FAZ 27.02.2026
10:50 Uhr

Social-Media-Verbot: „Die Sucht ist doch sowieso da“


Gewalt, Pornographie, Extremismus: Dass soziale Netzwerke jungen Menschen schaden können, bezweifelt niemand mehr. Nun soll ein Social-Media-Verbot das Allheilmittel sein. Doch die Wirklichkeit ist komplizierter.

Social-Media-Verbot: „Die Sucht ist doch sowieso da“

Sarah und Alexandra lieben Tiktok. Manchmal verabreden sie sich sogar extra, um gemeinsam Videos auf der App zu schauen. Das erzählen die beiden beim Treffen in einem Café in der Frankfurter Innenstadt. Sie vertiefen sich dann in Schmink-Tutorials oder in Styling-Tipps, lachen über Memes, gucken die Videos von Influencerinnen wie Sofia Stark oder Jule, hören Musik, die sie später bei Spotify in ihren Playlists speichern. Die Zeit vergeht dann meist wie im Flug, sagen die Vierzehnjährigen, die sich aus der Schule kennen. Alexandra und Sarah besuchen in Frankfurt die neunte Klasse einer integrierten Gesamtschule. Soziale Medien gehören zu ihrem Alltag. Ein Leben ohne die Apps können sie sich nicht vorstellen, auch wenn sie wissen, dass daran vieles problematisch ist. „Ja, Tiktok macht faul“, sagt Sarah. „Generell: Handys machen faul. Da liegst du im Bett, suchst dies, suchst das, und dann ist der Tag schon rum.“ Tiktok macht nicht nur faul, sondern manchmal auch glücklich Doch Tiktok, die erfolgreiche Social-Media-App des chinesischen Konzerns Bytedance, macht Sarah und Alexandra nicht nur faul, sondern auch glücklich. Wenn es zu Hause „Stress“ gibt, wenn sie „einen schlechten Tag“ oder Ärger mit den Eltern haben, dann muntern die Kurzvideos des sozialen Netzwerks sie auf. „Ich ziehe mich dann zurück, schaue ein paar Videos, das tut mir gut“, erzählt Sarah. Was hält sie davon, dass nun darüber diskutiert wird, ihr dieses und andere soziale Netzwerke zu nehmen? Was sagt sie zu der Debatte über ein Social-Media-Verbot für Jugendliche? „Was soll das bringen?“, antwortet Sarah mit einer Gegenfrage. „Was macht es besser, wenn man damit wartet, bis man 16 ist? Die Sucht ist doch sowieso da.“ Die Gefahren, die soziale Netzwerke für junge Menschen darstellen, sind schon lange bekannt: Cybermobbing, Gewaltvideos, pornographische Inhalte, die extremistischen Botschaften, die auf den Plattformen wie Viren grassieren, die problematischen Körperbilder. Dass Tiktok, Instagram, Snapchat und Co. Jugendlichen nicht guttun, bezweifelt so gut wie keiner mehr. Trotzdem wurde darüber, wie man junge Menschen besser vor den sozialen Netzwerken schützen kann, lange nur halbherzig diskutiert. Nun aber ist die Debatte mit voller Wucht in Deutschland angekommen. Das hat vor allem mit der Entwicklung in Australien zu tun: Im Dezember hat das Land ein generelles Social-Media-Verbot für alle unter Sechzehnjährigen eingeführt. In Frankreich soll im Herbst ein ähnliches Gesetz folgen, in Spanien wird ebenfalls an einem restriktiven Verbot gearbeitet. Und auch das EU-Parlament hat schon für ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung von Social-Media-Inhalten gestimmt. Gestritten wird in der Politik, aber auch in Talkshows und unter Eltern Die Gesetzesinitiativen aus den anderen EU-Ländern setzen die deutsche Politik unter Druck. Am vergangenen Wochenende wurde beim Bundesparteitag der CDU kontrovers diskutiert – am Ende einigte man sich auf die Forderung nach einem Social-Media-Verbot