FAZ 06.03.2026
07:46 Uhr

Sixtinische Kapelle: Zu viel Schweiß: Michelangelos „Jüngstes Gericht“ wird restauriert


Wegen steigender Temperaturen schwitzen Besucher mehr – und lagern Milchsäure auf Michelangelos Meisterwerk ab. Das Fresko musste abgedeckt werden, um die Farben wieder zu kräftigen.

Sixtinische Kapelle: Zu viel Schweiß: Michelangelos „Jüngstes Gericht“ wird restauriert

Besuchern, die durch die Sixtinische Kapelle im Vatikan schlendern, bietet sich derzeit ein ungewöhnliches Bild: Michelangelos berühmtes Fresko „Das Jüngste Gericht“, das die Stirnseite der Kapelle ziert, ist verborgen hinter einer Plane mit einer Nachbildung des Freskos. Dahinter arbeiten Restauratoren auf Gerüsten daran, das Renaissance-Meisterwerk von einer weißlichen Schicht zu befreien, die sich durch die Ausdünstungen schwitzender Besucher in den vergangenen drei Jahrzehnten darauf abgelagert hat. Die Ablagerungen bedecken das gesamte rund 180 Quadratmeter messende Fresko, wie die Direktorin der Vatikanischen Museen, Barbara Jatta, berichtet. Die weißliche Schicht ist nach Angaben der Museumsleitung mit bloßem Auge nicht zu sehen, „dämpft“ aber die Farben. Ziel der Arbeiten sei es, das Werk wieder in den leuchtenden Farben erstrahlen zu lassen, in denen Michelangelo es zwischen 1536 und 1541 erschaffen hatte. Wegen des Schweißes der Besucher muss restauriert werden Wegen des Klimawandels schwitzten die Museumsbesucher mehr. „Und mit dem Schwitzen produzieren wir Milchsäure“, die sich dann als Calciumlactat auf dem Fresko ablagere, erklärt der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung der Vatikanischen Museen, Fabio Morresi. Um die Fresken zu schützen, hatte das Museum daher bereits die Zahl der Besucher in der Sixtinischen Kapelle beschränkt. Dennoch war die Restaurierung nun unausweichlich. Die Restauratoren tupfen das Fresko durch eine Schicht Seidenpapier mit destilliertem Wasser ab, um die Calciumlactat-Ablagerungen zu entfernen. Der Unterschied in den Farben vor und nach der Behandlung sei „wie zwei verschiedene Welten“, schildert Forschungsleiter Morresi. Auch während der Besuchszeiten abgedeckt Das „Jüngste Gericht“ ist das Herzstück der Fresken in der Sixtinischen Kapelle, wo traditionell die Papstwahl stattfindet. Die jetzt laufende Restaurierung wird von Spendern aus den USA gesponsert und ist Teil einer 2010 begonnenen umfassenden Restaurierung der gesamten Sixtinischen Kapelle. Normalerweise finden Arbeiten in der Kapelle nur außerhalb der Öffnungszeiten für Besucher statt. Wegen der schieren Größe des „Jüngsten Gerichts“ ist dies nach Angaben der Museumsleitung diesmal jedoch nicht möglich. Die Kapelle bleibt jedoch weiterhin zugänglich. Ende April soll das Fresko wieder ohne Einschränkungen zu sehen sein.