FAZ 09.12.2025
07:40 Uhr

SÜdostasien: Kambodscha wirft Thailand weitere Angriffe vor


Der Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha scheint weiter zu eskalieren. In der Nacht soll es wieder zu Angriffen gekommen sein.

SÜdostasien: Kambodscha wirft Thailand weitere Angriffe vor

Thailand hat nach der Gewalteskalation im Grenzgebiet nach Angaben aus Kambodscha abermals Angriffe ausgeführt. Bis zum Dienstagmorgen seien sieben Zivilisten getötet und 20 verletzt worden, sagte eine Sprecherin des kambodschanischen Verteidigungsministeriums. Thailand und Kambodscha beschuldigen sich gegenseitig, die Angriffe am Sonntagabend wieder aufgenommen zu haben. Auf beiden Seiten der Grenze wurden Anwohner von den Behörden angesichts der jüngsten Angriffe zur Flucht aufgerufen. Kambodschas einflussreicher früherer Regierungschef Hun Sen sagte am Dienstag, sein Land habe sich gegen Thailand gewehrt. Zuvor hatte Phnom Penh bestritten, zurückgeschossen zu haben. „Nachdem wir mehr als 24 Stunden lang geduldig waren, um die Waffenruhe zu respektieren und um Zeit für die Evakuierung der Menschen in Sicherheit zu haben, haben wir gestern Abend und heute Morgen mit weiteren (Reaktionen) zurückgeschlagen“, erklärte er bei Facebook. Einem Medienberichten zufolge will Thailand das Militär Kambodschas mit seinen Angriffen langfristig dezimieren. Damit solle die Sicherheit der künftigen Generationen in Thailand gewährleistet werden, zitierte die Zeitung „Bangkok Post“ den Generalstabschef des Militärs, Chaiyaphreuk Duangpraphat. Aus Kambodscha hieß es, man werde dem nicht untätig zusehen und sich verteidigen. Medien: Thailand will Kambodschas Armee dauerhaft dezimieren In Thailand berichtete das Nachrichtenportal „Khaosod“ auf der Plattform X unter Berufung auf das Militär von heftigen kambodschanischen Angriffen auf thailändischem Hoheitsgebiet, unter anderem mit Mörsern und Artillerie. Kambodscha baue zudem an einem Ort in der Grenzprovinz Trat eine Militärstellung aus, ziehe dort schwere Waffen zusammen und hebe Schützengräben aus. Die Angaben aus Phnom Penh und aus Bangkok ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Die südostasiatischen Nachbarländer hatten nach schweren Kämpfen Ende Oktober in Anwesenheit von US-Präsident Donald Trump ein Waffenruheabkommen unterzeichnet. Doch schon im November wurde die vereinbarte Feuerpause nach einem neuerlichen Vorfall an der mehr als 800 Kilometer langen Grenze erst einmal ausgesetzt. Die Wurzeln des Konflikts liegen in der Kolonialzeit, als Frankreich den Grenzverlauf festlegte. Die Regierungen beider Nachbarländer interpretieren diese Grenzziehung aber unterschiedlich. Im Zentrum des Streits steht ein jahrhundertealter Tempel, der seit 2008 zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Sowohl der dem Hindu-Gott Shiva gewidmete Tempel als auch das umliegende Gebiet werden von Thailand und Kambodscha beansprucht. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu Gefechten zwischen den Streitkräften beider Länder.