Was ist nicht schon alles erfunden worden? Das fliegende Auto zum Beispiel hat seinen Weg noch nicht in unseren Testfuhrpark gefunden. Nicht einmal ein Taxiflug in einem vertikal landenden Multicopter ohne Pilot war uns bislang vergönnt. In einer Magnetschwebebahn sind wir zumindest schon mal gefahren, in Shanghai, doch von der Münchner Innenstadt zum Flughafen nimmt man nach wie vor die auf Schienen rollende S-Bahn. Auf die Dunkelbirne, die Licht nicht abstrahlt, sondern absorbiert und so den Tagschlaf erleichtert, warten Schichtarbeiter nach wie vor. Zugegeben, letzteres Produkt ist erfunden im Sinne von erlogen, vom genialen Daniel Düsentrieb. Doch eifrige Stäbe in Milliardenkonzernen gestalten ebenfalls Folien voller Zukunftsvisionen, die niemals im Alltag der Menschen ankommen. Der Fortschritt in unserer Hosentasche Trotzdem ist der Fortschritt mitten unter uns, etwa in der Hosentasche als Smartphone, das wiederum eine Standleitung zu diversen Künstlichen Intelligenzen ermöglicht. Und nebenbei auch dem Kartenleseunkundigsten erlaubt, sich in fremden Städten zu orientieren, während er seinem Lieblingssong über einen winzigen Knopf im Ohr lauscht. Die wirklich spannende Frage lautet also: Was befördert den Erfolg von Erfindungen, und was behindert ihn? An der Technik selbst liegt es in den seltensten Fällen, denn was sich im Rahmen der Naturgesetze bewegt, also fast alles außer dem Perpetuum mobile, lässt sich von Ingenieuren als Prototyp auf die Beine oder Räder stellen. Auch die Erklärung, es mangele an Kaufbereitschaft und Wirtschaftlichkeit für die Produzenten, also allein am Markt, greift zu kurz. Das galt für das Automobil oder den Internethandel in den Anfangstagen auch. Dass derzeit in Kanada und in China modulare Atomreaktoren gebaut werden, in Deutschland aber nicht, liegt auch nicht an mangelnder Nachfrage nach billigem Strom. Was macht die Schweiz besser? Ein Blick auf die Weltkarte der Innovation offenbart einen anderen, tiefer liegenden Grund. Je nach Ranking führt die Schweiz vor Schweden und den Vereinigten Staaten oder Südkorea vor Singapur und den Eidgenossen. Vorhandener Wohlstand ist offensichtlich kein Hindernis, stabile politische Verhältnisse auch nicht. Wir tippen darauf, dass die Bereitschaft einer Gesellschaft, sich auf Neues einzulassen, wesentlich darüber entscheidet, ob sich der Fortschritt dort niederlässt. Oder halt auch nicht. Wo einem knatternden Moped nachgetrauert wird und Blaue längst vergangene rote Tage besingen, ist keine Zukunft zu gestalten. Das Unbedingt-bewahren-Wollen ist selbst dort, wo es sympathischere Züge trägt, der Garant dafür, bald schon alles zu verlieren.
