Rauch zog aus der Kurve auf, wo die roten Lichter brannten. Vor ihnen jubelnde Fußballspieler von Paris Saint-Germain, die zu den Klängen lauter Musik auf und ab hüpften. Was man eben so macht, wenn man seinen Titel in der Champions League verteidigt hat. Die weinenden Spieler des FC Arsenal auf der anderen Seite ließen erahnen, dass das auf die dramatischste aller Weisen entschieden worden war, dem Elfmeterschießen. 1:1 hatte es nach 120 spannenden Minuten gestanden, vom Punkt aber versagten gleich zwei Londonern die Nerven. Wie schwer es ist, einen Sieg in der Champions League zu wiederholen, zeigt allein die Tatsache, dass dieses Kunststück bisher nur Real Madrid, dem Rekordsieger, gelungen war. Nun also Paris, wer sonst. So glücklich der Sieg am Ende auch zustande gekommen war, unstrittig ist, dass es sich bei Paris Saint-Germain um die derzeit beste Fußballmannschaft der Welt handelt. Gesegnet mit so viel Talent, dass niemand ihnen Einhalt gebieten kann. Nicht mal die Meister der Effizienz des FC Arsenal. Paris war ins Finale gestürmt Die Londoner hatten sich kühl in dieses Endspiel von Budapest manövriert, Paris war ins Finale gestürmt. Zwei Mannschaften, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Das direkte Aufeinandertreffen diente dafür als Beleg. Arsenal, trainiert vom Spanier Mikel Arteta, ist eine perfekt abgestimmte Maschine, die nur sehr selten Ausfallerscheinungen zeigt. Erst recht nicht, wenn Spiele so beginnen wie gegen Paris. Die Franzosen waren gewohnt weit aufgerückt, ihre Verteidigungslinie entblößt, als der Ball etwas glücklich zu Kai Havertz gelangte. Vor ihm nur noch das gegnerische Tor. Havertz ist diesen Weg schon einmal gelaufen. Vor fünf Jahren, damals noch für Chelsea. Auch da im Finale der Champions League, auch da gegen einen weit aufgerückten Abwehrblock von Manchester City. Der Ausgang ist bekannt. Havertz traf, Chelsea gewann. Nun, anderes Trikot, anderer Gegner, anderer Ort, ähnlicher Weg. Havertz sprintete los, Gegner in seinem Rücken, aber anders als vor fünf Jahren wurde der Winkel immer spitzer. Wenige Meter vor Paris’ Torwart Matwei Safonow erkannte der deutsche Nationalspieler, dass es aus dieser Lage nur einen Ausweg geben konnte. Mit aller Wucht, die in seinem Fuß steckte, hämmerte er dem bedauernswerten Safonow das Spielgerät wortwörtlich um die Ohren. Voll in den oberen Winkel. Eine Aktion, so tollkühn, dass die Zuschauer, die es mit Arsenal hielten, erst zu jubeln anfingen, als Havertz schon mit ausgebreiteten Armen in Richtung der Eckfahne lief. Zunächst hatte es so ausgesehen, als sei der Ball vorbeigegangen. Arsenal verteidigte sehr engmaschig Mit der frühen Führung im Rücken zog sich Arsenal zurück und überließ Paris das Feld. Aber anders als in den meisten Spielen dieser Saison konnte der Titelverteidiger keine Gefahr entwickeln. Arsenal verteidigte sehr engmaschig. Bei gegnerischem Ballbesitz warteten die Engländer in einer 5-3-2-Formation, so massiv, dass die Pariser Dribbler nicht wussten, wie ihnen geschah. Zur Pause hatte sich Paris 74 Prozent Ballbesitz erspielt, vier Ecken, aber keine wirklich gefährliche Torchance. Nur ist es mit PSG so: Über 90 Minuten ausschalten lässt sich die Mannschaft nicht. Viel zu hoch ist die individuelle Klasse aller. Wenn es sein muss, wird eben die Schlagzahl erhöht. Dann läuft der Motor einfach schneller, ein jeder Zylinder arbeitet mehr. Die Durchbrüche auf den Außenbahnen begannen sich zu häufen und waren irgendwann nur noch unlauter zu stoppen. Mosquera foulte nach rund einer Stunde Dauerläufer Chwitscha Kwarazchelia, den Elfmeter verwandelte Ousmane Dembélé sicher. Rauchbomben wurden im Pariser Block gezündet, die ungarische Polizei marschierte auf, zeigte aber nur kurz Präsenz, die Lage beruhigte sich schnell. Arsenal taumelte in die Verlängerung PSG hatte das Bollwerk durchbrochen und Arsenal damit auch mental einen gewaltigen Hieb versetzt. Die Wege, die jeder im endorphingesteuerten Rausch der Führung bereit war zurückzulegen, wurden nun gefühlt immer länger, die Beine der Engländer immer schwerer. Paris schob Angriffswelle um Angriffswelle an. Kwarazchelia stürmte wieder und wieder los, einmal klatschte sein Schuss an den Außenpfosten. Nun war es endgültig da, das PSG, das auch die Bayern so fürchten gelernt hatten. Immer in der Lage, auf irgendeiner Position durchzubrechen. Arsenal wurde systematisch eingeschnürt, Vitinhas Schuss sauste kurz vor Schluss knapp über das Tor. Barcola lief den gleichen Weg, den Havertz 85 Minuten zuvor gelaufen war, aber sein identischer Versuch landete am Außennetz. Arsenal taumelte in die Verlängerung, rappelte sich dort aber überraschend wieder auf. Mit etwas Glück hätte es einen Elfmeter geben können, als Nuno Mendes Londons Madueke im Laufduell zu Fall brachte. Dem deutschen Schiedsrichter Daniel Siebert war das aber nicht genug für einen derart entscheidenden Pfiff. Gabriel war der unglückliche Schütze Havertz, Dembélé und Kwarazchelia, die Protagonisten dieses Budapester Abends, verfolgten das Geschehen da schon mit bangen Blicken von draußen. Allzu viele kribblige Momente gab es in der Verlängerung aber nicht, niemand ging mehr ins Risiko. Beinahe hätte Timber den Pariser Torwart Safonow mit einem Schuss in die kurze Ecke überrascht, so aber musste das unvermeidliche Elfmeterschießen entscheiden. Ramos, Gyökeres, Doué trafen, dann zeigte Eze als Erster Nerven. Sein Schuss ging links am Tor vorbei. Raya hielt aber sofort im Anschluss gegen Mendes, Rice traf, alles war wieder ausgeglichen. Hakimi, Martinelli, Lucas Beraldo schossen sicher ins Tor. Aller Druck lag auf dem letzten Schützen Gabriel. Dem war der Brasilianer nicht gewachsen. Sein Schuss in den Pariser Block sorgte dort für Jubel und Feuerwerk.
