Weihnachten ist das Fest der Familie. Das ist bei den Wicherts von nebenan nicht anders als bei den Mountbatten-Windsors im Vereinigten Königreich. Bei Königs hat die Familie sogar noch einen viel größeren Stellenwert, was sich besonders an der Tradition der Weihnachtskarten zeigt. Schon die Urgroßmutter von König Charles III., Maria von Teck (Queen Mary), verschickte vor mehr als 100 Jahren Bilder an Weihnachten mit einer persönlichen Note, zunächst wohl nur von ihrem Sohn Albert, dem späteren Georg VI., dann auch von sich und ihrem Mann und ihren weiteren fünf Kindern. Die Karten wurden per Post an Freunde und einige wenige besonders treue Untertanen verschickt. Das hat sich längst geändert: Heute werden die Karten einfach in den sozialen Medien wie etwa auf Instagram hochgeladen, sie werden dadurch zu Allgemeingut. Dabei zeigt sich, dass die älteste Generation eher traditionelle Fotos auswählt, der norwegische König Harald V. zum Beispiel und auch der Monegasse Fürst Albert II. Der eine ist 88 Jahre alt, der andere 67. Die jüngere Generation hingegen wählt eher informelle Schnappschüsse, die dennoch sorgfältig inszeniert wurden. Und auch von Profis ihres Vertrauens fotografiert wurden. Die Dänen und Schweden setzen auf Onlinevideos Mindestens zwei Königshäuser aber gehen mit der Zeit. Die Dänen und die Schweden haben schon im vergangenen Jahr keine Karte mehr übers Internet verschickt, dafür heimelige Fotos und zunehmend auch Videos von der Familie. In diesem Jahr schmückte Königin Silvia mit all ihren Enkeln einen riesigen Weihnachtsbaum im Königlichen Schloss in Stockholm, und die künftige Thronfolgerin, die 13 Jahre alte Prinzessin Estelle, kochte mit ihrem kleinen Bruder, dem neun Jahre alten Prinz Oscar, in der Palastküche nach alten schwedischen Rezepten. Der Tag vor Heiligabend indes gehört wie jedes Jahr ganz der Königin: Silvia hat Geburtstag, sie feiert ihren 82. In Dänemark konnten die 1,2 Millionen Follower des Kongehuset unter anderem König Frederik X. dabei zusehen, wie er mit seiner Mutter, der früheren Königin Margrethe II., Christbaumschmuck in Herzform ausschnitt, natürlich in den dänischen Farben Rot und Weiß. Die Niederländer wiederum sind stets die Letzten in dieser royalen Runde, ihre Karte trifft digital traditionell erst an Heiligabend ein. Allerdings lässt sich auch unschwer erraten, was auf ihr zu sehen sein wird: ein strahlendes Königspaar, Willem-Alexander und Frau Máxima, glücklich vereint mit seinen drei Töchtern, Kronprinzessin Catharina-Amalia, Prinzessin Alexia und Prinzessin Ariane, dazu Hund Mambo auf dem Arm der Königin. Den Zwergpudel hatte Máxima 2021 aus einem Tierheim adoptiert. Seither gehört auch er zur königlichen Familie. Mit versteckter Botschaft Staatstragend, aber doch ein wenig inoffiziell wirkt das Bild des britischen Königs Charles III. und seiner Frau Camilla, das von einem „Hoffotografen“ aufgenommen wurde: Chris Jackson. Der Fünfundvierzigjährige arbeitet zwar für die Agentur Getty, hat aber oft auch schon für die Königsfamilie gearbeitet, für Elisabeth II. genauso wie für den Thronfolger Prinz William und dessen Frau Catherine. Dieses Weihnachtskartenfoto entstand schon im April, als Charles und Camilla auf offiziellem Staatsbesuch in Italien waren. Es zeigt die beiden beim Spaziergang im Garten der Villa Wolkonsky, einst Sitz der deutschen Botschaft in Rom. Heute residiert in ihr der britische Botschafter. Warum sie ausgerechnet dieses Foto ausgewählt haben? Weil es am 9. April 2025 aufgenommen wurde, ihrem 20. Hochzeitstag. So ist die Weihnachtskarte zugleich auch eine verspätete Hochzeitstagskarte. Erwähnt wird das mit keinem Wort, zu dem Bild, das schon vor zwei Wochen auf Instagram veröffentlicht wurde, schreiben Charles und Camilla nur: „Es sieht immer mehr nach Weihnachten aus!