FAZ 29.11.2025
17:00 Uhr

Sieg im Sprint von Qatar: Piastris Punktsieg im WM-Kampf


Nach schwächeren Rennen ist Oscar Piastri mit dem Sieg im Sprint von Qatar zurück im Fight um den Fahrer-Titel in der Formel 1. Norris gelingt Schadensbegrenzung, Verstappen kämpft weiter mit seinem Boliden.

Sieg im Sprint von Qatar: Piastris Punktsieg im WM-Kampf

Er ist zurück, im entscheidenden Moment: Oscar Piastri gewann zum Auftakt des finalen Kampfes in der Formel 1 um den Fahrertitel am Samstag das Sprintrennen. Der McLaren-Pilot verkürzte seinen Rückstand auf den Führenden der Gesamtwertung, seinem Teamkollegen Lando Norris, auf 22 Punkte. Der Engländer wurde Dritter hinter George Russell im Mercedes und sprach entspannt von Schadensbegrenzung. Das gilt nicht unbedingt für den Titelverteidiger Max Verstappen. Der viermalige Weltmeister verlor als Vierter nach dem kleinen Desaster am Freitag zwar nur einen Punkt auf Norris (Rückstand 25) und liegt nur drei hinter Piastri. Aber sollte Norris beim Großen Preis von Qatar am Sonntag (17 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 und bei Sky) gewinnen oder vier Punkte mehr als Piastri holen sowie gleichzeitig nichts von seinem Vorsprung vor Verstappen verlieren, wäre er zum ersten Mal Weltmeister. Verstappen müsste abdanken. Das liegt nahe. Denn er kämpft mit seinem Boliden: „Ich hatte wieder dieselben Schwierigkeiten wie im Qualifying“, sagte der viermalige Weltmeister, „das hat uns davon abgehalten, mithalten zu können. Wir müssen das Bouncing, das Untersteuern abstellen.“ Red Bull bleibt nicht viel Zeit bis zum Qualifikationstraining (19.00 Uhr MEZ/Sky) für das Rennen am Sonntag. „Wir hoffen, dass wir noch etwas hinbekommen, eine Zehntelsekunde vielleicht (pro Runde/d. Red.)“, kündigte Laurent Mekies, Teamchef von Red Bull, an: „Die ersten Vier liegen eng beieinander.“ Wie wichtig ein guter Startplatz in Qatar ist, zeigte der Verlauf des Sprintrennens. Die Streckenführung des „Lusail International Circuit“, 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt Doha gelegen, bietet trotz einer gut einen Kilometer langen Geraden wenig Überholmöglichkeiten. Verstappen, nur Sechster im Qualifikationstraining für das kleine Rennen, setzte sein Versprechen um: „All in!“ Tsunoda entpuppt sich als Starthilfe Mit einem fixen Start folgte er seinem erstmals vor ihm liegenden Teamkollegen Yuki Tsunoda, der an Fernando Alonso (Aston Martin) vorbeischoss, sich vor den Spanier setzte und damit den Weg frei machte für seinen Chefpiloten auf der Außenbahn. Endlich entpuppte sich der Japaner, dessen Tage bei Red Bull gezählt sein sollen, mal als Starthilfe. Verstappen ließ er, loyal bis zur Scheidung, auf Rang vier ziehen, direkt in den Windschatten von Lando Norris. Die Schadensbegrenzung zeichnete sich ab nach dem Drama am Freitagabend, als Verstappen fluchend über die Bockigkeit des Boliden ins Abseits geriet, den Unterboden beschädigte, dadurch Abtrieb und schließlich den Anschluss an seine Gegner im Kampf um die Weltmeisterschaft verlor. Doch das unangenehme Wippen (Bouncing) des RB21 schüttelte das Weltmeisterteam nicht ab: „Das Bouncing ist immer noch da“, rief Verstappen über Funk. Und so verlor der Niederländer nach den ersten Runden doch die Aussicht, Norris zu attackieren, ihn hinter sich lassen zu können. Mehr wäre wohl auch bei einer besseren Straßenlage nicht drin gewesen. Denn auch Norris kam nach zehn Runden, der Hälfte des kleinen Rennens, nicht mehr in Schlagdistanz zu George Russell im Mercedes. Es kam wie vorhergesagt: Wer die Startphase nicht nutzen konnte für Überholmanöver, bemühte sich, die Position zu halten. Piastri geriet nie in Gefahr. „Er ist schnell in jeder Situation, hatte alles unter Kontrolle“, sagt McLarens Andrea Stella und erklärte das „Comeback“ nach sechs schwächeren Rennen, in denen der Melbourner nicht unter die ersten Drei kam: „Es bestätigt sich, was wir immer gesagt haben. Auf Strecken mit starkem Grip (Haftung/d. Red.) sehen wir wieder den üblichen, schnellen Oscar. Wenn es wenig Grip gibt, dann muss er einen besonderen Fahrstil wählen, da fehlt noch Erfahrung. Wir haben ein gutes Ergebnis, toll, dass Lando gute Punkte geholt hat.“ Der WM-Führende geriet wie Russell nie unter Druck. Im Gegenteil, der Rückstand von Verstappen wuchs bis ins Ziel auf gut neun Sekunden. Abgesehen von wenigen Überholmanövern bot auch das Feld im Rücken der Schnellsten, Nico Hülkenberg wurde im Sauber 16., kaum Unterhaltung. Nur zwei fielen in der Prozession aus der Reihe. Tsunoda überfuhr zu oft das eingezeichnete Streckenlimit. Fünf Sekunden addierten die Streckenkommissare zu seiner Zeit. Weil sich auch der ihn jagende Mercedes-Mann Kimi Antonelli vier „Strikes“ leistete, blieb er Fünfter vor dem Italiener.