Frankfurt Galaxy stehe nicht vor einem Scherbenhaufen: Das war Thomas Kösling in einem Telefonat vor wenigen Wochen wichtig zu betonen. Mit genau diesem Satz hatte die F.A.Z. die zurückliegende Saison des Footballklubs bilanziert, die enttäuschend verlaufen und mit einem großen Knall geendet war: In der European League of Football (ELF) verpasste Galaxy, das den Titel ins Visier genommen hatte, die Play-offs; anschließend folgte der Bruch mit der damaligen Ligaleitung. Die Frankfurter verkündeten ihren Austritt aus der ELF und die Absicht, gemeinsam mit anderen Abtrünnigen eine neue europäische Spitzenliga zu gründen. Kösling, viele Jahre Trainer und mittlerweile Sportdirektor der Frankfurter Footballspieler, gab sich seinerzeit optimistisch: Wenn endlich Klarheit über die Ligazukunft bestehe, könne der begonnene Umbruch im Team mit neuem Trainer fortgesetzt werden und der Erfolg in die Stadt am Main zurückkehren. Erster ELF-Champion 2021 war schließlich Frankfurt Galaxy. Viele Fragen, keine Antworten Doch um die besten Spieler und Coaches anzulocken, müssen die wissen, auf welches Projekt sie sich einlassen. Und das wussten sie im Fall von Frankfurt Galaxy lange nicht. Die Klarheit über die Ligazukunft ließ auf sich warten. Erst Wochen, dann Monate. Mit den Tagen, die verstrichen, wurden jene weniger, die nötig sind, um eine neue Liga mit höchsten Ansprüchen aus dem Boden zu stampfen. Viele Fragen stellten sich: Nach dem Modell, der Zusammensetzung, aber vor allem nach der Finanzierung, nach Partnern. Und: Wer wird das Team trainieren? Wer führt es an? Wer sind die Spieler, die Zuschauer ins Stadion am Bornheimer Hang locken und letztlich Titel gewinnen sollen? Antworten gab es keine. Frankfurt Galaxy drohte ein herber Verlust Überhaupt: Würde es Frankfurt Galaxy noch geben im kommenden Jahr? Weil die Namensrechte des Teams wegen der gemeinsamen Vergangenheit bei der amerikanischen National Football League (NFL) liegen und die den Namen an die ELF verliehen hat, drohte Frankfurt Galaxy ein herber Verlust. In einer neuen Liga hätte sich die Mannschaft sehr wahrscheinlich umbenennen müssen, das hätte die Bindung zwischen dem Team und den Tausenden Fans, aber auch zu Sponsoren auf den Prüfstand gestellt. Alles in allem: Ein Scherbenhaufen, wie er im Buche steht. Doch Frankfurt Galaxy hat angefangen, zusammenzukehren. In der vergangenen Woche gab das Unternehmen gemeinsam mit einem Großteil der anderen ELF-Abtrünnigen bekannt, sich mit der europäischen Liga wiederzuvereinigen. Forderungen nach mehr Transparenz, einer gerechteren wirtschaftlichen Beteiligung und höherer Mitsprache der Teams – die Kernpunkte der Kritik beim Ligaustritt – sollen künftig berücksichtigt werden. Mit diesem Schritt hat Frankfurt Galaxy die richtige Entscheidung getroffen. Ob eine neue Liga tatsächlich rechtzeitig umsetzbar und wirtschaftlich tragfähig gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Hätten die Verantwortlichen um Geschäftsführer Eric Reutemann die Zukunft noch länger offengelassen, hätten sie womöglich weitaus mehr aufs Spiel gesetzt, als ihnen lieb sein kann. Die größten Scherben sind aktuell also beiseite geräumt. Ein Grund, sich auszuruhen, ist das aber nicht. Jetzt gilt es, den richtigen Trainer zu finden und ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen, das in Europas Footballspitze mithalten kann. Hinter der neuen Scheibe, die Reutemann und Kösling in den Vitrinenkasten bei Frankfurt Galaxy einsetzen wollen, soll schließlich irgendwann wieder eine Trophäe stehen. Der Platz dafür wäre vorhanden.
