FAZ 28.02.2026
13:26 Uhr

Seit Jahren in Abu Dhabi: Kommt Juan Carlos bald nach Spanien zurück?


Neu sind die Bedingungen nicht: Juan Carlos darf jederzeit nach Spanien zurückkehren. Doch das will der emeritierte Monarch aus mehreren Gründen bisher nicht.

Seit Jahren in Abu Dhabi: Kommt Juan Carlos bald nach Spanien zurück?

Juan Carlos I. gibt sich siegesgewiss. „Sie werden anerkennen, was ich getan habe. Am Ende werde ich gewinnen“, ließ der emeritierte spanische König aus Abu Dhabi am Samstag die Zeitung „El Mundo“ wissen. Auch die rechte Opposition sieht den 88 Jahre alten Monarchen nach der Freigabe der Geheimdokumente über den Putschversuch am 23. Februar 1981 endgültig rehabilitiert. Nicht nur die konservative PP setzt sich dafür ein, dass er nach fünfeinhalb Jahren endlich nach Spanien zurückkehren kann. In den geheimen Unterlagen, die bis zum Mittwoch unter Verschluss waren, fanden sich weitere Hinweise auf die entscheidende Rolle von Juan Carlos, den Militärputsch zu beenden, der die junge Demokratie 1981 existenziell gefährdet hatte. Doch das späte Lob für den alten König bringt ihm seinem größten Wunsch nicht näher. In seiner Autobiographie („Versöhnung“) und in seinen jüngsten Interviews klagte er über großes Heimweh; er erhob aber auch Vorwürfe gegen „undankbare“ Spanier, die nicht zu würdigen wüssten, was er für ihre Demokratie getan hat. Sein Sohn Felipe VI. und die spanische Linksregierung stellten nach den jüngsten Interventionen noch einmal ungewöhnlich deutlich klar, dass der Monarch, der im August 2020 freiwillig nach Abu Dhabi gezogen war, jederzeit nach Spanien zurückkehren könne – unter zwei Bedingungen, die nicht neu sind. Er müsste seinen steuerlichen Wohnsitz verlegen „Wie bereits erwähnt, kann Don Juan Carlos jederzeit wieder in Spanien leben“, teilte das Königshaus mit. Aber in diesem Fall müsste er seinen steuerlichen Wohnsitz aus Abu Dhabi wieder ins Königreich verlegen – um sein eigenes Ansehen und das der spanischen Krone „vor Spekulationen und möglicher Kritik zu schützen“. Zugleich erinnerte man ihn an das Versprechen, das er seinem Sohn schon vor einigen Jahren gegeben hatte: Dass er in Spanien nicht mehr im Zarzuela-Palast oder anderen staatlichen Residenzen wohnen werde. Felipe will den Sicherheitsabstand zu seinem Vater aufrechterhalten, der vor seiner Abdankung 2014 mit seinen Affären die Monarchie in eine existenzbedrohende Krise gestürzt hatte. Laut spanischen Presseberichten drängt Juan Carlos jedoch auf eine Rückkehr in seine alte Madrider Residenz, in der auch Königin Letizia und seine Ehefrau Sofía wohnen. Mehr als ein halbes Jahrhundert hatte er dort gelebt. Gleichzeitig lässt er weiter keine Bereitschaft erkennen, sein Vermögen und seine Einkünfte offenzulegen, die nach seiner Abdankung zu weiteren Skandalen geführt hatten. Die Vorwürfe finanzieller Unregelmäßigkeiten – insgesamt waren es rund ein Dutzend Steuerdelikte – hält Juan Carlos für erledigt und überzogen. Mit der Hilfe von reichen Freunden hatte er Steuerschulden in Spanien von mehr als vier Millionen Euro beglichen. 250.000 Exemplare seiner Autobiographie verkauft Als spanischer Steuerzahler müsste der Monarch zuhause finanzielle Transparenz üben – sein Sohn veröffentlicht jedes Jahr sein Einkommen und den Kontostand. Der luxuriöse Lebensstil seines Vaters ist teuer. Auf einer künstlichen Insel lebt Juan Carlos, der angeblich mittlerweile einen Rollstuhl benötigt, in einer Villa am Golf und fliegt gewöhnlich im Privatjet nach Europa. In Abu Dhabi soll er die großzügige Gastfreundschaft seines Freundes, des Herrschers Scheich Mohammed bin Zayed, genießen. In Spanien hatte Felipe seinem Vater 2020 die jährliche Apanage von knapp 200.000 Euro gestrichen, nachdem Korruptionsvorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, die spanische Monarchie immer stärker belastet hatten. Zumindest seine Autobiographie, von der inzwischen gut 250.000 Exemplare verkauft wurden, dürfte eine neue Einnahmequelle geworden sein. Im März will der begeisterte Segler Juan Carlos wieder zu einer Regatta nach Galicien in Nordspanien reisen. Dort hat er zusammen mit Freunden ein Boot, das er lange selbst steuerte. Aus seinem Umfeld heißt es, er wolle künftig mehr Zeit in Spanien verbringen. Dafür gibt es jedoch eine Grenze. Wenn er sich mehr als 183 Tage im Jahr dort aufhält, ist er – wie jeder andere auch – in Spanien steuerpflichtig.