Die Deutschkurse für Vorschulkinder mit sprachlichen Defiziten zeigen offenbar Wirkung. Zwar hat sich Hessen nach der frühen Einführung der Vorlaufkurse vor mehr als 20 Jahren bis 2021 Zeit gelassen, das Angebot für Kinder mit Förderbedarf verpflichtend zu machen – da waren Bundesländer wie Berlin, Bremen oder Niedersachsen schneller. Aber inzwischen erreichen die Sprachkurse ein Drittel eines Vorschuljahrgangs. Trotzdem ist das Leistungsgefälle in vielen Grundschulklassen enorm. Groß war es schon immer, aber Sprachdefizite einer wachsenden Zahl von Schülern verschärfen das Problem. Die Leidtragenden sind vor allem diese Kinder selbst, weil sie dem Unterricht zum Teil nur schlecht folgen können. Die Förderung müsste schon im frühen Kindergartenalter beginnen, in einer für den Spracherwerb besonders günstigen Entwicklungsphase. Ansätze dafür gibt es, in einigen Einrichtungen werden Kinder, in deren Elternhaus kein Deutsch gesprochen wird, für einzelne Stunden aus der Gruppe genommen und spielerisch unterrichtet. Zum Teil findet das aber nur einmal wöchentlich statt – was in den meisten Fällen nicht reicht. Erzieherinnen müssen fehlerfrei Deutsch sprechen Um die Förderung auszuweiten, bräuchten die Kindergärten mehr für diese Aufgabe geschultes Personal. In Einrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund wäre außerdem wichtig, dass alle Erzieherinnen fehlerfrei Deutsch sprechen. Angesichts des verbreiteten Mangels an Betreuungskräften sind diese Forderungen nicht leicht zu erfüllen. Zumindest größere Träger sollten aber verpflichtet werden, bei der Verteilung ihres Personals auf die verschiedenen Einrichtungen den je nach Lage durchaus unterschiedlichen Sprachförderbedarf zu berücksichtigen. Auch, wenn dafür auch einmal jemand versetzt werden muss. Mindeststandards dieser Art könnten auch die Einsicht befördern, dass etwas getan werden muss. So wichtig die Gelegenheit zum freien Spiel für Kinder ist: Bei offenkundigem Förderbedarf, ob beim Sprechen oder der Fähigkeit, eine Schere zu halten, hat das Kitapersonal einen Bildungsauftrag. Der wird von Erzieherinnen gerne hervorgehoben, wenn es um ihre Bezahlung geht, im Alltag aber nicht von allen ernst genommen.
