Knapp zwei Wochen nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter im Regionalverkehr in Rheinland-Pfalz haben Vertreter von Bund, Ländern und der Bahn Maßnahmen für mehr Sicherheit in Zügen vorgestellt. „Allein im vergangenen Jahr gab es mehr als 3000 Angriffe auf Bahnmitarbeiter“, sagte Evelyn Palla, die Vorstandsvorsitzende der Bahn, nach dem Sicherheitsgipfel in Berlin, zu dem sie neben Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und Landespolitikern auch Vertreter von Gewerkschaften, Branchenverbänden und Aufgabenträgern des öffentlichen Nahverkehrs eingeladen hatte. Mit einem „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ wollen sie gemeinsam gegensteuern. Die Finanzierung für die geplanten Maßnahmen ist zum Teil noch nicht geklärt. Kurzfristig helfen sollen der Einsatz von mehr Kameras im Kundenkontakt – sogenannten Bodycams – und mehr Sicherheitspersonal an Bahnhöfen. Noch im laufenden Jahr werden dazu alle Mitarbeitenden im Nahverkehr, im Fernverkehr und an den Bahnhöfen mit Bodycams ausgerüstet. Die Nutzung ist freiwillig. Um zusätzliches Personal soll es erst Ende März gehen Ebenfalls noch in diesem Jahr will die Bahn die Zahl der Sicherheitskräfte auf Bahnhöfen von derzeit 4000 um 200 Mitarbeiter aufstocken. Kurzfristiger wirken soll die Aufhebung der verpflichtenden Ausweiskontrolle in den Zügen. Ab dem 1. März 2026 liegt es im Ermessen des Kontrollpersonals, ob bei der Ticketkontrolle ein Ausweis verlangt wird. Das soll helfen, kritische Situationen im Zug zu vermeiden. „Das Motto lautet: Prävention geht vor Reaktion“, sagte Palla. Was in dem am Freitag vorgestellten Sieben-Punkte-Plan fehlt: zusätzliches Personal in den Zügen, das die Eisenbahngewerkschaft EWG vor dem Gipfel vehement gefordert hatte. „Mit diesem Thema wird sich die Verkehrsministerkonferenz Ende März befassen“, heißt es dazu in der Mitteilung der Bahn. Es geht um die Finanzierung. „Es gibt beschlossene Haushalte, da sind keine großen Sprünge möglich, oder wir müssen Verkehre abbestellen“, sagte der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter, derzeit Vorsitzender der Landesverkehrsministerkonferenz. Eine konstante Doppelbesetzung in allen Zügen könne es nicht geben. „Die finanziellen Mittel dazu haben wir nicht“, sagte Bernreiter. Vier von fünf Mitarbeitern wurden von Kunden angefeindet In einer Umfrage der Eisenbahngewerkschaft EWG gaben im Jahr 2024 rund 82 Prozent von 4000 Befragten mit Kundenkontakt an, schon einmal Anfeindungen oder Übergriffe erlebt zu haben. 61 Prozent berichteten von einer körperlichen Bedrohung. 63 Prozent sagten, ihr Sicherheitsempfinden habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. 36 Prozent fühlten sich während ihrer Arbeit nicht mehr sicher. Die EVG fordert deshalb schon länger, dass Kontrollen in Nahverkehrs- und Regionalzügen mindestens von zwei Personen erledigt werden. In der Praxis ist es oft nur eine Person. Zudem sollte das Zugpersonal im Fernverkehr mit Kameras ausgerüstet werden und auch die Erlaubnis für Tonaufnahmen bekommen, sagte EVG-Chef Martin Burkert vor dem Sicherheitsgipfel. Außerdem fordert die EVG ein einheitliches, sicheres Deutschlandticket, damit im Zug nicht immer der Ausweis gezeigt werden muss. Denn dies sorge für hohes Konfliktpotential in den Zügen, sagte Burkert. Grund für den Bahngipfel war ein Zwischenfall Anfang Februar. Der Zugbegleiter Serkan C. wurde auf der Strecke zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken von einem Fahrgast ohne Ticket schwer verletzt und starb kurz danach. Er hatte im Regionalverkehr Fahrkarten kontrolliert. Der Fall sorgte bundesweit für Bestürzung. „ Seither begleiten uns Trauer und Entsetzen, aber auch Entschlossenheit“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nach dem Sicherheitsgipfel am Freitag. Kunden und Bahnmitarbeiter müssten in den Zügen und am Bahnhof ein besseres Sicherheitsgefühl haben, sagte der Minister. Man wolle deshalb auch in eine bessere Videoüberwachung an Bahnhöfen investieren und die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz nutzen, sagte er.
