Nun hat der CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze sein Ziel sogar schon vor der anstehenden Landtagswahl am 6. September erreicht: Am Mittwochmorgen wurde der 46 Jahre alte bisherige Wirtschaftsminister im Landtag zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt und bekam kurze Zeit später von seinem Vorgänger Reiner Haseloff in der Staatskanzlei die Amtsgeschäfte übergeben. Schulzes Aufstieg zum Regierungschef soll hier Abhilfe schaffen, denn als Ministerpräsident erhält der verheiratete Vater von drei Kindern eine größere Sichtbarkeit in den Medien und kann dort in den kommenden Monaten auch leichter bundespolitische Vorstöße platzieren, um sein konservatives und ostdeutsches Profil zu schärfen. Der erforderliche Fleiß und der erforderliche Machtwille für sein neues Amt werden dem Protestanten Schulze nur selten abgesprochen, die persönliche Strahlkraft hingegen öfter. Durch seine erfolgreiche Wahl am Mittwoch könnte Schulze nun bereits ein wenig an Statur zugelegt haben. Die Wahl galt nämlich aufgrund der schon seit etlichen Jahren schwierigen persönlichen und politischen Dynamiken innerhalb der CDU-Landtagsfraktion als riskantes Manöver. Zwei Stimmen mehr, als die Regierungskoalition Sitze hat Schulze hat also gewagt und gewonnen. Er bekam sogar zwei Stimmen mehr als seine Regierungskoalition Stimmen hat. In den vergangenen Tagen hieß es in Magdeburg, dass erst die Notwendigkeit eines zweiten Wahlgangs Schulzes Position empfindlich schwächen würde, während jeder Erfolg im ersten Wahlgang den Mann aus dem Harz stärke. Sein neues Amt als Regierungschef bietet für Schulze noch einen weiteren Vorzug: Sollte nach der Landtagswahl das nicht unwahrscheinliche Szenario unklarer Mehrheitsverhältnisse eintreten, hätte Schulze als dann geschäftsführender Ministerpräsident nicht zuletzt innerparteilich einen wesentlich größeren Handlungsspielraum, als wenn er nur gewesener Spitzenkandidat und CDU-Landesvorsitzender wäre. Schulze müsste sich aber auch keine großen Sorgen um seine Zukunft machen, falls der Wahlkampf völlig in die Binsen geht und künftig die AfD in Sachsen-Anhalt regiert: Der CDU-Politiker ist Wirtschaftsingenieur und hat vor seiner Karriere in der Politik einige Jahre Berufserfahrung bei mittelständischen Maschinenbauern erworben. Im Jahr 2014 wurde Schulze Abgeordneter im Europaparlament, zwei Jahre später übernahm er zusätzlich den neu geschaffenen Posten als CDU-Generalsekretär in Sachsen-Anhalt und kehrte 2021 aus Brüssel zurück, um sich als Minister im Kabinett Haseloff auf dessen Nachfolge vorzubereiten.
