FAZ 07.05.2026
15:16 Uhr

Satellitenkommunikation: Wettlauf im All


Was Amazon mit dem Satellitenbetreiber Globalstar plant. Und was das für Apple bedeutet, die als Vorzeigekunde fungieren. Gerät jetzt Starlink von Elon Musk unter Druck?

Satellitenkommunikation: Wettlauf im All

Hightech ist teuer, die Unternehmen sind gefragt, und das zeigt sich insbesondere anhand von Übernahmen. Für 11,6 Milliarden Dollar will Amazon den Satellitenbetreiber Globalstar kaufen, und das ist ein Fingerzeig in die Zukunft der Kommunikation. Schon jetzt profitieren Apple-Nutzer mit einem neueren iPhone oder der Apple Watch davon. Sie können einen Notruf an die Rettungszentrale per Satellit absetzen, wenn sie sich gerade im Funkloch aufhalten. Apple besitzt Anteile an Globalstar und nutzt dessen Hardware. Auch Google- und Samsung-Kunden haben mit neueren Geräten die Möglichkeit der Satellitenkommunikation im Notfall. Globalstar betreibt derzeit 24 Satelliten der zweiten Generation in 1400 Kilometer Höhe und ist dabei, eine dritte Generation mit mehr als 50 Erdtrabanten zu installieren. Kleine Antennen für Wohnmobile Käufer Amazon wiederum hat eine eigene Satellitenflotte im Projekt Leo mit rund 250 Geräten. Leo ist allerdings noch in der Aufbauphase und soll Mitte des Jahres mit ersten Diensten in ausgewählten Ländern starten. Kommen wird ein Hochgeschwindigkeits-Internet mit verschiedenen Geschwindigkeitsklassen für private Nutzer, Unternehmen und Behörden. Denkbar sind auch Angebote mit kleineren Antennen für Abenteurer, Schiffe, Wohnmobile. Durch den Kauf erwirbt der Konzern Satelliten und Infrastruktur, die Lizenzen für Geräte-zu-Geräte-Kommunikation, also direkte Handyverbindungen ohne spezielle Hardware und Apple als Vorzeigekunden. Wie wichtig die Satellitenkommunikation in Zukunft werden wird, zeigt der Blick auf den Marktführer Starlink von Elon Musk. 10.000 Satelliten und mehr als 10 Millionen Nutzer sind eine Ansage. Starlink versorgt die Menschen in Gegenden ohne Infrastruktur mit dem Internet, es ist in vielen Ländern der Welt verfügbar. Die Opposition in Iran hat Starlink verwendet, das Regime ließ Jagd auf die Antennen machen. In Ländern mit schlechter Versorgung verringert Starlink die digitale Kluft zwischen Stadt und Land und ermöglicht in vielen Regionen erstmals stabiles Breitbandinternet. Jenseits der privaten Nutzung spielt es eine wichtige Rolle bei Katastrophenhilfe, in der Schifffahrt, Luftfahrt und sogar militärisch, Stichwort: Ukraine. Starlink ist in mehr als 150 Ländern und Märkten offiziell verfügbar, die Abdeckung ist fast weltweit. Starlink ist der Gamechanger für globale Internet-Zugänglichkeit und hat sich von einem netten Hobby zu einer kritischen Infrastruktur entwickelt, die den Wettbewerb der Satellitenkommunikation voranbringt. Amazon wiederum stellt sich jetzt mit Globalstar besser auf und hat sich strategisch entschieden. Der Kaufpreis für Globalstar gilt allerdings als deutlich zu hoch.