„Frankfurt ist Ihre Stadt, und Sie sind ein Teil ihrer Geschichte“: Mit diesem Satz bringt Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) das enge Verhältnis von Salomon Korn zu seiner Heimatstadt auf den Punkt. Dabei sollte Frankfurt, wo sie im Displaced-Persons-Lager im Stadtteil Zeilsheim untergekommen waren, für die aus Polen stammende, jüdische Familie nur eine Zwischenstation sein. Eigentlich wollten sie in die Vereinigten Staaten auswandern. Doch der Plan scheiterte. Und Korn, 1943 in Lublin geboren, wurde zu einem der prägenden Köpfe der Stadt. Als Architekt plante er das Jüdische Gemeindezentrum in Frankfurt, das 1986 eröffnete. Von 1999 bis 2004 war Korn dann selbst Vorstandsvorsitzender der Gemeinde, von 2003 bis 2014 zudem Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Reflektiert und gleichzeitig pointiert, mischt er sich bis heute in Debatten ein. Nun dankt die Stadt Frankfurt dem mittlerweile Zweiundachtzigjährigen für sein Engagement. Bei einem Festakt in der Paulskirche wurde Korn am Montagnachmittag mit dem mit 50.000 Euro dotierten Ignatz-Bubis-Preis ausgezeichnet. Als „Autorität des jüdischen Lebens in Deutschland“ bezeichnete ihn Oberbürgermeister Josef in seiner Rede. Korn führe fort, wofür Ignatz Bubis gestanden habe und trete beherzt „gegen Antisemitismus und Ausgrenzung“ ein. Auch auf dem Fußballplatz stand Korn seinen Mann Die Laudatio auf Korn sollte eigentlich Dieter Graumann, langjähriger Wegbegleiter des Preisträgers und Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses, halten. Doch weil er erkrankt war, sprang sein Sohn ein: Benjamin Graumann, derzeitiger Vorstandsvorsitzender der Gemeinde und damit Korns Nachfolger, trug die vorbereitete Rede in der Paulskirche vor. Darin beschrieb er Korn als „heißen Kämpfer mit einem warmen Lächeln“ und lobte seine Vielseitigkeit. „Er war das Gesicht unserer Gemeinde“, stellte Graumann klar. Und betonte, dass der Preisträger nicht nur als politischer Denker und Intellektueller, sondern etwa auch als hervorragender Fußballschiedsrichter Aufmerksamkeit erregte. Nach der Ehrung trug sich Korn in das „Goldene Buch“ der Stadt ein. In seiner Dankesrede sprach er über seine enge Freundschaft zu Ignatz Bubis. Zum ersten Mal aufeinandergetroffen sind die beiden im Sommer 1967. Bubis hatte den damals 24 Jahre alten Architekturstudenten Korn in die Baukommission der Jüdischen Gemeinde eingeladen. Dort schlug Korn vor, die alte Westendsynagoge abzureißen und durch einen modernen Neubau zu ersetzen. „Eine schwachsinnige Idee“, urteilt Korn heute selbst über seinen Vorschlag. Das Gremium war empört und wollte den jungen Studenten gleich wieder rausschmeißen. Doch Bubis forderte die Mitglieder der Kommission auf, ihn ausreden zu lassen. Bubis sei es immer wichtig gewesen, „auch abweichende und abwegige Meinungen anzuhören“, fasste Korn diesen Charakterzug in seiner Dankesrede in der Paulskirche zusammen. Der Ignatz-Bubis-Preis wird alle drei Jahre vergeben Der Ignatz-Bubis-Preis wird seit 2001 alle drei Jahre vergeben, möglichst am Geburtstag des Namensgebers, der am 12. Januar 1927 in Breslau zur Welt gekommen war. Wie wohl kein Zweiter kämpfte Bubis, der den Zentralrat von 1992 bis zu seinem Tod im August 1999 führte, für die Rechte und die Sichtbarkeit von Juden in Deutschland, engagierte sich aber auch vehement für andere Minderheiten. Mit dem Ignatz-Bubis-Preis sollen Personen oder Organisationen geehrt werden, die dessen Arbeit heute fortsetzen und in seinem Sinne handeln. Ausgezeichnet wurden bisher unter anderen die früheren Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) und Walter Wallmann (CDU) sowie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Holocaustüberlebende Trude Simonsohn.
