FAZ 25.11.2025
11:08 Uhr

Russischer Aktienmarkt: Trump lässt Kurse in Moskau steigen


Die Hoffnung auf ein Ende der Sanktionen beflügelt die Anleger in Moskau. Doch die Euphorie ist nicht so groß wie zu Beginn von Trumps Präsidentschaft.

Russischer Aktienmarkt: Trump lässt Kurse in Moskau steigen

Wieder einmal hoffen Anleger in Russland auf ein baldiges Ende der Sanktionen. Anlass ist der neueste Vorstoß des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zur Beendigung von Russlands Krieg gegen die Ukraine. Nach Bekanntwerden des „Friedensplans“ legte der Moex-Index, der die größten 50 börsengelisteten russischen Konzerne umfasst, in der vergangenen Woche um sechs Prozent zu. Allerdings geriet der Aufschwung am Montag wieder ins Stocken; zu unklar sind die Erfolgsaussichten der Initiative. Die meisten Investoren dürften noch gut in Erinnerung haben, wie ihre Erwartungen an Trump erst zu Beginn dieses Jahres enttäuscht wurden. In der Zeit nach dessen Amtsantritt im Januar hatte es für eine Weile so ausgesehen, als stehe Washington dem Kreml näher als der Ukraine. Symbolisch dafür stand das Treffen Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus Ende Februar, bei dem der Amerikaner Selenskyj öffentlich demütigte. Damals herrschte in Moskau größere Begeisterung als jetzt. Der Moex-Index stieg im Februar auf rund 3300 Punkte. Jetzt liegt er etwa 20 Prozent darunter, bei knapp 2700 Punkten. Analysten skeptisch über Trumps Friedensinitiative Auch Analysten zeigen sich skeptisch, was die Aussichten auf einen Durchbruch angeht. Die Händler orientierten sich derzeit „vor allem an der Hoffnung auf eine Deeskalation, auch wenn diese vielleicht nicht eintreten wird“, schrieb Michael Selzer vom Anlagehaus BCS Express am Montag. Zugleich stellten Investmentberater schon Ende vergangener Woche Titel von Unternehmen zusammen, die von einer Aufhebung der Sanktionen besonders profitieren würden. Genannt wurden etwa die beiden erst kürzlich von Trump mit Sanktionen belegten größten Ölexporteure des Landes, Rosneft und Lukoil , die gemeinsam für rund die Hälfte der russischen Ausfuhren von Rohöl und Ölprodukten stehen. Die am Freitag in Kraft getretenen Strafmaßnahmen treffen besonders den privaten Lukoil-Konzern, der sich seit Langem auf das Auslandsgeschäft konzentriert hat, weil die Konkurrenz mit dem staatlich kontrollierten Rosneft-Konzern auf dem russischen Markt wenig Wachstum zulässt. Noch ist unklar, was mit den Vermögenswerten von Lukoil im Ausland passiert. Sollten die Sanktionen in Kraft bleiben, dürfte Lukoil einige der Werte abschreiben oder deutlich unter Wert verkaufen müssen. Seit Bekanntgabe der Listung Ende Oktober sind die Luk­oil-Aktien um gut zehn Prozent gefallen. Mit gut 13 Prozent hat das Unternehmen wegen seiner hohen Marktkapitalisierung ein besonders großes Gewicht im Moex-Index; Rosneft dagegen wird nur mit rund drei Prozent gewichtet. Große Rabatte auf russisches Öl und Flüssiggas Auch der private Flüssiggasproduzent Novatek dürfte zu den Gewinnern eines Wegfalls der Sanktionen gehören. Zwar gelingt es dem privaten Konzern seit August dieses Jahres, Flüssiggas (LNG) aus dem von den USA und der EU sanktionierten Projekt „Arctic LNG 2“ an Kunden in China zu verkaufen. Allerdings habe Novatek zuletzt Abschläge von 30 bis 40 Prozent zum üblichen Preis gewähren müssen, berichtete die Agentur Reuters kürzlich unter Berufung auf chinesische Quellen. Ähnlich sieht es derzeit auf dem Ölmarkt aus. Wegen der jüngsten Sanktionen haben sich die Rabatte auf russisches Öl der Sorte Urals gegenüber der europäischen Referenzsorte Brent wieder deutlich vergrößert und liegen derzeit bei gut 20 Dollar je Barrel. Fachleute sehen dies zwar als vorübergehendes Phänomen an, da sich Käufer nach Inkrafttreten neuer Strafmaßnahmen oft zurückhielten, bis Wege der Sanktionsumgehung gefunden seien. Dennoch schmälert das die ohnehin stark zurückgegangenen Einnahmen aus den für den Haushalt wichtigen Ölexporten. Auch die Konjunktur trübt sich weiter ein. Nachdem die Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen noch um 1,4 Prozent und 1,1 Prozent wuchs, lag das Plus im dritten Quartal nur noch bei 0,6 Prozent. Im vierten Quartal wird ein weiterer Rückgang erwartet, auch ein Minus gilt als möglich. Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen für den zunehmend defizitären Haushalt erhöht das Finanzministerium die Emission von Staatsanleihen. Im Dezember ist an der Moskauer Börse erstmals die Ausgabe einer in chinesischen Yuan denominierten Anleihe geplant: Dies ist aber nicht als Angebot für chinesische Investoren gedacht, denen Sanktionen gegen die Börse den Zugang erschweren, sondern als Möglichkeit für russische Exporteure. Viele von ihnen halten durch den gewachsenen Handel mit China große Summen an Yuan, die sie bisher nicht investieren können.