bis 14 Jahre. Kurz zuvor hatte sich auch schon die SPD auf dieses Mindestalter festgelegt. Berufen wurde außerdem eine Expertenkommission, die bis zum Sommer Empfehlungen aussprechen soll. Doch nicht nur in der Politik, sondern auch in Talkshows, Leitartikeln und Elternrunden wird gerade heftig über einen vernünftigen Umgang mit sozialen Medien gestritten. Christine Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Frankfurt, sagt: Dass jetzt endlich diskutiert wird, sei das Wichtigste. Viel zu lange habe man die Probleme ignoriert. Freitag spricht schnell, beinahe ohne Pause, am Besprechungstisch in ihrem Büro in der Uniklinik. Dass das Thema ihr am Herzen liegt, wird sofort deutlich. Dass sie es für unverantwortlich hält, welche Freiräume jungen Menschen bislang bei der Nutzung von sozialen Netzwerken gelassen wurden, auch. „Es ist klar, dass sich etwas ändern muss“, sagt sie. Die Gefahr, dass Jugendliche von sozialen Medien abhängig werden, nennt Freitag groß. Denn gerade sie sind neugierig, wollen die Welt wahrnehmen, suchen nach neuen Eindrücken. „Das ist wichtig für die Entwicklung“, sagt Freitag, schaffe in einer immer weiter digitalisierten Welt aber auch Probleme, weil es jungen Menschen oft schwerfalle, zu „filtern“, was für sie wirklich relevant ist – und was ihnen schaden könnte. Vom „Fear of missing out“-Phänomen spricht Freitag: der Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Und davon, dass es Kindern und Jugendlichen schwerer als Erwachsenen fällt, Distanz zu halten. Die Betreiber der sozialen Netzwerke sind geschickt darin, dies auszunutzen. Sie füttern die Nutzer mit immer neuen Inhalten, die Lust machen, noch mehr Zeit auf den Plattformen zu verbringen. „Die Entwickler der Apps wissen sehr genau, welche entwicklungspsychologischen Bedürfnisse junge Menschen haben“, sagt Freitag. „Gerade Tiktok ist bekannt für seine Sucht erregenden Algorithmen.“ Und deshalb geht nun auch die Europäische Kommission gegen das chinesische Unternehmen vor. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass das Design von Tiktok darauf angelegt ist, süchtig zu machen, und zum ständigen Weiterscrollen verführt, heißt es vonseiten der Kommission. Dem Staatskonzern droht sie jetzt mit hohen Bußgeldern. Tablets und Smartphones im Kinderwagen Christine Freitag sagt, sie sei erschrocken, wenn sie beim Bahnfahren sehe, wie Eltern ihren Kleinkindern Tablets oder Smartphones in den Kinderwagen reichen. Sie macht sich Sorgen über junge Menschen, die Stunde um Stunde in den sozialen Netzwerken oder mit Computerspielen verbringen, oft bis tief in die Nacht. Sie beobachtet Aufmerksamkeitsdefizite, Trägheit, Probleme bei der Feinmotorik, sieht Kinder, die immer stärker zunehmen. „Wer täglich drei oder vier Stunden am Handy hängt, dem fehlen auch drei oder vier Stunden, um sich zu bewegen, um Sport zu machen, um Freunde zu treffen.