FAZ 08.05.2026
13:10 Uhr

Sanierungsumlage: Werkeln an den Symptomen der Wohnungsnot


Mieter mit geringerem Einkommen sollten Sanierungsumlagen nicht zahlen, lautet ein Vorschlag. Das ist verdreht.

Sanierungsumlage: Werkeln an den Symptomen der Wohnungsnot

Der Druck auf die Vermieter steigt. Mit dem Anstieg der Wohnungsmieten sind reichlich Vorschläge zu hören, wie sich die angespannten Immobilienmärkte bessern oder eher die Folgen lindern lassen könnten. Nicht immer folgt das rationalen Überlegungen. Der Staat bemüht sich mit verschiedenen Eingriffen, vornehmlich Bestandsmieter zu entlasten. Ein weiterer Gedanke, einzelnen Mietern zu helfen, kommt nun von einem Vermieterverband. Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der viele genossenschaftliche und kommunale Wohnungsunternehmen vertritt, fordert, dass Modernisierungsumlagen nur Mieter mit höheren Einkommen zahlen sollen. Zur Begründung: Es sei nicht gerecht, dass zum Beispiel für eine alleinerziehende Krankenschwester mit 4,50 Euro Kaltmiete die Miete nach einer Sanierung genauso steigt wie für das Doppelverdiener-Ehepaar im gleichen Haus. Das verdreht die Prinzipien der Marktwirtschaft. Auch dürfte das kaum für Anreize sorgen, energetisch zu sanieren und den Wohnungsbestand gut zu erhalten. Generell steht es jedem Vermieter frei, einen Mieter zu suchen, Kostensteigerungen im Rahmen der Möglichkeiten weiterzugeben oder eben darauf zu verzichten. Eine womöglich geringere Modernisierungsumlage dürfte der Krankenschwester wenig bringen, wenn sie und andere Menschen mit geringerem Einkommen eine Wohnung in der Großstadt suchen. Dann bekommen Wohnungen eher Besserverdienende, um Sanierungen zu bezahlen. So geht bloß das Werkeln an den Symptomen des städtischen Wohnungsmangels weiter, ohne die Ursachen zu adressieren.