Showdown in der Formel 1. Erst im letzten von 24. Grand Prix der Saison 2025 kommt es zur Entscheidung: Wer wird Weltmeister? Gelingt es wieder Max Verstappen im Red Bull? Oder kann einer der beiden McLaren-Piloten erstmals seinen Traum erfüllen. Lando Norris führt die Fahrerwertung an, Oscar Piastri liegt vor dem Start (14 Uhr MEZ/Sky) auf Rang drei hinter Verstappen. Wer macht das Rennen auf dem Yas Marina Circuit von Abu Dhabi, wer packt Tricks aus? Das hängt von mehreren Faktoren ab. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen: Wer hat die besten Chancen? Man kann es drehen und wenden wie man will: Der Engländer Norris ist in der aussichtsreichsten Position. Er führt mit zwölf Punkten vor Verstappen, mit sechzehn von seinem Teamkollegen Piastri, weil er vor einer Woche beim Sieg von Verstappen in Qatar im letzten Moment noch um eine Position nach vorne rückte, Vierter wurde. Dieser Vorsprung reicht ihm, sich aus allem herauszuhalten. Er könnte entspannt hinter den beiden herfahren, weil dem 26 Jahre alten Piloten aus Bristol Rang drei reicht für den ersten Formel-1-Titel in seiner Karriere, selbst falls Verstappen gewinnen sollte. Wer muss attackieren? Zum größten Sprung ist Piastri gezwungen. 16 Punkte Rückstand hinter Norris bedeuten, dass er am besten das Finale gewinnt. Aber selbst dann brauchte er Hilfe von Kollegen aus anderen Rennställen, die sich zwischen ihm und Norris platzieren müssten. Er muss mindestens Zweiter werden. Denn Rang drei, für den 15 Punkte vergeben werden, reichte ihm selbst dann nicht, wenn Norris ausfiele. Der Australier wird also sofort angreifen. Auch Verstappen bleibt angesichts der Ausgangslage keine Wahl. Eine kontrollierte Flucht nach vorne ist der erste Schritt, dem andere folgen müssen für den fünften Titel in Serie. Wird es beim Start krachen? Aus dem Ergebnis des Qualifyings am Samstag lässt sich auf den ersten Blick eine spannende Startphase ableiten. Verstappen steht auf der Pole-Position schräg vor Norris. Von Position drei startet Piastri. Der wird sein Glück auf den ersten Metern suchen. Verstappen sollte aber nicht mit einem Überholmanöver auf Biegen und Brechen rechnen. Denn jeder hat ein sehr großes Interesse, im Rennen zu bleiben. Norris wäre nur ein glücklicher Profiteur, wenn bei einem Crash seine Konkurrenten oder alle drei auf der Strecke blieben. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass Norris im Zweifel zurückzieht, Piastri ziehen ließe, um einen Zweikampf seines Teamkollegen mit Verstappen erleben zu können. Was geschieht, wenn der Start und die erste Runde ohne Zwischenfälle abläuft? Es ist mit verschiedenen Spielchen von allen Beteiligten zu rechnen. Verstappens Nachteil: Er kämpft gegen zwei eines Teams. Sein Vorteil: Keiner hat so viel Erfahrung und so viele Geschick, nicht allein mit reinem Speed sein Glück erzwingen zu können. Da Verstappen ein Sieg allein nicht hilft, Teams wie Mercedes – George Russell steht auf Rang vier, Charles Leclerc mit seinem Ferrari auf Platz fünf – in Abu Dhabi nicht schnell genug scheinen, muss er ihnen helfen, damit sie ihm einen Dienst erweisen können. Wie geht das? Mit einer Tempoverschleppung. Das kann schon nach der ersten Kurve beginnen, überall dort auftreten, wo die Hintermänner nicht damit rechnen. Die Kunst ist es, in Führung zu bleiben, aber hinten Überholmanöver unter den Jägern oder wenigstens Attacken zu provozieren mit der kurzen Drosselung des eigenen Tempos. Verstappen ist ein Meister darin. Es ist damit zu rechnen, dass er bis zum Schluss versuchen wird, etwas hinter ihm auszulösen, das ihm den fünften Titel beschert, solange McLaren sich nicht wieder selbst bremst wie zuletzt mit einer Disqualifikation und fatalen Fehlentscheidungen. Wer hat die beste Strategie? Nach dem Desaster von McLaren vor einer Woche in Qatar zum Glück von Verstappen rechnen viele mit einer Wiederholung. Aber Rennställe lernen schnell. Diesmal scheint das englische Team zumindest vor Beginn der großen Sause im Vorteil. Der Reifenhersteller Pirelli rechnet inzwischen mit einer in Abu Dhabi eher unüblichen Zweistopp-Strategie. Sie soll der „schnellste“ Weg ins Ziel sein, wenn alles glattläuft. Beide McLaren-Piloten haben im Gegensatz zu Verstappen noch zwei frische Sätze der härtesten Pneus in der Hinterhand. Das könnte sich zum Vorteil im Verlauf des Grand Prix entwickeln, weil sie mit der härtesten Gummimischung laut Pirelli im Dauerlauf und bei viel Benzin an Bord am schnellsten vorankommen. Bei der Simulation des Grand Prix über 300 am Freitag lag McLaren vor Red Bull. Denkt McLaren an eine Teamorder? Ja, dazu kann es kommen. McLaren hat auf dieses erlaubte Mittel 23 Rennen verzichtet und je nach Sichtweise mehr Punkte verloren als Ruhe im Team gewonnen. Die eherne Regel, niemanden zu bevorzugen, könnte diesmal gebrochen werden. Zak Brown, Geschäftsführer des Rennstalls, ließ keinen Zweifel daran. Allerdings gibt es eine Bedingung: Piastri soll nur dann „gebeten“ werden, Platz zu machen für Norris, wenn er selbst keine Aussicht mehr auf den Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft hat. In diese Lage käme McLaren, wenn Verstappen auf dem Weg zum Sieg wäre und Piastri vor Norris auf Rang drei läge. Dann würde der Australier wohl weichen – vermutlich nicht vor der letzten Runde. Könnte es auch vorher zu einer Entscheidung kommen, die Norris einen Vorteil einräumt? Das ist nicht ausgeschlossen. Wenn es früh zu einer Safety-Car-Phase käme, müsste sich McLaren im Zweifel für Norris entscheiden. Da im Mittelfeld Teams noch um ihre Platzierung in der Konstrukteurswertung kämpfen. Mit einer Verschiebung um einen Rang können Millionen Euro gewonnen oder verloren werden. Deshalb wird es von vorne bis hinten ein hartes Rennen geben. Wann kämpften zuletzt drei Piloten im letzten Rennen um die WM? 2010 kam es zum Dreikampf in Abu Dhabi. Damals führte Fernando Alonso (noch im Ferrari) die Fahrerwertung an vor den Red-Bull-Piloten Mark Webber und Sebastian Vettel. Der Deutsche lag 15 Punkte hinter Alonso, Webber acht. Niemand schien den Hessen auf der Rechnung zu haben, man ließ ihn fahren. Ferrari hatte allein den Australier Webber im Blick. Alonso kam zwar vor ihm ins Ziel, aber nur als Achter. Vettel gewann nicht nur das Rennen, sondern zur Überraschung von Freund wie Feind seinen ersten WM-Titel. Es folgten weitere drei. Bis heute ärgert sich Alonsos damaliger Renningenieur über den viel zu engen Blick auf die Rennentwicklung. Heute ist Andrea Stella Teamchef von McLaren. Und Webber? Manager von Piastri, dem Außenseiter wie damals Vettel.
