FAZ 28.02.2026
16:52 Uhr

Ski-Drama bei Olympia: Ohne Gold glücklich


Atle Lie McGrath wird in Bormio berühmt, als er sich nach seinem olympischen Missgeschick in den Schnee legt. Wie er seither öffentlich seinen Frust bewältigt, ist ebenso menschlich wie beeindruckend.

Ski-Drama bei Olympia: Ohne Gold glücklich

Es gibt Dinge, die hauen einen um. Die können nur langsam und mit Hilfe anderer verarbeitet werden. Atle Lie McGrath lässt uns seit eineinhalb Wochen in beeindruckend menschelnder Weise daran teilhaben, wie schwer es ihm fällt, über sein olympisches Missgeschick von Bormio hinwegzukommen. Wie es passieren konnte, dass er sich als Führender einen verhängnisvollen Fehler im zweiten Slalomlauf leistet, daraufhin die Skistöcke wegschleudert, die Ski abschnallt, quer über die Piste stapft, sich in einem Waldstück in den Schnee legt. Trauerbewältigung in den sozialen Medien Dass er emotional angegriffen gewesen sei, weil sein Großvater kurz zuvor gestorben war, hatte McGrath während der Winterspiele erklärt. Seine Bewältigung von Frust und Trauer setzt er in den sozialen Medien fort. Er fragt sich, warum er Skirennläufer geworden ist: nicht wegen des Ruhms oder der Medaillen, sondern wegen eines besonderen Empfindens. Nun fühle er sich traurig, zugleich sei er glücklich, dass es etwas gebe, dass ihn traurig machen könne, zitierte der Norweger aus der Trickfilmserie „South Park“. Und schickte eine eigene Botschaft hinterher: „Es ist in Ordnung, in den Wald zu gehen und sich gelegentlich unter einen Baum zu setzen.“ Steht man danach auf und ist mit sich im Reinen, wiegt das mehr als sechs Gramm Gold.