Und, was haben Sie an den Feiertagen über die Demokratie gelernt? Dass es fatal ist, wenn eine lautstarke Minderheit die schweigende Mehrheit dominiert (Onkel Kalle mit seinem Lamento über die zähe Gans), oder dass Vertrauen in die Institutionen, einmal enttäuscht, schwer wieder- herzustellen ist (Tante Giselas Gottesdienstboykott wegen der geschwätzigen Predigt letztes Jahr)? Ja, das Fest der Liebe ist eines des demokratischen Miteinanders. Das wurde auch im Bundestag erkannt und zelebriert. Wie kürzlich berichtet, legte CDU-Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ihrer Weihnachtskarte ein Rezept für Butterplätzchen bei. Den „Kuppelkeks“ hatte sie benannt nach dem Ausstecher in Form des Reichstags, den es im Bundestagsshop für 12,50 Euro gibt. Seltsam: Warum ragt auf der Kuppel der Keksform eine Spitze auf? Die fehlt auf der echten Kuppel. Da wurde wohl eine Vorkriegsversion des Reichstags als Vorlage verwendet. Na gut, Geschichte gehört zur Demokratie. Anzunehmen, dass zahlreiche Akteure des politischen Berlins diese Woche Kuppelkekse gebacken haben. Gibt es eine schönere Art, der Familie die eigene Arbeit schmackhaft zu machen, die oft so zehrend ist? Doch bald könnten Gerüchte über Backpannen die Runde machen. Denn das Plätzchen ist nicht trivial. Das liegt weniger am Teig, der dem der meisten Ausstechplätzchen ähnelt: Butter, Zucker, Mehl, Eier, dazu Vanille, etwas Mandelgrieß – grobes Mandelmehl – und eine Prise Salz. Herausfordernd ist – wie so oft – nicht der Inhalt, sondern die Form. Denn dieser Ausstecher verzeiht nichts. Zu weicher Teig bleibt hängen, zu dünner reißt. Wer die Form zu schwungvoll löst, verzerrt die Umrisse des Reichstags, wodurch er wie aus Teig statt schön scharfkantig aussieht. Wobei – er ist ja auch aus Teig. Also weiter. In einem Video, das auf Klöckners Weihnachtskarte verlinkt ist, sieht man die Bundestagspräsidentin vorbildlich unverdrossen, wie sie selbst die Plätzchen backt. Und dabei über Demokratie nachdenkt. „Die Kuppel, die steht sinnbildlich für unseren starken Parlamentarismus“, sagt sie, während sie Kuppeln aus Teig aussticht. Zuvor hatte sie schon die Zutaten für Demokratie benannt: „eine große Portion Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt“. Sonst bliebe die fad, „irgendwie geschmacksneutral“. Und was niemals fehlen dürfe, sei die Fähigkeit zum Kompromiss. Das hören Hobbybäckerinnen mit schiefen Kuppelkeksen natürlich gern. Man kann es auch übertreiben mit der Perfektion. Zumal man ja besonders schiefe Kekse auch mit Zuckerguss und bunten Streuseln überziehen kann. Doch Vorsicht! Das löst das Problem nicht, sondern tarnt es nur. In der Politik rächt sich so was meistens. Wie schmecken die Kekse nun? Normal, wie Ausstecher halt. Etwas langweilig. Aber das gehört dazu.
