FAZ 28.01.2026
17:41 Uhr

Schüsse in Minneapolis: Wenn die Waffenlobby Trump widerspricht


An sich steht die NRA fest an der Seite der Republikanischen Partei. Nach den Schüssen von Minneapolis stimmt die Waffenlobby plötzlich den Demokraten zu.

Schüsse in Minneapolis: Wenn die Waffenlobby Trump widerspricht

Alex Pretti hätte keinesfalls eine Waffe bei sich tragen sollen, sagte Donald Trump am Dienstag über den in Minneapolis von einem Beamten des Grenzschutzes erschossenen Mann. Er habe eine Waffe und zwei volle Magazine dabeigehabt. „Das ist eine Menge schlimmer Dinge.“ Das Heimatschutzministerium hatte wenige Stunden nach dem Vorfall am Wochenende ein Foto der Handfeuerwaffe auf der Plattform X geteilt und behauptet, der Mann habe ein „Massaker“ auf Beamte vorgehabt. Seither häuft sich angesichts vieler Videoaufnahmen aber die Kritik an der offensichtlich falschen Darstellung der Regierung – und auch an der Debatte über die Waffe, die Pretti nach Informationen der Polizei legal verdeckt bei sich trug und zu keinem Zeitpunkt zückte. Die Reaktion der „National Rifle Association“ (NRA), Amerikas größter Waffenlobbygruppe, auf Trumps Aussage ließ nicht lange auf sich warten. Sie schrieb in einem Beitrag auf X am Dienstag, man sei der „festen Überzeugung, dass alle gesetzestreuen Bürger das Recht haben, Waffen zu besitzen und zu tragen, wo immer sie sich rechtmäßig aufhalten dürfen“. Trump buhlte um Waffenbesitzer Ein bemerkenswerter Satz der Lobbygruppe, an deren Seite die Republikaner üblicherweise fest stehen, wenn es um den zweiten Verfassungszusatz geht: das „Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen“. Doch mehrere Regierungsmitglieder hatten sich in den vergangenen Tagen im Sinne Trumps geäußert. So behauptete Kristi Noem nach den tödlichen Schüssen etwa, wer mit einer Waffe zu einer Demonstration komme, der habe Böses im Sinn. Die Beziehung der NRA zur Republikanischen Partei ist traditionell eng. Als die Waffenlobbygruppe sich vor zwei Jahren offiziell für Trump als Präsidentschaftskandidat aussprach, sagte der auf einer NRA-Veranstaltung, alle Waffenbesitzer müssten wählen gehen. Man müsse einen zweiten Verfassungszusatz haben, der wirklich Bedeutung habe. Nach Zahlen der Website „Open Secrets“ gab die NRA im Wahljahr 2024 mehr als zehn Millionen Dollar aus, um republikanische Kandidaten zu unterstützen. Doch vor einigen Tagen hatte die Organisation der Darstellung der Regierung zum Vorfall in Minneapolis schon indirekt widersprochen. Bill Essayli, von Trump nominierter stellvertretender Bezirksstaatsanwalt in Kalifornien, schrieb nach den tödlichen Schüssen auf X, wenn man sich Beamten mit einer Waffe nähere, „ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese berechtigt sind, auf Sie zu schießen“. Kritik auch von Republikanern im Kongress Die NRA übte daraufhin scharfe Kritik. Diese Behauptung sei „gefährlich und falsch“. Verantwortungsbewusste öffentliche Stimmen müssten Ermittlungen abwarten, „anstatt Verallgemeinerungen vorzunehmen und gesetzestreue Bürger zu dämonisieren“. Die größte Waffenlobbygruppe im Einklang mit den Forderungen vieler Demokraten nach den tödlichen Schüssen? Ein seltener Moment. Essayli äußerte später, er sei missverstanden worden: Er habe nicht gesagt, es sei rechtmäßig, auf gesetzestreue Bürger mit legaler Waffe zu schießen. „Mein Kommentar bezog sich auf Aufrührer, die sich den Strafverfolgungsbehörden mit einer Waffe nähern und sich weigern, ihre Waffe abzugeben.“ Beides hatte im Fall Prettis in Minneapolis jedoch nicht stattgefunden. Auch im Kongress gehen dieser Tage viele Republikaner auf Distanz zu den Äußerungen der Regierung. Der Mehrheitsführer im Senat, John Thune, hob am Dienstag hervor, das Tragen einer Waffe sei erstens ein Verfassungsrecht und zweitens legal im Staat Minnesota. Pretti habe möglicherweise keinen Ausweis bei sich getragen, sich aber an das Gesetz gehalten. Der Abgeordnete Thomas Massie, ein häufiger Kritiker Trumps, schrieb auf X, eine Waffe bei sich zu haben sei „kein Todesurteil“. Vielmehr sei es ein „von der Verfassung geschütztes gottgegebenes Recht“.