In dieser Woche wird im Bundestag nicht nur über die Zukunft der Rentenversicherung abgestimmt, sondern auch über die der Regierung Merz und der sie tragenden Koalition. Das scheinen nun zumindest einige Mitglieder der Jungen Gruppe verstanden zu haben. Der Zeitpunkt, an dem ihre in der Sache berechtigten Einwände gegen die Vereinbarung zwischen Union und SPD ohne Beschädigung des Kanzlers und des übrigen Führungspersonals berücksichtigt werden können, ist schon lange verstrichen. Das hätte in den Verhandlungen über den Koalitionsvertrag geschehen sollen, der bei diesem Thema nicht ohne Grund unscharf blieb. Denn die SPD war schon im Frühjahr nicht bereit, dem zuzustimmen, was die „Rentenrebellen“ der Union fordern. Woher soll die Mehrheit für eine radikalere Reform kommen? Seither grub die SPD sich noch tiefer ein. Der Kanzler aber kann nicht zum Sturm auf deren Gräben blasen, weil dann dort die Dämme beim Bürgergeld und anderen linken Herzensthemen zu brechen drohen, welche die SPD-Führung nur mit Mühe gegen ihre Rebellen hält. Wird die Koalition, was der „Jungen Gruppe“ versprochen wurde, im kommenden Jahr zu einer Rentenreform fähig sein, die den Namen verdient? Skepsis ist berechtigt. Doch die Aussichten für eine Sanierung der Renten- und auch Krankenversicherung würden nicht besser, wenn die Koalition sich schon jetzt im Streit zerlegte, weil niemand mehr dem anderen und dessen Zusagen über den Weg traut. Für die 18 „Rebellen“ und ihre Unterstützer in Wirtschaft und Wissenschaft mag der Koalitionskompromiss unerträglich falsch sein. Doch wo soll die Mehrheit für eine radikalere Reform herkommen, wenn die SPD sich verweigert? Nicht einmal die Jusos solidarisieren sich mit ihren Altersgenossen in der Union. Die Grünen sind für ein Rentenniveau von mindestens 48 Prozent, AfD, Linkspartei und BSW für noch weit höhere Sätze. Wenigstens die Jungen müssten doch noch wissen, dass man nur mit denen tanzen kann, die in der Disco sind. Und die FDP haben die Deutschen ja hochkant aus dem Lokal geworfen.
