Im Streit um Grönland hat der Finanzminister der Vereinigten Staaten, Scott Bessent, die europäischen Staaten vor schnellen Reaktionen gewarnt. „Nach dem ‚Liberation Day‘ im vergangenen Jahr habe ich jedem gesagt: Setzt euch hin, vergeltet nicht“, sagte Bessent auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos und bezog sich dabei auf Trumps Zollinitiative im Frühling vergangenen Jahres. Er fragte: Warum müsse man so schnell antworten? „Der Präsident ist morgen hier“, sagte Bessent mit Blick auf den geplanten Auftritt Donald Trumps am Mittwoch in Davos. Gleichzeitig unterstrich Bessent die Forderung des Präsidenten, Grönland zu einem Teil der USA zu machen. „Der Präsident glaubt, wir sollten unsere nationale Sicherheit nicht outsourcen“, sagte er auf dem Weltwirtschaftsforum. „Ich glaube, der Präsident ist besorgt, dass die USA nach einer Invasion zu Hilfe gerufen würden.“ Das wolle er lieber vorher verhindern. Zudem sei Grönland seit 150 Jahren Gegenstand amerikanischer strategischer Überlegungen. „Entspannt Euch“ Auch neue Verhandlungen mit den Nato-Staaten über die Sicherheit in der Arktis reichen den USA nach Bessents Worten nicht aus. Er erinnerte an die Insel Diego Garcia im indischen Ozean, wo die USA eine Luftwaffenbasis unterhält. Die Insel wird gelegentlich auch als „unsinkbarer Flugzeugträger“ bezeichnet. Großbritannien denkt gerade darüber nach, die Insel an Mauritius zurückzugeben. Diesen Plan hat Trump in den vergangenen Tagen schon als „Akt größter Dummheit“ kritisiert. Auf schlechte Reaktionen der Finanzmärkte angesprochen, sagte Bessent, er könne nicht unterscheiden, ob das an der Grönland-Debatte liege oder eine Ansteckung von schlechten Markttagen in Japan sei. Schon am Tag zuvor hatte Bessent die europäischen Staaten vor Vergeltungszöllen gewarnt. „Ich halte das für sehr unklug“, sagte er. Der US-Präsident strebe die Kontrolle über Grönland an, weil er die Insel als „strategischen Posten“ betrachte. Die USA würden ihre „hemisphärische Sicherheit an niemand anderen auslagern“. Am Dienstagmorgen versuchte Bessent, die Situation zu entschärfen: „Entspannt euch. Ich bin zuversichtlich, dass die Staats- und Regierungschefs die Situation nicht eskalieren lassen werden“, sagte er. Er rechne mit einem Ergebnis, „das für alle, für die nationale Sicherheit, für die USA und für Europa sehr positiv ist“. Kurz vor neuen Entscheidungen des obersten Gerichtshofs über die Rechtmäßigkeit von Trumps Zoll-Entscheidungen sagte Bessent, die Zölle seien wegen Notfällen eingeführt worden, nicht zuletzt im Kampf gegen die Droge Fentanyl. Lob für die Entwicklung der US-Wirtschaft Bessent lobte die wirtschaftliche Entwicklung der USA. Auf ein Jahr hochgerechnet, war die Wirtschaft im vergangenen Quartal um 4,3 Prozent gewachsen. Diese Zahl unterschätze noch das tatsächliche Wachstum, argumentierte Bessent. Der Staat habe 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weniger ausgegeben, die Privatwirtschaft sei also um 4,7 Prozent gewachsen. Donald Trump hat mit den USA Anteile an Intel gekauft und die Rüstungskonzerne angewiesen, keine Dividenden zu zahlen und keine Aktien zurückzukaufen. Bessent verteidigte diese Schritte: „Die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft ist, dass 97 Prozent der Mikrochips in Taiwan hergestellt werden. Deshalb holen wir die Halbleiter-Industrie in die USA zurück“, sagte er. Die Rüstungsunternehmen wiederum seien genauso systemrelevant wie die Banken. Viele Unternehmen htten zu wenig in Fabriken installiert und zu viele Aktien zurückgekauft. Der EU empfahl Bessent, aus dem Draghi-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit zu lernen und Bürokratie abzubauen.