“ Freitag ist überzeugt, dass ein exzessiver Social-Media-Konsum auch Ängste und Depressionen hervorrufen oder verstärken kann. Deshalb ist sie erleichtert, dass über die Gefahren der Netzwerke nun so intensiv gesprochen wird, auch wenn sie es für verkehrt hält, dass die Debatte vor allem unter dem Motto „Social-Media-Verbot“ läuft. Ihr sind andere Begriffe wichtiger. „Es geht um Schutz, um Jugendschutz“, sagt Freitag. So wie auch niemand hinterfrage, dass man Kinder und Jugendliche vor Alkohol, Nikotin und Drogen schützen müsse, solle man sich auch darum bemühen, sie vor den „dunklen Seiten“ des Internets zu bewahren. Für Julius sind die sozialen Netzwerke Fluch und Segen zugleich. Er liebt es, auf Instagram Storys zu posten. Die Beiträge dort sind für ihn „wie eine Art Tagebuch“. Fotografieren macht ihm Spaß, besonders auf Reisen. Er dreht gern kurze Videos, wenn er mit Freunden mit dem Motorrad unterwegs ist, bei Treffen der Jugendfeuerwehr, auch mal bei Partys. Er schneidet die Clips, sucht passende Musik heraus, schreibt in kurzen Texten, was ihm durch den Kopf geht, was ihn bewegt. Und dann lädt er die fertigen Beiträge auf der Plattform hoch. Beinahe 1000 Follower hat Julius mittlerweile. Er denke mittlerweile oft lange darüber nach, was er dort preisgeben will, sagt er. „Man macht sich dadurch verletzlich.“ Social Media raubt Zeit Für Julius, der in einem Dorf am Rand des Odenwalds lebt und in Bensheim den Abiturjahrgang eines Gymnasiums besucht, sind die sozialen Medien auch wichtig, um Kontakt zu halten. Er hat bei Instagram noch einen zweiten Account für enge Freunde, auch über Snapchat tauscht er sich regelmäßig mit seinen Freunden aus. „Es ist schön, dass man mit Menschen überall in der Welt verbunden bleibt“, sagt er. Aber er bemerkt auch, wie ihn die Netzwerke absorbieren, wie sie ihm die Zeit rauben. Dann sitzt er da, scrollt und scrollt, verliert sich, gerät in einen Tunnel. Er folge auf Instagram zwar auch einigen Nachrichtenseiten, interessiere sich generell für Politik, „aber das meiste, was man sich da ansieht, ist am Ende doch Zeitverschwendung“, sagt er. Julius hat deshalb angefangen, sich Zeitlimits zu setzen. Eine Viertelstunde für die eine App, eine Viertelstunde für die andere. Aber oft verlängert er seine Bildschirmzeiten am Ende dann doch und bleibt auf den Plattformen hängen. „Das ärgert mich“, sagt Julius. Und: „Ja, es ist eine Sucht. Auch wenn es einem irgendwie schwerfällt, das Wort zu verwenden.“ Auch er, erzählt der Abiturient, habe schon viel Verstörendes in den sozialen Netzwerken gesehen. Videos von realen Unfällen etwa, bei denen Menschen gestorben sind. Oder Filme, in denen Tiere gequält werden. „Wie kann es sein, dass Menschen so etwas posten, und niemand macht etwas dagegen?“, fragt er. Freundinnen im Mittelstufenalter haben ihm von Nachrichten erzählt, die sie zugesendet bekommen. „Da schreiben dann alte Männer: Ey, schick mal Nudes.“ Die AfD finden viele junge Menschen heute „cool“ Was Julius auch bemerkt: In seinem Umfeld gibt es mehr und mehr Unterstützer der AfD. Viele finden die in großen Teilen rechtsextreme Partei heute „cool“. Sie meinen, man müsste ihr „auch mal eine Chance“ geben. Immer öfter hört er auch Sprüche wie „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Julius glaubt, dass auch das mit den sozialen Netzwerken zusammenhängt. „Die AfD macht auf Social Media leider einen sehr guten Job“, sagt er. „Die Leute kaufen ihnen ab, was sie dort verbreiten. Ob das wirklich stimmt, interessiert sie nicht.