FAZ 03.12.2025
19:38 Uhr

Seltene Aufnahmen: Die Hyäne aus der Geisterstadt


Wim van den Heever hat mit seinem Foto „Ghost Town Visitor“ den Wildlife Photographer of the Year 2025 gewonnen: Wie ihn sein Wissen über Schabrackenhyänen zu diesem Preis verhalf.

Seltene Aufnahmen: Die Hyäne aus der Geisterstadt

Zehn Jahre habe er auf dieses Bild gewartet, sagt der südafrikanische Fotograf Wim van den Heever, und man muss sagen: Das hat sich gelohnt. Zum einen, weil er mit dem Foto „Ghost Town Visitor“ nun den Wettbewerb Wildlife Photographer of the Year 2025 gewonnen hat. Zum anderen, weil dabei ein Bild entstand, das einen, wie es die Jury-Vorsitzende Kathy Moran formulierte, beim Anschauen schaudern lässt. „Man weiß“, so Moran, „dass man hier im Reich dieser Hyäne ist.“ Ein nächtlicher Besucher in der Geisterstadt Das Foto zeigt eine Schabrackenhyäne, die bei Nacht und Nebel durch die architektonischen Gebeine des aufgegebenen Diamanten-Bergbauorts Kolmanskuppe in Namibia streift. Schabrackenhyänen, im südlichen Afrika zu Hause, sind selten, sie sind nachtaktiv und meist Einzelgänger. Van den Heever wusste, dass sie auf der Jagd nach Seebärjungtieren oder auf der Suche nach an der Küste angespültem Aas durch Kolmanskuppe ziehen. Als er dort Spuren von Hyänen sah, brachte er seine Kamerafalle in Stellung. Und wartete. Und wartete. Und wartete. Belohnt dafür wurde er mit einer an düstere Horrorfilme erinnernden gespenstischen Aufnahme, die aber zugleich weit über den Gruselfaktor hinausweist. Ein vom Menschen erbauter Ort, verlassen und verfallen, wird von der Natur wieder übernommen, von ihr wieder besiedelt. „Es ist immer noch ein Ort“, sagte Moran zur Auswahl des Siegerbilds, „es ist nur nicht mehr unser Ort.“ Die beeindruckende Konkurrenz Mehr als 60.300 Einsendungen aus 113 Ländern waren laut Veranstalter, dem Natural History Museum in London, eingegangen. In 19 Kategorien wurden Preise vergeben. Young Wildlife Photographer of the Year 2025 wurde der Italiener Andrea Dominizi für seine Gegenüberstellung von Bockkäfer und Bagger in den Lepinischen Bergen in Italien. Den Impact Award gewann der Brasilianer Fernando Faciole für die Aufnahme eines Großen Ameisenbärjungen, dessen Muttertier bei einem Autounfall umkam und das nun von einem Betreuer in einer Aufzuchtstation in Belo Horizonte großgezogen wird, um es später wieder auszuwildern. Eine Ausstellung mit ausgewählten Fotos aus dem Wettbewerb im Londoner Natural History Museum läuft noch bis 12. Juli 2026 und wird zudem auch in anderen Städten weltweit zu sehen sein – in Deutschland etwa im Naturkundemuseum Reutlingen (14. 11. 2025 bis 1. 2. 2026) und im Westfälischen Pferdemuseum in Münster (29. 11. 2025 bis 6. 4. 2026).