FAZ 19.01.2026
18:42 Uhr

Schlafmittel im Vanillelikör: Frau soll Mann betäubt und ihm seine Goldbarren geraubt haben


Hat die Angeklagte einem Mann Medikamente in den Likör gemischt, um ihn zu betäuben und seine Goldvorräte zu rauben? Über diese Frage wird vor dem Landgericht in Hanau verhandelt.

Schlafmittel im Vanillelikör: Frau soll Mann betäubt und ihm seine Goldbarren geraubt haben

Eigentlich sollte es ein netter Abend zu zweit werden, essen, fernsehen, dann einmal sehen. Aber sollten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zutreffen, dann waren die Ergebnisse der Verabredung der Raub von 1,4 Kilogramm Gold im Wert von rund 180.000 Euro und eine schwere Körperverletzung, weil die Angeklagte den Mann mit einem Medikamenten-Cocktail außer Gefecht gesetzt und die Barren genommen haben soll. Aber beides weist die Angeklagte entschieden zurück. Ereignet haben soll sich die Tat am 10. Dezember 2022 bei einem Besuch der 51 Jahre alten Angeklagten bei einem 61 Jahre alten Mann in Bad Soden-Salmünster. Kennengelernt hatten sich Manuela M. und Reiner W. im Herbst über eine Onlineplattform, seitdem standen sie in engem Kontakt über Anrufe und Kurznachrichten, auch zwei Treffen hatte es schon gegeben. So weit scheinen sich die Parteien in der von Richterin Renata Kohlheim geleiteten Verhandlung noch einig – aber vom Verlauf des dritten Treffens gab es zum Prozessauftakt am Montag zwei ganz verschiedene Versionen. Bewusstlos statt Badewanne Folgt man Manuela M., dann war es ein kurzer Abend. Wie besprochen sei sie am Abend nach Bad Soden-Salmünster aufgebrochen, um mit Reiner W. abendzuessen. Nach Rippchen und Kraut habe man sich an den Fernseher gesetzt, ein Fußballspiel zwischen England und Frankreich stand an. Allerdings habe M. gar nicht lange bleiben wollen, sich noch um ihre schwer kranken Eltern kümmern müssen. Das aber habe W. gar nicht gefallen, erzählt die Angeklagte, er habe darauf gehofft, es „besorgt zu bekommen“. Das aber sei für sie noch nicht infrage gekommen, man solle sich doch erst noch besser kennenlernen. Nach einer knappen Stunde sei sie dann wieder aufgebrochen, so endet die Schilderung der Frau. Vielleicht, so sagt sie noch, habe W. ja seine Ankündigung noch in die Tat umgesetzt, seine Wünsche von einem Escortgirl erfüllen zu lassen. Von wegen, sagt dagegen W. Man habe sich nach dem Essen und einem Glas Wein gemeinsam das Spiel angesehen, nach dem Kick habe er gegen 22 Uhr beiden noch ein Glas Vanillelikör – Cuarenta y Tres mit einem Schuss Kondensmilch – eingeschenkt. Ihren Vorschlag, eine Badewanne für sie einzulassen, habe er mit Freude aufgegriffen, schließlich habe er auf Sex gehofft, wie sie ihn schon beim vorherigen Treffen hatten. Noch ein Schluck Likör, doch statt ins Bad ging es für W. seiner Schilderung nach in die Bewusstlosigkeit: Nach wenigen Minuten sei ihm der Schweiß ausgebrochen, dann sei er auf der Couch ohnmächtig geworden und zur Seite gekippt. Als er nach gut einer Stunde wieder aufwachte, waren die Frau und sein Gold weg. Das Edelmetall hatte er der Angeklagten schon einmal gezeigt: „Kommt davon, wenn man unbedingt angeben muss.“ Tatsächlich wird in den Blutproben des Manns später ein regelrechter Medikamenten-Cocktail nachgewiesen, unter anderem das synthetische Opioid Tramadol. Das Gold ist nach Angaben von Staatsanwältin Louise Rettweiler nach wie vor verschwunden. Das Verfahren wird fortgesetzt, drei weitere Termine sind schon angesetzt.