“ Eva Berendsen beschäftigt sich schon länger mit dem Aufstieg der „neuen Rechten“ und der AfD auf den Social-Media-Plattformen. In der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, in der Jugendliche über Antisemitismus und Rassismus informiert werden, leitet sie die Kommunikationsabteilung und den Bereich Politische Bildung im Netz. Gerade Rechtsextremisten, aber auch Islamisten, würden Netzwerke wie Tiktok „gezielt nutzen, um an junge Zielgruppen zu kommen“, sagt sie. Dabei gehen sie geschickt vor. Der Tiktok-Kanal von AfD-Politiker Maximilian Krah gilt als Paradebeispiel für den Erfolg der „neuen Rechten“ auf Social Media. Direkt, provokant, Jugendsprache nutzend, manchmal selbstironisch, meistens krawallig: So hat Krah um junge Wähler geworben. „Echte Männer sind rechts“, lautet sein bekanntester Spruch. „Schau keine Pornos, wähl nicht die Grünen“, predigte er seinen Anhängern. „Die Rechten orientieren sich stark an den Trends der Plattformen“, sagt Eva Berendsen. Sie wissen, welche Musik und welche Filter gerade angesagt sind, welche Ästhetik gut ankommt. „Ihre Inhalte erscheinen dann plötzlich cool und zeitgeistig, sie wirken hipper, als sie tatsächlich sind.“ Und auch die Algorithmen, nach denen auf den Netzwerken Inhalte priorisiert werden, spielen ihnen in die Hände. „Die DNA von Tiktok passt sehr gut zur DNA von rechtsextremen Akteuren: Wut und Angst, Populismus und Empörung werden in den Netzwerken belohnt“, sagt Berendsen. Mit heftiger Emotionalisierung sammelt man in den sozialen Medien schon lange die meisten Klicks. Die Folge beschreibt Berendsen als hochgefährlich: „Rechtsextreme Inhalte werden normalisiert, es findet eine Gewöhnung statt.“ Begünstigt habe den Aufstieg der „neuen Rechten“ im Internet aber auch, dass die demokratische Mitte die Plattformen lange vernachlässigt und ihre Bedeutung unterschätzt hat. „Das passierte lange unter dem Radar“, sagt die Politikwissenschaftlerin. „Vor allem Tiktok haben viele nicht ernst genommen und gedacht: Da wird doch nur getanzt.“ Filme von Wehrmachtssoldaten werden mit Technomusik unterlegt Besonders erschreckt ist Berendsen über die Tausenden Falschnachrichten zur NS-Zeit auf den Plattformen. Gemeinsam mit anderen Mitarbeitern der Bildungsstätte Anne Frank hat sie unter dem Titel „Der Holocaust als Meme“ eine Studie dazu angefertigt. NS-Verherrlichung in Computerspielen, Witze über Opfer, Holocaustleugnung, mit Technomusik unterlegte Filme und Fotografien von Wehrmachtssoldaten: Es ist verstörend, was die Rechercheure alles entdeckt haben. „Schüler, die im Unterricht noch nie vom Nationalsozialismus gehört haben, stoßen plötzlich auf solche Inhalte“, sagt Berendsen. Und die Plattformbetreiber unternehmen bislang bekanntlich wenig, um solche Posts zu löschen. Auch die 14 Jahre alten Gesamtschülerinnen Alexandra und Sarah haben schon rechte Propaganda und AfD-Werbung in den sozialen Medien gesehen. Sie erzählen aber auch von Videos, die sich gegen die Partei richten. „Da sieht man dann Alice Weidel in Talahon-Klamotten oder zusammen mit einem Rapper“, sagt Alexandra. „Das sind ja Leute, die sie nicht mag, darüber wird dann gelacht.“ Dass solche Posts „Fake“ sind, ist den beiden bewusst. „Das sieht man sofort“, sagt Alexandra, die erzählt, auch schon einmal selbst probiert zu haben, solche Fake-Dateien herzustellen. „Das geht ganz einfach. Da schreibt man dann bei ChatGPT, mach mal ein Bild von dem und dem in Gucci-Jacke, und dann hat man das.“ Eva Berendsen von der Bildungsstätte Anne Frank hält, trotz der offensichtlichen Gefahren in den sozialen Netzwerken, nichts von einem pauschalen Verbot der Plattformen für Jugendliche. Die sozialen Netzwerke seien längst zu einem der wichtigsten Orte der politischen Auseinandersetzung geworden, darum wäre es ein „Demokratiedefizit“, jungen Menschen diese Räume zu verwehren, sagt sie. „Es geht um politische Teilhabe.