Die jüngste Veröffentlichung neuer Dokumente über den amerikanischen Investor und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat auch in Europa Folgen. In Norwegen betrifft das gleich mehrere Personen. Am Montag ist eine der bekanntesten Diplomatinnen des Landes, Mona Juul, vorerst suspendiert worden. Juul wirkte von 2014 bis 2018 als Norwegens Botschafterin bei den Vereinten Nationen, bis zuletzt war sie als Chefdiplomatin in Jordanien tätig. Juul und ihr Ehemann Terje Rød-Larsen spielten eine wichtige Rolle bei den langwierigen geheimen Verhandlungen zwischen Israel und der palästinensischen PLO, die Anfang der 1990er-Jahre zum Friedensabkommen von Oslo führten. Norwegischen Medienberichten zufolge sind die beiden Kinder des Paars in Epsteins Testament als Erben einer Summe von insgesamt umgerechnet 8,5 Millionen Euro eingesetzt. Neben Juul tauchen auch die Namen des früheren Ministerpräsidenten und einstigen Generalsekretärs des Europarates Thorbjørn Jagland und des früheren Außenministers Børge Brende in den neuen Dokumenten auf. Brende ist heute Präsident des Weltwirtschaftsforums in Davos. Er traf Epstein 2018 und 2019 mehrmals in New York zum Essen. Im November vergangenen Jahres hatte er gegenüber der norwegischen Zeitung „Aftenposten“ erklärt, er habe mit Epstein „nie etwas zu tun gehabt“. Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit hatte bereits „peinliche“ Fehler zugegeben, nachdem norwegische Medien berichtet hatten, dass ihr Name mindestens tausendmal in den Epstein-Akten auftaucht. Auch Jagland sprach von „Fehlern in der Beurteilung“ Epsteins. Peter Mandelson legt Sitz im Oberhaus nieder Auch im Vereinigten Königreich hatten die jüngsten Enthüllungen Konsequenzen. Der britische Premierminister Keir Starmer ordnete am Montag eine Untersuchung zu den Kontakten des früheren britischen Botschafters in den Vereinigten Staaten Peter Mandelson zu dem Sexualstraftäter an. Es würden nun „alle verfügbaren Informationen über Peter Mandelsons Kontakte zu Jeffrey Epstein während seiner Zeit als Minister“ geprüft, sagte Starmers Sprecher. Am Nachmittag wurde bekannt, dass Mandelson seinen Sitz im britischen Oberhaus, dem House of Lords, verliert. Zuvor hatte die Londoner Polizei angekündigt, Mandelsons E-Mails mit Jeffrey Epstein zu untersuchen. Mandelson war im September wegen erster Enthüllungen als Botschafter in Washington abgesetzt worden. Grund waren damals bekannt gewordene E-Mails des Briten an Epstein. Den neuen Dokumenten zufolge soll der Labour-Politiker Anfang der 2000er-Jahre mehrfach Geld von Epstein erhalten haben. Weitere Dokumente sollen Überweisungen Epsteins an Mandelsons Lebenspartner Reinaldo Avila da Silva belegen. Mandelson war zum damaligen Zeitpunkt Minister im Kabinett von Tony Blair. In einem Interview mit der BBC sagte Mandelson am Wochenende, er wisse nicht, ob die Bankauszüge authentisch seien. Am Sonntagabend trat er jedoch aus der Labour-Partei aus und sagte, er wolle die Partei „nicht weiter in Verlegenheit bringen“. „Ich stehe zu deinen Diensten. Heirate mich doch“ Der frühere britische Prinz Andrew verlor schon nach Enthüllungen im vergangenen Herbst seinen Prinzentitel. Aber auch seine frühere Frau, Sarah Ferguson, pflegte Kontakt zu Epstein. „Danke, Jeffrey, dass du der Bruder bist, den ich mir immer gewünscht habe“, heißt es etwa in einer E-Mail, die „Fergie“ im August 2009 an Epstein schrieb – ein Jahr nach seiner ersten Verurteilung wegen Sexualstraftaten. In einer weiteren E-Mail schrieb Ferguson an Epstein: „Ich stehe zu deinen Diensten. Heirate mich doch.“ Ferguson hatte in einem früheren Interview um Verzeihung gebeten, umgerechnet etwa 17.210 Euro von dem Milliardär angenommen zu haben. Sie betonte, „nie wieder“ etwas mit Epstein zu tun haben zu wollen. Das Darlehen hatte sie als „gigantischen Fehler“ bezeichnet. Auch der Name des früheren französischen Kultur- und Bildungsministers Jack Lang taucht in den neuen Epstein-Akten auf. Demnach unterhielten Lang und seine Tochter Caroline Kontakte zu dem amerikanischen Finanzinvestor. Laut dem französischen Onlinemagazin „Mediapart“ finden sich in den Akten keine Belege für eine Verwicklung Langs oder seiner Tochter in Epsteins kriminelle Machenschaften. Nach Informationen der Zeitung „Le Monde“ bat Lang Epstein um Gefälligkeiten wie die Nutzung eines Autos oder Flugzeugs für sich selbst oder seine Familie. Er habe den amerikanischen Investor „vor etwa 15 Jahren“ durch den Regisseur Woody Allen kennengelernt, erklärte der Sozialist Lang gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er stehe „in vollem Umfang zu den Verbindungen“, die er einst zu Epstein aufgebaut habe. Damals habe für ihn nichts darauf hingedeutet, dass Epstein „im Zentrum eines kriminellen Netzwerks stehen könnte“. Er sei „völlig schockiert“ gewesen, als er von Epsteins Verbrechen erfahren habe. Auch in der Slowakei war Epstein den jüngsten Dokumenten zufolge vernetzt: Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico akzeptierte am Sonntag den Rücktritt des langjährigen Außenministers Miroslav Lajčák als außenpolitischer Berater. Lajčák, der von 2017 bis 2018 als Präsident der UN-Generalversammlung amtierte, hat sich in SMS-Nachrichten bis 2019 mit Epstein ausgetauscht. Es ging darin um Frauen, Lajčáks politische Perspektiven und um Epsteins Versuch, den Trump-nahen rechten Vordenker Steve Bannon in Europa zu vernetzen. Im Frühjahr 2019 kam es in der slowakischen Botschaft in Wien zu einem Treffen von Epstein und Lajčák.
