Gespräche an Bartresen haben viele Vorzüge. Zum Beispiel, dass man nebeneinander sitzt. Da reden Menschen anders miteinander, eher wie nachts im Auto als wie mittags beim Lunch. So ist es auch am Montagabend an der Bar des Steigenberger-Hotels in Stuttgart, gleich gegenüber vom Hauptbahnhof. Auf den Straßen ist es still geworden, dunkel, Schnee liegt in der Luft. Hin und wieder eilt eine Gestalt im dunklen Mantel ins Hotel. Alle treffen sich an der Bar. Es sind Politiker der FDP. Die beiden Vizechefs Wolfgang Kubicki und Henning Höne zum Beispiel, und der Europaabgeordnete Moritz Körner. Neben Körner ist noch ein Platz frei. Vor rund einer Stunde hatte er noch am Stadtrand gestanden, in Fellbach, bei der Dreikönigslounge seiner Partei, einem Abend mit Buffet und reichlich Getränken, der traditionell vor dem Dreikönigstag stattfindet. Dann aber war Kubicki von dort aufgebrochen. Wohin? An besagte Bar. Körner und Höne, die zusammenstanden, nickten: Wir kommen nach. Nun sind sie da. Andere fehlen. Parteichef Dürr zum Beispiel. Der hatte angekündigt, heute früher als sonst auf sein Hotelzimmer zu gehen. Er muss am nächsten Tag mit seiner ersten Dreikönigsrede als Parteichef debütieren. Und die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann war in eine Jugendherberge gefahren. Da erwarteten sie vierzig Jungliberale zum Gespräch, hatte sie beim Rausgehen noch gerufen. Kein Grund zum Durchfeiern In der Bar sind die Gäste sich genug. Sie sehen einander selten. Jede Gelegenheit ist willkommen, mal über was anderes als die Rettung der FDP zu reden. Zumal alle vom geselligen Typ sind. Kubicki sowieso; Höne, der einst im F.A.Z.-Podcast die Theken-Parole „Der Kampf für die Freiheit kennt keine Sperrstunde“ prägte; und Körner auch. Neben aktuellen Analysen zur Lage des Liberalismus hat er auch solche zur Brüsseler Gastronomie zu bieten. Außerdem gibt er sich als Ultra der Serie „The West Wing“ zu erkennen. Im Vergleich zu „House of Cards“ sei die weniger zynisch, näher dran an Politik, wie sie wirklich sei, sagt der Politiker. Und ruft auf seinem Handy Youtube auf, um eine Schlüsselszene zu zeigen. „Letzte Runde“, sagt der Barmann. Wieso denn jetzt schon, kurz vor Mitternacht? Er hat halt Feierabend. Also noch einen Riesling vom Staatsweingut Weinsberg, noch ein paar salzige Erdnüsse aus dem Glas. Es gab schon festlichere Zeiten. Früher feierte die FDP den Dreikönigsball, mit Tanz und allem Drum und Dran. Später traf man sich immerhin noch beim Bunten Abend, ebenfalls verlängert an der Bar. Die Szene mit Brüderle und dem Herrenwitz – alle erinnern sich – spielte sich 2012 an der Bar des Hotels Maritim ab. Nun gut, andere Zeiten, in jeder Hinsicht. Der Barmann räumt offensiv Gläser ab. Einen Grund, die Nacht durchzufeiern, haben die Liberalen ohnehin nicht. Morgen soll der erste Tag vom Wiederaufstieg werden.
