Es war eine furchtbare Tat, die vor gut einem Jahr in Leipzig geschah. Ein damals 13 Jahre altes Mädchen erstach seine sieben Jahre alte Schwester. Die Tat beging sie, als die Eltern nicht zu Hause waren, sie informierte danach selbst über Notruf die Polizei. Die Beamten fanden die schwer verletzte Schwester, die kurze Zeit später im Krankenhaus starb. Über die Hintergründe der Tat, die sich am 25. Oktober 2024 in einem Mehrfamilienhaus im Leipziger Stadtteil Kleinzschocher ereignete, war bisher nichts bekannt. Nun gibt es die Vermutung, dass sie mit dem pädokriminellen Netzwerk Com und der dazu zählenden Gruppe „764“ zusammenhängen könnte. Darüber berichtete das Magazin „Spiegel“ im Rahmen einer umfangreichen Recherche. In der Gruppe „764“ um den im Juni in Hamburg verhafteten Deutsch-Iraner Shahriar J., der sich „White Tiger“ nennt, sollen sadistisch veranlagte Männer über Internet-Chats Minderjährige bedroht und erpresst haben. Psychisch labile Kinder und Jugendliche seien dazu gebracht worden, Nacktfotos zu versenden oder sich selbst zu verletzen. In Extremfällen seien sie dazu angetrieben worden, Suizid oder Mord zu begehen. „Wir wissen, wo deine Familie wohnt“ Nach Darstellung des „Spiegel“ gehen Ermittler in dem Leipziger Fall dem Verdacht nach, dass ein Mitglied der Gruppe „764“ das Mädchen dazu bewegt habe, seine Schwester zu töten. Auf einem Smartphone des Mädchens, das aus einer serbischen Familie stammt, seien verstörende Nachrichten in einem Messengerdienst gefunden worden. Ermittler hätten die Botschaften so zusammengefasst: „Wir wissen, wo deine Familie wohnt, und wir kennen all deine Familienmitglieder. Wenn du nicht tust, was wir sagen, bringen wir euch alle um.“ Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Leipzig sagte der F.A.Z., dass die Ermittlungen in dem Fall noch nicht abgeschlossen seien. Die Medienberichte werde man nicht kommentieren; die Informationen des „Spiegel“ stammten aber nicht von der Staatsanwaltschaft. Sie wies darauf hin, dass die Verdächtige zum Zeitpunkt der Tatbegehung nicht strafmündig gewesen sei. In solchen Fällen halte sich die Staatsanwaltschaft während der Ermittlungen mit öffentlichen Informationen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen zurück – und werde das auch nach deren Abschluss tun. Nach Angaben des „Spiegel“ führen bisher in Deutschland zehn von 16 Landeskriminalämtern Ermittlungsverfahren mit Bezug zu „764“ oder Com; beim amerikanischen FBI seien es rund 300. Die Com-Szene schaffe es weiterhin, neue Gruppen aufzubauen. Einer der größten Com-Chats habe mehr als 1600 Mitglieder, andere mehrere Hundert. Mitunter würden in einzelnen Gruppen um die 5000 Nachrichten je Tag gepostet.
