Als US-Außenminister Marco Rubio am Donnerstagvormittag in Begleitung seiner Ehefrau Jeanette und seines Stabs das Hotel „The Rome Edition“ verließ, um sich zur Privataudienz bei Papst Leo XIV. in den Vatikan zu begeben, trug einer seiner Mitarbeiter eine sorgsam zusammengefaltete US-Flagge in einer transparenten Schutzhülle. Ob es sich dabei um eine Art Versöhnungsgeschenk an den ersten US-Amerikaner im Papstamt handelte? Seit der Papstwahl Leos am 8. Mai 2025 hat es einigen Streit gegeben zwischen dem Weißen Haus und dem Heiligen Stuhl – zunächst um die Migrationspolitik, dann um die Intervention in Venezuela, zuletzt um den Irankrieg. Rubios Besuch in Rom am Donnerstag und Freitag gilt deshalb als doppelte Reparaturmission. Erstens mit der Weltkirche, zu welcher sich der praktizierende Katholik Rubio selbst zählt. Zweitens mit dem wichtigen Verbündeten Italien und der Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, mit der sich Trump zuletzt ebenfalls überworfen hatte. Rubio mit offenen Armen empfangen Die beiden diplomatischen Krisen hängen zusammen. Trump hatte dem Papst immer wieder unterstellt, er dulde das Streben der Mullahs in Iran nach Atomwaffen. Meloni ihrerseits geißelte die Angriffe Trumps als „inakzeptabel“, worauf dieser sich von seiner einst engen politischen Verbündeten abwandte. Nun empfangen Leo und Meloni den diplomatischen Brückenbauer Rubio mit offenen Armen. Gemäß Protokoll wäre für den US-Außenminister beim Heiligen Stuhl Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin der ranggleiche Gesprächspartner gewesen. Und bei der Regierung in Rom wäre es Außenminister Antonio Tajani. Mit Parolin kam Rubio noch am Donnerstagnachmittag im Vatikan zusammen. Das Gespräch mit Tajani ist nach dem Treffen mit Meloni vom Freitagvormittag geplant. In den Gesprächen Rubios beim Heiligen Stuhl ging es neben dem amerikanischen Krieg gegen die schiitischen Mullahs in Iran sowie dem israelischen Krieg gegen die Terrormiliz Hizbullah in Libanon vor allem um die Krise auf Kuba. Im Falle Venezuelas hatte sich der Vatikan vergeblich als Vermittler versucht, weil Diktator Nicolás Maduro nicht die Notwendigkeit eines Gangs ins Exil erkennen wollte. Dass Washington nach dem Coup in Caracas auch in Havanna einen Regimewechsel anstrebt, steht außer Zweifel. Und es ist Marco Rubio, dessen Eltern gut zwei Jahre vor der kommunistischen Machtergreifung durch Fidel Castro 1959 aus Kuba nach Miami gekommen waren, der die Politik Washingtons gegenüber Havanna maßgeblich mitbestimmt. Kuba als Anknüpfungspunkt für das Weiße Haus Rubio steht einerseits für verschärfte Wirtschaftssanktionen, auch für die fast vollständige Treibstoffblockade gegen das Regime unter Staats- und Parteichef Miguel Díaz-Canel. Er befürwortet aber auch die Ausweitung von humanitären Hilfslieferungen für die Bevölkerung. Allerdings nur nach dem Modell, das sich nach dem verheerenden Hurrikan Melissa vom Oktober 2025 bewährt hatte: Washington sorgte dafür, dass umfassende Nothilfe ins Land kam, bestand aber darauf, dass diese von Netzwerken der katholischen Kirche verteilt wurde und nicht von den Funktionären des kommunistischen Regimes. Der Vatikan und die kubanischen Bischöfe haben eine erprobte Tradition als Vermittler zwischen (inhaftierten) Dissidenten und dem Regime, auch zwischen Washington und Havanna. Im jüngsten Zwist kann Kuba zum Anknüpfungspunkt für das Weiße Haus und den Heiligen Stuhl werden, weil es in der Frage weniger Dissens gibt als mit Blick auf den Krieg im Nahen Osten. Bei den Gesprächen mit Meloni, Außenminister Tajani und zudem Verteidigungsminister Guido Crosetto wird es in erster Linie um den Versuch gehen, die Irritationen der vergangenen Wochen wegen des Irankriegs auszuräumen. In Italien sind rund 13.000 US-Soldaten stationiert. Nach seiner Enttäuschung über Meloni hatte Trump einen Teilabzug auch aus Italien in Aussicht gestellt.
