FAZ 08.02.2026
07:50 Uhr

Schlusslicht: Technik begeistert


Nicht alles läuft in Deutschland schlecht. Frau Dröge von den Grünen hat supergute Nachrichten zur „Energiewende“. Wenn sich der Staat raushält, klappt es auch mit der Technik.

Schlusslicht: Technik begeistert

Positiv überrascht zu werden, das ist in der Welt der Technik und in Deutschland eher selten. Jeden Tag nicht nur trübes Wetter, sondern auch schlechte Nachrichten. Das Tanken am Montagmorgen ist sündhaft teuer, die Goldpreise brechen ein, und die EU nimmt wieder einmal neue Dienste für eine umfassende Regulierung ins Visier. Zugleich bringt sie so viele Gesetze wie seit 15 Jahren nicht mehr auf den Weg. Wir ersticken in Bürokratie, die Unternehmen kommen in der Umsetzung nicht mehr nach. Doch gibt es auch gute Nachrichten. Fallende Goldpreise sind eine schöne Gelegenheit zum Nachkaufen, wenn man die Nerven dazu hat. Und dann tritt endlich der ADAC-Verkehrspräsident zurück, er befürwortete hohe Spritpreise fürs Klima. Doch es kommt noch besser. Die Grünen-Politikerin Katharina Dröge weiß zu berichten, dass „unsere Energiewende“ in der ganzen Welt kopiert werde. „Auch weil der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien die Kosten senkt.“ Wir freuen uns auf die sofortige Einstellung aller Subventionen aus Steuerzahlerhand und auf die Jahresabrechnung des Stromversorgers mit einer üppigen Rückerstattung. Die würden wir gleich in Gold und eine ADAC-Mitgliedschaft investieren. * * * Spaß beiseite, das Leben ist ernst, der Fortschritt ein digitaler. Zumal im Bereich der Medizin und Gesundheit. Ein Medikament geht zur Neige, wir brauchen dringend ein Rezept. Aber der Hausarzt ist im Urlaub, und wir stellen uns auf lange Wartezeiten bei seiner Vertretung ein. Es geht auch anders. Erstmals haben wir die TeleClinic auf dem Smartphone ausprobiert. In der App gibt man seine Daten ein, macht einen Terminvorschlag, und wenig später meldet sich der Teledoktor mit einem Videoanruf. Auf die Minute pünktlich. Und das am Samstag! Kurz wird besprochen, was Sache ist, und dann geschieht das geradezu Unglaubliche. Er kann in der App ein elektronisch signiertes Rezept hinterlegen, das wir mit zwei Fingertipps an unsere Wunschapotheke weiterleiten. Kein Ausdruck, keine E-Mail, kein Wirrwarr wie beim staatlichen E-Rezept. Dass alles funktioniert, glauben wir erst, als am Montag das Medikament in der Apotheke erfolgreich entgegengenommen wird. * * * Am Sonntag übrigens gleich die nächste positive Überraschung. Lange Schlangen vor den Kassenhäuschen der Messehalle Gießen. Aber erstmals gibt es dort ein elektronisches Terminal für Kartenzahlung – mit wenig Andrang. Wir sind in knapp zwei Minuten auf dem Gelände und können es kaum fassen. Wenn sich Technik frei entfalten kann, macht sogar das Bezahlen der Eintrittskarte Spaß.