FAZ 03.01.2026
07:58 Uhr

Siebzigster Geburtstag: Die Apokalypse des Mel Gibson


Vom Actionhelden zum Sonderbotschafter Donald Trumps in Hollywood: Zum siebzigsten Geburtstag des Schauspielers und Regisseurs Mel Gibson.

Siebzigster Geburtstag: Die Apokalypse des Mel Gibson

Sein Spektrum als Schauspieler reicht von Mad Max bis Elvis. Die erstgenannte Rolle machte Mel Gibson 1979 berühmt: und das im Alter von nur dreiundzwanzig Jahren, nachdem er sich zuvor lediglich auf kleinen Bühnen und in kleinen Filmen bewährt hatte. Aber der australische Regisseur George Miller hatte kein Geld für seine große Vision eines postapokalyptischen Actionfilms, also setzte er auf billige Kräfte. In den ersten beiden Fortsetzungen der „Mad Max“-Reihe, gedreht 1981 und 1985, wurde das dann anders: Die erste Hauptrolle hatte Mel Gibson zu einem hoch bezahlten Star gemacht, aber der Erfolg der Filmserie war so groß, dass im dritten Teil, „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“, neben Gibsons Antrittsgage sogar noch Geld für Tina Turner übrig geblieben war. Bitterschwarze Komödie Elvis dagegen ist die bislang letzte nennenswerte Hauptrolle von Gibson gewesen, und das ist auch schon wieder vier Jahre her – in „On the Line“, einem Film, der es gar nicht erst in die deutschen Kinos schaffte. Elvis ist dabei nicht der berühmte Sänger, sondern ein Radiomoderator, der seine Familie für ein neues Engagement verlässt, dann aber um deren Leben fürchten – und selbstverständlich mit allen Mitteln kämpfen muss. Man kann den Film einen Thriller nennen oder eine Komödie, die so bitterschwarz ist, dass es nichts in ihr zu lachen gibt. Was Gibson zur Annahme dieser Rolle bewogen hat? Geld nicht, das Glück dieses Mannes ist gemacht, und daran können auch Flops wie „On the Line“ nichts ändern. Zumal Gibson längst nicht mehr auf Auftritte vor der Kamera angewiesen ist: Das Mittelalter-Epos „Braveheart“, seine zweite Regiearbeit und erste eigene Produktion, gewann 1996 fünf Oscars, darunter die für den besten Film und die beste Regie. Gibson ist somit doppelter Oscar­gewinner, obwohl er für seine Hauptrolle als schottischer Unabhängigkeitskämpfer nicht einmal nominiert worden war. Die Hauptrolle in seinem nächsten Film, „Die Passion Christi“ (2004), einem Herzensanliegen des aus irischstämmiger, erzkatholischer Familie stammenden Gibson, überließ er daraufhin jemand anderem. Das Resultat war hochumstritten wegen antisemitischer Klischeedarstellungen und einer hoch­ästhetischen Bildüberwältigung à la Riefen­stahl, aber auch hocherfolgreich. Seit damals hat Gibson ein christlich-fundamentalistisches Stammpublikum. Und damit auch die Sympathie von Donald Trump, der gleich nach seinem abermaligen Amtsantritt als US-Präsident vor einem Jahr Gibson zum „Sonderbotschafter in Hollywood“ ernannte – als ob die Traumfabrik so etwas wie der Vatikan wäre. Aber tiefgläubig ist Gibson ja tatsächlich. Evolutionstheorie? Für ihn Humbug. Zweites Vatikanisches Konzil? Moderner Tinnef, in seiner Privatkapelle wird die Messe nach altem Ritus zele­briert. Man ahnt, dass der Fanatismus, der seine besten Rollen ausgezeichnet hat – „Mad“ Max Rockatansky, „Braveheart“ William Wallace –, nicht gespielt war. Dass er in Franco Zeffirellis „Hamlet“-Verfilmung 1990 die Titelrolle gespielt hat, verdankte sich jedenfalls nicht eigenen Selbstzweifeln. Andererseits: Wer so gewitzt spielen kann, wie er es 1994 in Richard Donners „Maverick“ neben Jodie Foster getan hat – das unwahrscheinlichste Paar der jüngeren Filmgeschichte –, hat dazu auch keinen Anlass. Man darf die Hoffnung also nie aufgeben. Und es ist ja noch Zeit. Am morgigen Samstag wird Mel Gibson siebzig Jahre alt.