FAZ 31.01.2026
09:35 Uhr

Schlimmster Monat überhaupt: Wieso gibt es keine Initiative für einen Nojanuary?


Man will ihn am liebsten verschlafen: Der Januar ist der schlimmste aller Monate. Zum Glück haben wir es jetzt geschafft. Vielleicht wäre die Lifestyle-Teilzeit in Zukunft ein gutes saisonales Lebensmodell.

Schlimmster Monat überhaupt: Wieso gibt es keine Initiative für einen Nojanuary?
Die deutsche Mannschaft feiert nach dem Sieg gegen Kroatien den Einzug ins Finale der Handball-EM 2026. (Foto: Sina Schuldt/Sina Schuldt/dpa)

Es schien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, aber nun ist es so weit: Wir erfahren Gnade. Der Januar ist endlich vorbei. Zur Hölle mit ihm! Wir haben es uns auch dieses Mal kaum vorstellen können, auch wenn wir den Januar schon einige Male hinter uns gebracht haben. Allerdings wird er nicht erträglicher, nur weil wir uns nicht zum ersten Mal morgens aus dem Bett quälen, um unsere Lebenszeit an Wochen zu verschenken, in denen es einfach nicht hell wird und wir nicht wach werden – Sonnenlicht, wir vermissen dich, wirklich, wir halten dich nie wieder für selbstverständlich, wir versprechen es. Wir fragen uns auch nicht zum ersten Mal, ob unser Leben eigentlich richtig verläuft oder ob es nicht grundsätzlichen Optimierungsbedarf gibt. Wer sagt, dass Schlafen kein Lifestyle ist? Inspiriert von politischen Vorstößen überlegen wir: Vielleicht ist die Wortschöpfung „Lifestyle-Teilzeit“ nicht vergebens in unser Leben getreten, vielleicht wäre das tatsächlich ein gutes saisonales Lebensmodell für uns? Wer sagt, dass Schlafen kein Lifestyle sein kann? Wir denken: Wie unerbittlich ist die Natur, dass sie uns eingeteilt hat – zum einen in Lebewesen, die Monate wie den Januar einfach durchträumen, zum anderen in fahrige Geschöpfe wie uns, die nur spaßeshalber zum Ausdruck bringen dürfen, dass sie am liebsten Winterschlaf machen würden. Das Zeitgefühl weist uns schonungslos auf unseren leider wachen Zustand hin, aus unerfindlichen Gründen dauert der Januar länger als andere Monate, es ist eine einzige Qual. Wir schauen uns Memes in den sozialen Medien an, die uns bestätigen: „Dieser Monat war das längste Jahr meines Lebens“, und: „Mein Fünf-Jahres-Plan ist, bis Februar durchzuhalten.“ Wieso gibt es keine Initiative für einen Nojanuary? Es gibt natürlich Versuche, den Januar schönzureden, ihn gar zu einer Challenge zu machen, die einem suggeriert: Man kann auch stark sein! Man kann zum Beispiel nichts trinken, man kann sich zum Beispiel vegan ernähren, man kann das Fitnessstudio endlich mal regelmäßig besuchen. Warum für solche Vorhaben stets der Januar dienen soll, erschließt sich uns nicht, denn Trostlosigkeit mit ungeübter Einschränkung zu bekämpfen, könnte zu noch mehr Trostlosigkeit führen, und dafür lastet die bloße Existenz des Januars zu sehr auf unseren Schultern. Wir glauben nicht an die künstliche Über­höhung dieses Monats, nein, wir fordern einen radikaleren Schritt. Brauchen wir den Januar wirklich? Wieso gibt es keine Initiative für einen Nojanuary? Damit würden wir gerne die Debatte starten, und wenn dann alle Januar-Liebhaber (wo seid ihr?) empört aufschreien, möchten wir erklären: Die Welt hat sich verändert, Staatsgrenzen interessieren immer weniger, Bundesländergrenzen werden ebenfalls infrage gestellt. Sollten wir uns wirklich beim Kalender zurückhalten? Oder wäre es nicht an der Zeit, sich für immer vom ­Januar zu verabschieden?Man könnte den termingesättigten Dezember entschleunigend verlängern und den zu kurz geratenen ­Februar endlich mal ganz groß raus­bringen. Dann hätte man vielleicht schon nach dem später terminierten Silvester das wohlige Gefühl: Nicht mehr ­lange, dann ist der Frühling da.