-Umfrage zeigt, dass sich 60 Prozent der Deutschen für ein solches Verbot aussprechen. Nur 24 Prozent lehnen die Altersbeschränkung ab. Jüngere Nutzer sehen laut der Studie ein Social-Media-Verbot kritisch, während die Zustimmung bei Personen über 30 Jahre besonders hoch sei. Kritiker und Jugendverbände fordern statt eines Verbots eine Stärkung der Medienkompetenz sowie strengere Regeln für Plattformbetreiber und Datenschutz. Für unter Sechzehnjährige ist laut aktuellen gesetzlichen Regelungen schon jetzt die Einwilligung der Erziehungsberechtigten erforderlich, Plattformen überprüfen dies jedoch nicht. Venise Schneider ist Referendarin in den Fächern Englisch und Kunst am Frankfurter Adorno-Gymnasium. Formate wie Tiktok binde sie gerne in ihren Unterricht ein. Das Erstellen von Kurzvideos fördere die Kreativität und Selbstverwirklichung der Schüler. „Medien sollten im Klassenzimmer nicht fehlen“, sagt sie. Schneider spricht sich trotzdem klar für ein Social-Media-Verbot aus. Bei ihren Schülern beobachte sie zum Teil suchtähnliches Verhalten, das auch mit Angststörungen einhergehe. Einige hätten sogar Suizidgedanken geäußert. „Die Jugendlichen vergleichen sich auf Social Media“, sei es im Hinblick auf unrealistische Schönheitsideale oder bestimmte Verhaltensweisen, so Schneider. Aufklärung soll in der Schule stattfinden In den Schulen kann das Smartphone-Verhalten der Jugendlichen noch weitgehend kontrolliert werden. In den hessischen Grundschulen gilt ein Handyverbot, einige Bildungseinrichtungen in Frankfurt setzen auf Schließfächer oder sogenannte Handygaragen, wie Schneider von Kollegen erfahren hat. Zu Beginn des Schultages schlössen die Schüler dort ihre Smartphones ein, am Ende des Tages dürften sie wieder herausgeholt werden. Viele Schüler nutzten jedoch auch Tablets für den Unterricht, die Zugang zu verschiedenen Social-Media-Apps böten. Diesen Zugang hier zu kontrollieren, sei deutlich schwieriger – Gleiches gelte für die Nutzung außerhalb des Schulgeländes. Viele Eltern hätten zu wenig Zeit, ihre Kinder über die Gefahren im Netz aufzuklären, oder seien selbst stark auf Social-Media-Apps aktiv. „Aufklärung muss deshalb in der Schule stattfinden“, sagt die Referendarin. Zustimmung auch unter Jugendlichen Elias ist 17 Jahre alt und besucht die elfte Klasse des Adorno-Gymnasiums. Er findet es gut, dass Venise Schneider digitale Medien im Unterricht nutzt. Vor allem Tiktok sei für ihn eine sinnvolle Informationsquelle, er nutze aber auch andere gängige Apps wie Instagram oder Snapchat. Besonders bei politischen Inhalten sehe er aber Gefahren: „Mit 13 oder 14 Jahren konnte ich bestimmten Content noch gar nicht richtig einordnen“, stellt er fest und meint vor allem kursierende Falschinformationen. Ein Social-Media-Verbot für Jüngere befürworte er deshalb. Ähnlich äußern sich Matilda und Felicia vom Goethe-Gymnasium. Die beiden 15 Jahre alten Freundinnen schauen reflektiert auf das Thema. Matildas Eltern haben ihr verboten, Social Media zu nutzen, wie sie sagt, ihre Mitschüler seien jedoch „alle handysüchtig“. Auch Felicia hält ein Verbot für sinnvoll, in ihrer Klasse sei sie mit dieser Meinung aber fast allein: „Die sind alle dagegen“, sagt die Zehntklässlerin.