Küchen der Zukunft wurden in den vergangenen Jahrzehnten schon öfter präsentiert. Früher einmal sollten sie der Hausfrau die Arbeit erleichtern, heute dem schwer arbeitenden Menschen, der sich nebenbei noch irgendwie ernähren muss. Also scannt die allerneueste Küche der Zukunft den Inhalt des Kühlschranks, schickt je nach Vorhandensein Rezeptvorschläge ans Handy. Allergien und Vorlieben kennt die smarte Küche natürlich, und die Mikrowelle weiß auch schon, was sie tun muss. Nur essen muss der gestresste Mensch der Zukunft noch selbst, immerhin steht ihm zur Berieselung ein großer Bildschirm bereit. Wer eine Idee bekommen möchte, für welche teils nutzlosen, teils aber auch sehr nützlichen Dinge die moderne Technik Lösungen bereithält, kann das nun bei Samsung im sogenannten Business Experience Center tun – vorausgesetzt, er ist Geschäftskunde des koreanischen Elektronikkonzerns, der seit einem Jahr mit seiner Deutschland-Zentrale wieder in Eschborn residiert. Zwanzig Szenarien aus elf Branchen sind hier abgebildet – mit allen Möglichkeiten der Vernetzung und Automatisierung. „Unternehmen sind mehr denn je gefordert, ihre digitale Transformation erfolgreich zu gestalten – und das bei steigendem Kostendruck“, sagt Thorsten Böker, Director Business Development. „Mit dem Business Experience Center unterstützt Samsung sie dabei, fundierte Investitionsentscheidungen zu treffen. Denn statt einzelner Geräte stehen integrierte Lösungen in realen Anwendungsszenarien im Vordergrund.“ Ein solches Anwendungsszenario, im Samsung-Jargon „Vertical“ genannt, kann eine Arztpraxis sein. Eine solche ist auch, inklusive dekorativem Skelett, in Eschborn nachgebaut. Gleich nebenan ist der Ultraschallraum, denn Samsung stellt auch Ultraschallgeräte her. Normalerweise gibt es nur einen Bildschirm für den Arzt, doch hier wird das Bild auch auf einem Display an der Wand gezeigt und an die Decke projiziert, damit sich Schwangere und Begleitung nicht verrenken müssen. „Das ist meist das erste Mal, dass man sein Baby sieht. Deshalb soll das eine schöne Erfahrung sein“, sagt Philip Fröhlich aus dem Business Development. Bruchsicher für den Einsatz im Notfall Auch für medizinische und andere Notfälle gibt es zahlreiche Lösungen. Für Sanitäter, Feuerwehr oder Polizei sind die Arbeitsbedingungen oft härter als für den Hausarzt in der Praxis, daher müssen die Telefone und Tablets mehr aushalten. „Ruggedised devices“ nennt man diese bruchsicheren, staub- und wassergeschützten Geräte. Für Einsätze kann die Kommunikation komplett verschlüsselt werden und auf Kanälen jenseits des üblichen Mobilfunks verlaufen. Das wiederum heißt „mission critical communication“, Firmen wie Airbus nutzen solche Anwendungen, an die man von außen nicht herankommt. In solchen Fällen kann Elektronik tatsächlich lebensrettend sein. Im Bereich Gebäudemanagement, Verkehrsüberwachung und Lernumgebung in Schulen und Konzernen finden sich zahlreiche nachvollziehbare Anwendungsszenarien. Auch das Smart Home ist überzeugend, mit Photovoltaik und Wärmepumpe, steuerbaren Schaltern und Steckdosen, für die man nicht die Wände aufreißen muss. Oder bereits voll integriert in die Modulhäuser des Partnerunternehmens Home One. Spielerischer muten Anwendungen an wie der smarte Fressnapf, dem Hundebesitzer per Handy den Auftrag geben können: Gib Futter. Oder solche, die Interaktionen mit Kunden ersetzen sollen, etwa im Café oder in der Boutique. Natürlich kann man den Cappuccino an der Bar bestellen und bezahlen, doch wer einmal in Korea war, weiß, dass sich dort bereits bei jedem zweiten Kiosk die Bestelldisplays mit Kreditkartenslot durchgesetzt haben. Begegnungen finden nur noch dann statt, wenn das Getränk über den Tresen geschoben wird. Ob das wirklich das Personal von stupider Arbeit entlastet, wie es bei Samsung heißt? Einigermaßen dystopisch wird es beim vollautomatischen Hotelzimmer. Das erreicht der Gast meist nach langen Tagen oder Anreisen mit einem dringenden Ruhe- und Duschbedürfnis. Wenn der Lichtschalter am Bett dann nur noch über das Handy steuerbar ist und immer dann, wenn man das Licht endlich vollständig ausschaltet hat, auch automatisch die Vorhänge zugezogen werden, weil das „Mood-Setting“ so voreingestellt ist, wünscht man sich den guten, alten Lichtschalter zurück. Lichtschalter kann man vermutlich auch nicht besser, nur komplizierter machen. „Der Center liefert konkrete Entscheidungshilfen – für eine partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, sagt Thorsten Böker dazu. Auf die Entscheidung für das vollautomatische Lichtsystem könnte unsereiner gerne verzichten.
