FAZ 07.12.2025
08:00 Uhr

Schwefelhexafluorid in der Luft: Supertreibhausgas in Süddeutschland freigesetzt


Schwefelhexafluorid ist das stärkste bekannte Treibhausgas. Wo stammt es her? Messungen von Frankfurter Forschern wecken einen Verdacht.

Schwefelhexafluorid in der Luft: Supertreibhausgas in Süddeutschland freigesetzt

Innerhalb Europas werden die größten Mengen des Treibhausgases Schwefelhexafluorid in Südwestdeutschland freigesetzt. Das haben Messungen von Forschern der Goethe-Universität Frankfurt ergeben. Zusammen mit europäischen Partnern werteten die Wissenschaftler Daten des Observatoriums auf dem Kleinen Feldberg im Taunus aus. Schwefelhexafluorid ist das stärkste Treibhausgas. Ein Kilogramm davon trägt nach Angaben der Uni Frankfurt so stark zur Erderwärmung bei wie rund 24 Tonnen Kohlendioxid. Das Gas wird für Isolier- und Schutzzwecke in der Mittel- und Hochspannungstechnik eingesetzt. Früher wurde es auch in die Sohlen von Sportschuhen und in Schallschutzfenster gefüllt; dies ist jedoch seit 2006 verboten. Bisher wurde angenommen, dass die größten Mengen dieses Gases bei der Entsorgung der alten Fenster in die Luft entweichen. Den Forschern fiel auf, dass das Taunus-Observatorium von allen europäischen Messstationen die höchsten Konzentrationen an Schwefelhexafluorid verzeichnete, und das vor allem bei Südwind. Noch höhere Werte wurden in Luftproben aus Karlsruhe festgestellt. Nach Angaben der Forscher befindet sich in dem betreffenden Gebiet die einzige ihnen bekannte Produktions- und Recyclinganlage für Schwefelhexafluorid in Europa. Dass unerwünschte Freisetzungen bei Herstellung, Nutzung und Recycling hoch flüchtiger Stoffe schwieriger zu vermeiden seien als bisher angenommen, sei schon vorher wissenschaftlich bewiesen worden.