“ Wer Charles kennt, weiß, dass er versteckte Botschaften liebt. Noch enger zusammen Noch ein Vertrauter der britischen Königsfamilie: Auch dieses Bild ist nur scheinbar ein Schnappschuss. Das Foto hat Josh Shinner aufgenommen. Schon vor zwei Jahren hatte der Fotograf aus Yorkshire die Ehre, die Familie von Wales zu Weihnachten zu fotografieren. Damals entstand ein Schwarz-Weiß-Bild, auf dem die fünf in Jeans und weißen Hemden stehend zu sehen waren. Es wirkte statisch und distanziert. Seither ist viel geschehen – Catherine, die Prinzessin von Wales, hat erfolgreich ihre Krebstherapie überstanden. Das schweißt die Familie noch enger zusammen, und so kuscheln der britische Thronfolger William und seine Frau mit ihren Kindern Prinzessin Charlotte, Prinz Louis und dem künftigen Thronfolger Prinz George (rechts). Ein Stück Hoffnung Auf ihr ruhen alle Hoffnungen: Zunehmend steht die spanische Kronprinzessin im Mittelpunkt des Interesses. Leonor, gerade 20 Jahre alt, übernimmt immer mehr Aufgaben mit und von ihrem Vater, König Felipe VI. Und das neben ihrer dreijährigen Militärausbildung, die im Sommer 2023 begann. Da sie keinen Bruder hat, ist sie die Thronfolgerin – noch gibt die Verfassung in Spanien einem männlichen Erben den Vorrang. Seit der Amtsübernahme ihres Vaters am 19. Juni 2014 trägt sie unter anderen den Titel einer Prinzessin von Asturien. In Asturien ist dieses Bild auch entstanden, schon im Oktober, als die Königsfamilie zu einer Preisverleihung im Norden des Landes war. Zur Karte, die der Zarzuela-Palast in Madrid schon vor zehn Tagen veröffentlichte, heißt es: „Weihnachtsgrüße von Ihren Majestäten dem König und der Königin, Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin von Asturien und Ihrer Königlichen Hoheit der Infantin Sofía.“ Die jüngere Schwester steht neben dem Vater in der zweiten Reihe, die künftige Königin hingegen sitzt mit ihrer Mutter Letizia natürlich in der ersten. Wenig Herzenswärme Ein Familienidyll sieht anders aus: Ein wenig gekünstelt wirkt das Bild schon, aber es passt zu einem Operettenstaat. Der Frankfurter Flughafen allein ist elfmal größer als Monaco, das winzige Fürstentum, das es versteht, so viel Wind um sich zu machen. Seit 20 Jahren ist Albert II. nun Fürst von Monaco, und seit 2014 ist auch die lange ungeklärte Nachfolge im Fürstentum geregelt. Vor elf Jahren kamen Prinzessin Gabriella und ihr zwei Minuten jüngerer Zwillingsbruder Jacques zur Welt. Er aber steht aufgrund des geltenden Thronfolgerechts als männlicher Nachkomme an erster Stelle der Erbfolge. Die beiden geben sich unzertrennlich, sie treten stets gemeinsam auf. Wie es um die Ehe von Albert und seiner Frau Charlène bestellt ist, lässt sich nicht sagen, es darf aber spekuliert werden. Auch auf diesem Bild, das von der deutschen Fotografin Vanessa von Zitzewitz stammt, wirkt das Fürstenpaar nicht sehr vertraut. Wenig herzerwärmend ist auch der Satz, den der Palast dazu veröffentlicht hat: „Die Fürstenfamilie freut sich, Ihnen ihre Grußkarte zukommen zu lassen.