FAZ 25.01.2026
15:48 Uhr

Skirennfahrer in Kitzbühel: Endlich ein Podestplatz für Linus Straßer


„Das ist etwas ganz Besonderes“: In Kitzbühel läuft es für Linus Straßer in dieser Saison einmal so, wie er es sich vorstellt. Trägt sein überraschender Ausrüsterwechsel nun endlich Früchte?

Skirennfahrer in Kitzbühel: Endlich ein Podestplatz für Linus Straßer

Von Zeit zu Zeit sollte man sich neu erfinden. Das geht den Menschen wie den Institutionen. So dreht sich in Kitzbühel heuer zum ersten Mal während des Hahnenkamm-Wochenendes ein Riesenrad in der Ortsmitte. Für zehn Euro geht es rund in diesem „Wheel of Excellence“, wie die neue Attraktion in typischer Kitzbüheler Diktion unbescheiden heißt. Das Fahrgeschäft ist zwar vom Weihnachtsmarkt stehen geblieben, aber es passt genauso gut zum Weltcup, schließlich kreiselt die Skiszene auch stets um sich selbst. Linus Straßer hatte vor der aktuellen Saison ebenfalls etwas Neues gewagt. Der deutsche Slalomfahrer hatte sich aus seiner „Komfortzone“ herausbewegt, wie er erklärte. Trotz guter Erfolge in den Vorjahren wechselte er überraschend seinen Skiausrüster. Der 33-Jährige erhoffte sich davon einen Schub für den Herbst seiner Karriere, auch wenn er damit im Olympia-Winter ein gewisses Risiko einging, wie er einräumte. „Ich wusste, dass der Lauf nicht ganz verkehrt war“ In Kitzbühel kam er nun endlich so gut zurecht, wie er sich das schon den ganzen Winter über vorgestellt hatte. Dank eines starken zweiten Durchgangs verbesserte Straßer sich noch vom zehnten auf den dritten Rang. Im Ziel fehlten ihm 0,53 Sekunden auf den siegreichen Österreicher Manuel Feller. Rang zwei sicherte sich der Schweizer Loïc Meillard (+0,35). „Den Podestplatz in Kitzbühel einzufahren, ist etwas ganz Besonderes“, sagte Straßer nach dem Rennen vor Freude strahlend. Schon unterwegs habe er ein gutes Gefühl gehabt: „Ich wusste, dass der Lauf nicht ganz verkehrt war.“ Aus dem blau leuchtenden Riesenrad bot sich ein erhabener Blick auf den Ganslernhang. Wer am Sonntag im richtigen Moment in einer der Kabinen Platz nahm, konnte Straßer auf seinem Weg durch den Stangenwald erahnen – und zumindest von Weitem begutachten, wie gut der deutsche Slalom-Artist diesmal zurechtkam. Straßer erfüllte sich im achten Weltcup-Slalom der Saison zum ersten Mal seine Erwartungen. Bislang stand der achte Rang von Gurgl als Topresultat für ihn in den Ergebnislisten. Zuletzt wurde der Münchner in Wengen Elfter. Davor belegte er in Madonna di Campiglio, Levi und Alta Badia die Plätze 14, 15 und 17. Zweimal schied er aus. In der dicht besetzten Slalom-Elite, die in diesem Winter nun schon den siebten unterschiedlichen Gewinner hervorbrachte, war das ein bisschen wenig auf der Habenseite für einen, der noch 2025 WM-Bronze gewann und 2024 Zweiter der Branchenwertung war. Erfolgserlebnis vor Olympischen Spielen Doch Straßer beharrte in einer gewissen Starrköpfigkeit darauf, dass sein Schritt aus der Wohlfühlkuhle heraus der richtige gewesen sei – auch wenn er Schwierigkeiten bei der Anpassung von Mensch und Material einräumte. „Nee“, sagte er schon vor dem Slalom von Kitzbühel auf die Frage, ob er sich schon geärgert habe über seinen Materialwechsel. „Ich wusste, welche Risiken ich damit eingehe“, erklärte er bestimmt. „Ich habe es mir nicht leicht gemacht, aber ich war fest entschlossen.“ Seine Vorstellung am Ganslernhang bestätigt ihn nun in seinen Erwartungen. Höchste Zeit allerdings, nachdem die Saison schon ihrem Höhepunkt zusteuert, den Olympischen Spielen in Italien. Im Training habe es schon länger gut funktioniert, erklärte Straßer seine Zuversicht. Nur seien Training und Wettkampf eben „zwei Paar Skischuhe“. Zwischen den Zeilen war ihm anzumerken, dass ihn der Kampf mehr Kraft kostete, als er sich vorgestellt hatte. Aber es ist eben nicht ganz einfach, das Rad neu zu erfinden. „Wenn ich da durch bin, kann ich gestärkt rausgehen“, so lautete seine als Prognose verkleidete Hoffnung. Der er nun in Kitzbühel neue Nahrung gab.