“ Medienerziehung auch für Eltern gefordert Statt auf ein reines Verbot sollte man deshalb besser auf eine „digitale Bildungsinitiative“ setzen: Medienbildung als Unterrichtsinhalt in allen Schulformen, Weiterbildung von Lehrern, Stärkung der politischen Bildung. Wichtig wäre auch, auf die Einhaltung schon bestehender Regelwerke wie des europäischen Digital Services Act stärker zu pochen. „Das ist ein umfassender Regulierungsrahmen, der die Plattform zum Schutz von Minderjährigen verpflichtet, zu Datenschutz, zum Schutz vor personalisierter Werbung und vielem mehr“, sagt Berendsen. „Doch wenn wir darauf gucken, wie solche Regeln durchgesetzt werden, dann sieht man: Da ist noch viel Luft nach oben.“ Christine Freitag vom Frankfurter Universitätsklinikum sagt, dass alles, was Kinder und Jugendliche so lange wie möglich von Social-Media-Plattformen, aber auch Computerspielen oder stundenlangem Youtube-Konsum fernhält, ihnen helfe und ihre Entwicklung unterstütze. In Kindergärten und Grundschulen hätten Smartphones grundsätzlich nichts zu suchen, Erzieher und Lehrer als Vorbilder müssten sich unbedingt ebenfalls an die Regeln halten. Auch vom Einsatz von Tablets im Unterricht hält sie wenig. „Kinder müssen erst einmal lernen, zu schreiben. Dazu braucht es kein Tablet.“ Klare Regeln und Altersgrenzen für die Social-Media-Nutzung wären auch für die Eltern hilfreich, meint Freitag. „Dann muss das nicht jedes Elternpaar allein mit seinem Kind aushandeln.“ Das von Schulkindern so oft gehörte Argument „Meine Freunde dürfen aber viel mehr ans Handy“ würde dann nicht mehr ziehen – weil es einen eindeutigen gesetzlichen Rahmen gibt. Wichtig wäre außerdem, die Eltern schon frühzeitig über die Gefahren von exzessivem Medienkonsum aufzuklären. Medienerziehung sollte es nicht nur für die Kinder, sondern auch für ihre Eltern geben. „Wir dürfen die Eltern nicht alleinlassen“, sagt Freitag. Im Café in der Frankfurter Innenstadt erzählen Sarah und Alexandra, dass sie sich durch Social-Media-Posts oft auch unter Druck gesetzt fühlen. Die perfekt eingerichteten Wohnungen der Influencer, die makellosen Körper, die harten Fitnessprogramme, die die sogenannten Gym-Toker absolvieren: „Das ist manchmal ganz schön heftig“, sagen sie. „Besonders krass“ war es während der Pandemie, erinnern sie sich. Da sind sie von den Bildschirmen gar nicht mehr weggekommen, „man durfte ja nicht mehr raus.“ Heute ist es zum Glück anders. Und die beiden kosten es aus. Sie laufen jetzt gern einfach so durch die Stadt, hören dabei Musik, lassen sich treiben. Oder steigen in einen beliebigen Bus, gucken einfach mal, wo er sie hinbringt. „Wir wollen was erleben“, sagt Alexandra. Julius, der Abiturient aus dem Odenwald, erzählt, dass er sich früher oft über seine Eltern geärgert habe. Was die Handynutzung anging, seien sie sehr streng gewesen. Als andere längst ein Smartphone hatten, erlaubten seine Eltern ihm noch lange keines. Am Ende war er der Letzte in seiner Schulklasse, der ein Handy bekam. Und auch Snapchat und Instagram durfte er lange nicht nutzen. „Das hat damals total genervt“, sagt er. „Heute bin ich wahnsinnig froh darüber, dass meine Eltern so streng waren.“