FAZ 04.03.2026
18:09 Uhr

Russische Schattenflotte: Belgien verlangt hohe Kaution für Öltanker


Die belgischen Behörden wollen die „Ethera“ erst freigeben, wenn dafür gut zehn Millionen Euro hinterlegt werden. Bis dahin muss die Besatzung an Bord bleiben.

Russische Schattenflotte: Belgien verlangt hohe Kaution für Öltanker

Die belgischen Behörden wollen den von ihnen beschlagnahmten Öltanker „Ethera“ nur freigeben, wenn dafür gut zehn Millionen Euro Kaution hinterlegt werden. Außerdem muss der Reeder oder Eigentümer des Schiffs bestätigen, dass dieses alle geltenden Vorschriften vollständig erfüllt, wie die Ministerien für Justiz und Verkehr am Dienstag mitteilten. Damit dürfte der 180 Meter lange Öltanker auf absehbare Zeit im Hafen von Seebrügge blockiert sein. Eine Spezialeinheit der Armee hatte das Schiff am Wochenende in der ausschließlichen Wirtschaftszone des Landes geentert. Es vollzog damit eine Anordnung der Bundesanwaltschaft, das Schiff festzusetzen, weil es gegen internationale Regeln und Auflagen verstoße. Die „Ethera“ steht seit Oktober 2024 auf einer Liste mit Schiffen der Schattenflotte, die internationale Sanktionen gegen Russland unterlaufen. Das Schiff war offenkundig auf dem Rückweg von Marokko, wo es sein Öl entladen hatte, nach Sankt Petersburg. Zuletzt fuhr der Tanker unter der Flagge Guineas. Allerdings bestätigte sich bei der Durchsuchung des Schiffs, dass die entsprechenden Papiere gefälscht waren, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Damit habe es automatisch gegen internationale Auflagen für den Schiffsverkehr verstoßen, die dem Flaggenstaat die Pflicht auferlegen, Umweltauflagen zu überprüfen. Insgesamt machten die belgischen Behörden 45 Regelverstöße geltend, dies betrifft technische Mängel. Nicht nur wirtschaftliche Folgen für Russland Der Kapitän des Schiffes wurde als Russe identifiziert. Die sieben weiteren Offiziere stammen aus Indien, Georgien und Indonesien, 13 Besatzungsmitglieder sind Inder. Die Besatzung muss an Bord des Schiffes bleiben, bis alle Auflagen erfüllt sind. Es wird von Fachleuten einem von Iran betriebenen Netzwerk zugeschrieben. Vertreter der belgischen Regierung machten deutlich, dass sich das Land nun Staaten wie Frankreich und Finnland anschließt, die schon seit längerem aktiv gegen Schiffe der Schattenflotte vorgehen. „Mit dieser Operation setzen wir die europäischen Sanktionen durch, schützen die Nordsee und begrenzen die Finanzierung des russischen Krieges gegen die Ukraine“, teilte Verteidigungsminister Theo Francken mit. Belgien werde nicht zulassen, dass sein Seegebiet zur Untergrabung des Völkerrechts missbraucht werde. „Diese Aktion beweist, dass wir schnell und effektiv handeln können, um die Sicherheit unserer Meere und unserer lebenswichtigen Infrastruktur zu gewährleisten.“ Der Einsatz war von Frankreich mit Militärhubschraubern unterstützt worden. Das Vorgehen wurde auch von europäischer Seite begrüßt. „Dies hat nicht nur wirtschaftliche, sondern auch psychologische Folgen für Russland“, sagte ein EU-Beamter.