FAZ 07.05.2026
11:24 Uhr

Sachsen-Anhalt: Für die absolute Mehrheit fehlt der AfD nicht mehr viel


Die sachsen-anhaltische AfD erreicht in einer Umfrage einen neuen Rekordwert von 41 Prozent. Für eine Alleinregierung würde das noch nicht reichen – doch die Partei kommt ihrem Ziel näher.

Sachsen-Anhalt: Für die absolute Mehrheit fehlt der AfD nicht mehr viel

Vier Monate vor der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September hat die AfD in einer neuen Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von MDR, „Volksstimme“ und „Mitteldeutscher Zeitung“ ihren bislang höchsten Wert erreicht. Die Partei kommt in der Erhebung auf 41 Prozent, das sind zwei Prozentpunkte mehr als bei der vorangegangenen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts im September 2025. Die CDU, die Anfang des Jahres den langjährigen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff gegen ihren Spitzenkandidaten Sven Schulze ausgetauscht hat, verliert einen Prozentpunkt auf 26 Prozent. Die Linkspartei verliert ebenfalls einen Prozentpunkt und kommt auf zwölf Prozent. Die SPD liegt mit weiterhin sieben Prozent nach ihren Wahlniederlagen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg über der Fünfprozenthürde. Die Grünen legen nach ihrem Wahlsieg in Baden-Württemberg einen Prozentpunkt zu und kommen auf vier Prozent. Das von parteiinternen Querelen bestimmte BSW sackt hingegen von sechs auf vier Prozent ab. Die bisher im Landtag vertretene und mitregierende FDP wird wegen geringer Zustimmungswerte nicht eigens ausgewiesen; der Landesverband stellte sich am Mittwoch hinter Wolfgang Kubicki als künftigen Bundesvorsitzenden. Minderheitsregierung gilt als mögliches Szenario Trotz ihrer Zugewinne würde es nach der Umfrage nicht für eine Alleinregierung der AfD reichen, wie sie deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund anstrebt. Die CDU hat eine Koalition mit der AfD und der Linkspartei ausgeschlossen. Als mögliches Szenario gilt eine Minderheitsregierung von CDU und SPD, die ähnlich wie im benachbarten Sachsen von der Linkspartei toleriert wird. Sehr wahrscheinlich wäre eine Alleinregierung der AfD hingegen, wenn neben ihr nur die CDU und die Linkspartei im Landtag vertreten wären, weil alle kleineren Parteien an der Fünfprozenthürde scheitern. Ein Einzug des politisch schwer zu kalkulierenden BSW dürfte die Regierungsbildung hingegen deutlich verkomplizieren. Wirtschaftliche Stimmung ist miserabel Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten würden sich laut der Umfrage 36 Prozent für Amtsinhaber Sven Schulze entscheiden, der damit besser als seine Partei abschneidet. Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schneidet mit 32 Prozent schlechter als seine Partei ab. Der AfD trauen aber mit 31 Prozent deutlich mehr Bürger eine Lösung der Probleme in Sachsen-Anhalt zu als jeweils den anderen Parteien, die CDU kommt hier nur auf 18 Prozent. Zudem zeigen sich 62 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Arbeit der Landesregierung aus CDU, SPD und FDP. Nur 33 Prozent sind zufrieden. Als wichtigstes Problem in Sachsen-Anhalt gilt der Umfrage zufolge die Migrationspolitik vor der Bildungspolitik, der Wirtschaftspolitik sowie der Arbeitslosigkeit. Bemerkenswert sind die Zahlen zur wirtschaftlichen Stimmung, die sich rapide verschlechtert haben und mittlerweile fast wieder auf dem Niveau von vor zwanzig Jahren liegen, als eine hohe Arbeitslosigkeit auf dem ostdeutschen Bundesland lastete. 82 Prozent der Befragten beurteilen die Lage als weniger gut oder schlecht, nur 14 Prozent als sehr gut oder gut. In Sachsen-Anhalt befindet sich gegenwärtig die Chemieindustrie in einer anhaltenden Krise, die für das Land von hoher Bedeutung ist. Zudem mehren sich die schlechten Nachrichten von den Zulieferern der Automobilindustrie. Erst vor wenigen Tagen wurde gemeldet, dass die Werke der beiden Zulieferer Bohai und Schlote im Harz ihre Produktion einstellen. Damit fallen weitere 1000 Jobs weg.