“ Opfer der Retusche Da fehlt doch etwas: Das ganze Netz fragt sich, ob der Jüngsten in diesem Bunde, Prinzessin Eléonore, ein Arm abhandengekommen ist. Aus dem Ärmel ihres weißen Spitzenkleides ragt jedenfalls keine Hand heraus. Davon abgesehen, ob da etwas mit der Retusche schiefgegangen sein könnte, sollten sich die Blicke eigentlich auf die Prinzessin ganz links richten. Auch in Belgien wird es künftig eine Königin geben, Elisabeth von Belgien. Die Kronprinzessin ist die Älteste der vier Kinder von Königin Mathilde und König Philippe, die Prinzen Gabriel (links) und Emmanuel sind nur zweite beziehungsweise dritte Wahl. Zu der Karte und dem Bild wurde ein kurzes Video veröffentlicht, es zeigt, wie ein Umschlag unter der Palasttür durchgeschoben wird, bevor er geöffnet wird und das Bild, aufgenommen von dem Fotografen Vlad VDK, zum Vorschein kommt. Dazu schreibt der Palast: „Die Grußkarten sind verschickt! Was haltet Ihr von dem diesjährigen Foto?“ Eine Frage, die vielfach im Netz beantwortet wurde, oft mit der Gegenfrage, ob Eléonore ihren Arm verloren habe. Die erste Karte zum Fest Ihr Glück scheint perfekt: In Luxemburg hat es Tradition, dass der Großherzog abdankt und in Rente geht. So wie Henri, der vor einem Jahr nach 25 Jahren seinen Rückzug bekannt gab. Am 3. Oktober 2025 folgte ihm sein Sohn Guillaume nach und wurde als neuer Großherzog und damit Staatsoberhaupt Luxemburgs vereidigt. Guillaume V. ist schon 44 Jahre alt und hat doch noch zwei kleine Söhne. Fast acht Jahre mussten die knapp 700.000 Einwohner Luxemburgs warten, bis sich Nachwuchs einstellte. Guillaume und seine Frau Stéphanie bekamen im Mai 2020 ihr erstes Kind, den heutigen Kronprinz Charles, im März 2023 folgte Prinz François (auf den Schultern des Vaters zu sehen). Das Bild hat eine Fotografin aufgenommen, Kary Barthelmey, offenbar eigens für die Weihnachtskarte, wie die geschmückten Zweige vermuten lassen. Dazu heißt es: „In dieser festlichen Jahreszeit freut sich das großherzogliche Paar, Ihnen neue Familienfotos zu präsentieren. Ihre Königlichen Hoheiten übermitteln Ihnen die herzlichsten Wünsche für die Feiertage.“ Kein schönes Weihnachten Sie stehen fest zusammen. Das war keine schöne Nachricht zur Weihnachtszeit, die der norwegische Kronprinz Haakon und seine Frau Mette-Marit (Mitte) am Wochenende verkünden mussten. Die Zweiundfünfzigjährige benötigt eine Lungentransplantation, da sie an einer progressiv verlaufenden chronischen Lungenfibrose erkrankt ist. Dass zudem ihr Sohn Marius aus ihrer ersten Ehe auf dem Bild hier fehlt, scheint nur folgerichtig: Der Achtundzwanzigjährige muss sich im Januar in einem Strafprozess unter anderem wegen Vergewaltigung verantworten. Zumindest ist ihr zweiter Sohn, Prinz Sverre Magnus, dieses Jahr auf dem Foto zu sehen, auch er fehlte im vergangenen Jahr. Doch auf ihn kommt es ebenfalls nicht an, er steht nur an dritter Stelle in der Thronfolge. Die Nummer zwei ist seine ältere Schwester, Prinzessin Ingrid Alexandra. Der Übergang ist absehbar, König Harald V. und seine Frau Sonja sind beide 88 Jahre alt. Zudem leidet er seit Jahren unter gesundheitlichen Problemen. Auch er hält sich kurz bei seinen Grüßen: „Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest.“
