FAZ 15.02.2026
10:38 Uhr

Rüstungsindustrie: 3D-Drucker für die Bundeswehr


Ein Maschinenbauer aus Lübeck will Hightech-Fabriken für das deutsche Militär aufbauen. Dafür lotet er Kooperationen mit Autoherstellern aus.

Rüstungsindustrie: 3D-Drucker für die Bundeswehr

Die Ukraine setzt im Abwehrkampf gegen Russland bereits auf den 3D-Druck. Ersatzteile und andere Bauteile für Rüstungsgüter können so je nach Bedarf schnell und flexibel hergestellt werden. Jetzt will ein Maschinenbauer aus Lübeck die Pro­duktionsmethode auch beim deutschen Militär etablieren. Der Hersteller Nikon SLM setzt dabei auf Kooperationen mit anderen deutschen Industrieunternehmen. „Wir führen Gespräche mit der Bundeswehr, der Politik und potentiellen Partnern etwa aus der Autoindustrie,“ sagt Jan-Niklas Thielmann, Finanz­vorstand von Nikon SLM, im Gespräch mit der F.A.S. Die Erfolgschancen seien gut, glaubt er: „Das Interesse ist groß, die Gespräche sind weit fortgeschritten.“ Mit digitalen 3D-Druckmaschinen wie denen von Nikon SLM können Bauteile aus Metall in fast beliebiger Form hergestellt werden. Das auch als „addi­tive Fertigung“ bezeichnete Verfahren ist damit eine Alternative zum Metallguss und Fräsen von Bauteilen. Das Maschinenbauunternehmen Nikon SLM ist Spezialist für 3D-Druckmaschinen und in diesem Geschäft seit 15 Jahren aktiv. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro und 750 Mitar­beitern wurde 2023 vom japanischen Kamera­hersteller Nikon übernommen und will in den kommenden Jahren seine Erlöse mehr als verdreifachen. Die riesigen Maschinen für den Metall-3D-Druck, die so groß sind wie eine Autogarage, werden weiter in Lübeck gebaut. „Unsere Produkte sind komplett made in Germany“, sagt Thielmann. Partnerunternehmen gesucht Die Bundesregierung in Berlin si­gnalisiert grundsätzlich Interesse am Einsatz des 3D-Drucks für militärische Zwecke. Das Verfahren eigne sich dafür, „Leistungsfähigkeit und Resilienz des logistischen Systems der Bundeswehr zu steigern,“ sagt eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Berlin auf Anfrage. Damit könne poten­tiell die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte erhalten und auch verbessert werden. Verteidigungsministerium und Bundeswehr sind nach eigenen Angaben im Austausch mit Industrievertretern und Unternehmen über einen möglichen Einsatz der 3D-Drucktechnik. Zu konkreten Gesprächen mit einzelnen Firmen nehme man dagegen keine Stellung. „Die 3D-Fertigung in den Streitkräften ist ein Zukunftsthema, an dem wir dran sind“, heißt es auch in Bundeswehr-Kreisen. Nikon SLM wirbt für ein Modell, in dem Partnerunternehmen aus der Industrie Hightech-Fabriken für 3D-Druck aufbauen, die als Lieferanten für die Bundeswehr und Rüstungsindustrie agieren. Nikon SLM würde die not­wendigen Maschinen liefern. Thielmann hat als mögliche Partner nicht zuletzt Unternehmen aus der Autozu­lieferindustrie im Blick, die wegen der Branchenkrise über freie Kapazitäten ver­fügen. Kooperation mit der Autoindustrie? Spekuliert wurde unter anderem über ein mögliches Bündnis mit Aumovio. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Frankfurt ist 2025 im Zuge der Aufspaltung des Hannoveraner Continental-Konzerns entstanden und im September an die Börse gegangen. Aumovio stellt Elektronikbauteile für Autos und Nutzfahrzeuge her. Ein Partnerschaftsmodell für den 3D-Druck in der Verteidigungstechnik wäre laut Nikon SLM auf öffentliche Unterstützung angewiesen. „Eine staatliche För­derung ist notwendig, auch darüber führen wir Gespräche mit der Politik,“ sagt Thielmann. Eine 3D-Fabrik mit 20 Druckmaschinen würde nach seinen Angaben Investitionen in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags erfordern, wenn dafür vorhandene, leer stehende Hallen genutzt werden könnten, zum Beispiel von einem Autozulieferer mit freien Ka­pazitäten. Thielmann schwebt vor, in Deutschland ein dezen­trales Netz solcher Produktionsstandorte aufzubauen. Nikon SLM arbeitet bereits heute mit internationalen Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie zusammen. Der Hersteller aus Norddeutschland hat seine 3D-Drucker unter anderem an den US-Konzern Lockheed Martin geliefert. Auch die Luftfahrtunternehmen Saab aus Frankreich und Safran aus Frankreich sind Kunden von Nikon SLM. Geschäftsbeziehungen gibt es auch mit Bosch. Der Stuttgarter Autozulieferer hat ebenfalls 3D-Druckmaschinen aus Lübeck erworben, allerdings nicht für die Herstellung von Bauteilen für die Rüstungsindustrie. Die USA und China gelten als führend beim Einsatz des Metall-3D-Drucks in der Verteidigungstechnik. Die Hersteller versprechen sich davon kürzere Entwicklungszeiten, eine flexiblere und schnellere Produktion je nach Bedarf und die Möglichkeit, beispielsweise leichtere Bauteile mit Materialstrukturen herzustellen, die mit anderen Fertigungsverfahren nicht möglich sind.