Der Befund der in Wiesbaden ansässigen Schufa ist eindeutig: Junge Frauen mit einem geringen Einkommen begeben sich häufiger als andere Bevölkerungsgruppen in die Gefahr der Überschuldung. Die Gründe sind mangelndes Wissen über finanzielle Zusammenhänge und die ungenügende Steuerung des eigenen Budgets. Nach dem von Schufa erstellten „Finanz-Inklusions-Index“ weisen Frauen mit einem Wert von 67,4 Punkten eine deutlich geringere finanzielle Teilhabe auf als Männer (71,7 Punkte). Besonders deutlich zeigt sich dieser Unterschied in der Kategorie „Finanzkompetenz“. Hier weicht der sogenannte FIX-Wert für Männer (72,2 Punkte) im Vergleich zu dem Wert für Frauen (66,9 Punkte) um 5,3 Punkte nach oben ab. Im Jahr 2024 hatte die Schufa die Situation noch detaillierter analysiert und ein Sonderkapitel über Frauen in schwierigen finanziellen Verhältnissen veröffentlicht. Diese Gruppe weist einen Wert von nur 59,4 auf und liegt damit 8,4 Punkte unter dem Wert für die Gesamtbevölkerung (68 Punkte). Unzufriedenheit mit den Banken Junge Frauen zeichnet demnach häufig eine große Unsicherheit in vielen Fragen des Umgangs mit Geld und Anlagen aus. Sie sind in hohem Maße unzufrieden mit der Beratung der Banken. Bei der Bezahlung in Geschäften sowie bei Onlinezahlvorgängen sehen sich Frauen, die in schwierigen finanziellen Verhältnissen leben, eher mit Hürden konfrontiert als der gesellschaftliche Durchschnitt. Sie sind unsicher im Umgang mit Kreditaufnahmen und mit dem Bankkonto. Es fehlt ihnen an Selbstvertrauen. Nicht nur, wenn es um finanzielle Entscheidungen geht. Sie geben häufiger als andere an, dass ihre Entscheidungen nicht akzeptiert oder respektiert werden, und sie fühlen sich in finanziellen Fragen oft nicht gleichberechtigt. Laut Schufa zeigt zudem die Messung der objektiven Finanzkompetenz, dass Frauen in schwierigen finanziellen Verhältnissen über weniger objektives Finanzwissen verfügen als der gesellschaftliche Durchschnitt. „Frauen sind überproportional von Armut bedroht“, sagt Wiesbadens Bürgermeisterin Christiane Hinninger (Grüne). Es sei dringend notwendig, deren Wissen „nah an der Lebensrealität“ zu verbessern und da anzusetzen, wo im Alltag Fragen auftauchen. Die Mitarbeiter des Frauenreferats der Stadt, der Schuldnerberatungsstellen, der Sozialleistungs- und Jobcenter und der Beratungsstellen freier Träger kennen die Konsequenzen dieses Defizits vieler Frauen aus dem alltäglichen Dialog. Frauen in schwierigen finanziellen Verhältnissen haben eine erheblich geringere finanzielle Teilhabe als die Gesamtbevölkerung. Aus dem Kontakt der Schufa mit dem Sozialdienst katholischer Frauen und in enger Kooperation mit der Stadt ist nun eine Broschüre entstanden, die Abhilfe schaffen soll. Finanzwissen einfach erklärt „Rund ums Geld. Gut zu wissen“ ist ein 36 Seiten starkes Heft betitelt, das von den kommunalen und freien Beratungsstellen intensiv eingesetzt werden soll, um jungen Frauen mehr Finanzwissen zu vermitteln. Es soll sie in die Lage versetzen, den Alltag mit dem verfügbaren Budget zu bestreiten und einen guten Überblick über die eigene finanzielle Situation zu gewinnen. Das ist nach den Praxiserfahrungen der Berater bislang oft schwierig, vor allem für Alleinerziehende, denen kaum Geld für ungeplante Anschaffungen oder die Altersvorsorge zur Verfügung steht. Die Broschüre gibt alltagsnahe Antworten auf Fragen wie „Welche Versicherung brauche ich wirklich?“, „Wie kann ich mit geringem Einkommen dennoch fürs Alter vorsorgen?“, „Worauf muss ich bei Kreditverträgen achten?“ und „Was kann ich tun, wenn ich Schulden habe?“. Die Broschüre hält Tipps bereit über die Unterstützungsleistungen des Staates und der Stadt und widmet sich ausführlich dem Thema Wohnen und den Aspekten von Bürgschaften, Bonitätsauskünften, Kaution und Wohngeld. Jungen Frauen wird zudem das Drei-Konten-Modell empfohlen: eines für Einkommen und Fixkosten, eines für das Alltagsleben und Einkäufe und eines für Rücklagen. Gezeigt wird zudem, wie ein Haushaltsplan aufgestellt wird, um mit dem monatlichen Budget auszukommen. Für jene, für die diese Ratschläge schon zu spät kommen, gibt es Tipps zum Umgang mit Schulden, Mahnungen, Inkasso und dem Weg in die Privatinsolvenz. Gewarnt wird vor unseriösen Kreditgebern, gefälschten Wohnungsanzeigen und Fakeshops im Internet. Zu vertieften Informationen führen zahlreiche QR-Codes.
