FAZ 22.01.2026
17:28 Uhr

Selenskyj trifft Trump: „Vergiss nicht die Patriots“


Kiew hat lange gezögert, das Treffen zwischen Selenskyj und Trump in Davos zu bestätigen. Am Ende gab es sogar ein Gespräch unter vier Augen.

Selenskyj trifft Trump: „Vergiss nicht die Patriots“

Gut 50 Minuten dauerte das Treffen zwischen Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump in Davos. Der amerikanische Präsident sagte danach zu Reportern: „Jeder will, dass dieser Krieg endet.“ Gefragt, was die beiden besprochen hätten, sagte Trump, sie müssten „abwarten, was passiere“. Am Donnerstagabend wollten amerikanische Unterhändler mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Moskau zusammenkommen. Der ukrainische Präsident bezeichnete das Gespräch mit Trump als produktiv. Man habe unter anderem über eine Stärkung der Flugabwehr gesprochen. „Vergiss nicht die Patriots“, habe er Trump als „letzte Worte“ mitgegeben. In den Verhandlungen über einen Waffenstillstand befinde man sich auf der „letzten Meile“. Aber Selenskyj betonte auch: „Russland muss bereit sein, Kompromisse einzugehen.“ Selenskyj schien nach dem Treffen mit Trump auf dem Weltwirtschaftsforum gelöst. In einem Podiumsgespräch lächelte er viel, scherzte sogar. Er kündigte an, dass es an diesem Freitag und Samstag ein Treffen zwischen Vertretern der USA, der Ukraine und Russlands in den Vereinigten Arabischen Emiraten geben werde. „Ich hoffe, die Emirate wissen davon – wir haben manchmal solche Überraschungen von amerikanischer Seite.“ Kritik an den Europäern und der NATO Zuvor hatte er in seiner Rede Europa und die NATO scharf kritisiert. „Zu oft ist in Europa anderes wichtiger als Gerechtigkeit.“ So stehe die Ukraine gerade hinter Grönland zurück. Außerdem habe man die Iraner so im Stich gelassen wie schon 2020 die Belarussen. Es signalisiere: „Wenn man genug Menschen tötet, bleibt man an der Macht.“ Selenskyj appellierte an Europa, Einigkeit und Stärke zu zeigen – gegen Trump, gegen Russland, gegen China. „Europa diskutiert gern über die Zukunft, scheut sich aber davor, heute zu handeln.“ Gleichzeitig fragte Selenskyj, warum sich der frühere venezolanische Präsident Nicolás Maduro vor Gericht verantworten müsse, während Putin immer noch die Ukraine angreife. Selenskyj forderte zudem ein stärkeres Vorgehen gegen den russischen Ölhandel. Trump könne Tanker beschlagnahmen. Warum könne das Europa nicht tun, fragte er. Kiew hatte lange gezögert, das Treffen zwischen Selenskyj und Trump zu bestätigen. Bis zum Donnerstagmorgen war nicht klar, ob der Ukrainer überhaupt nach Davos kommt. Seine Teilnahme hatte er zuvor von möglichen Vertragsunterzeichnungen oder weiteren Hilfszusagen abhängig gemacht. „Wenn die Dokumente fertig sind, dann wird es ein Treffen (mit Trump) und eine Reise geben“, sagte Selenskyj. Dabei bezog er sich offenbar auf die von den USA zugesagten Sicherheitsgarantien für die Ukraine im Fall eines Waffenstillstands mit Russland und einen Wiederaufbauplan. Witkoff zeigt sich zuversichtlich Dass er nun anreiste, lässt vermuten, dass in Gesprächen am Rande des Wirtschaftsforums Fortschritte erzielt wurden. Am Dienstagabend hatten Trumps Sonderbeauftragter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner Moskaus Unterhändler Kirill Dmitrijew getroffen. Am Mittwochabend folgte dann die ukrainische Delegation. Dabei sei es um Sicherheitsgarantien und den Wiederaufbau gegangen, teilte der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow danach auf Telegram mit. Witkoff zeigte sich am Donnerstagmorgen optimistisch: „Ich denke, wir haben erhebliche Fortschritte gemacht“, sagte er. Die Verhandlungen seien auf eine letzte Frage reduziert – die der Territorien. Witkoff sprach dabei abermals von der Schaffung einer Freihandelszone in der Ukraine, die „bahnbrechend“ wäre. Ursprünglich wollte Trump Medienberichten zufolge Selenskyj ein Wirtschaftspaket in Höhe von 800 Milliarden Dollar anbieten. Wie die „Financial Times“ am Mittwoch berichtete, wurde dies verschoben, nachdem eine Mehrheit der EU-Länder eine Übernahme Grönlands durch die USA und die Teilnahme an Trumps „Friedensrat“ abgelehnt hatte.