FAZ 28.02.2026
12:42 Uhr

Rotation beim FC Bayern: Was Kompanys Verzicht über Tahs Wert aussagt


Nicht immer denkt Bayern-Trainer Vincent Kompany von Spiel zu Spiel. Dass er gegen Frankfurt auf seinen besten Verteidiger verzichtet, gibt einen Hinweis darauf, wer für ihn wirklich unverzichtbar ist.

Rotation beim FC Bayern: Was Kompanys Verzicht über Tahs Wert aussagt

Am vergangenen Samstag hat Vincent Kompany gegen ein Gebot verstoßen, das fast jeder Fußballtrainer predigt, an das sich aber fast kein Fußballtrainer hält. Er hat, wie er später selbst sagte, nicht von Spiel zu Spiel gedacht. Alles andere wäre auch fahrlässig gewesen, weil für Kompany und den FC Bayern auf das Spiel gegen den Tabellenachten Frankfurt an diesem Samstag das Spiel gegen den Tabellenzweiten Dortmund folgt (18.30 Uhr, im F.A.Z.-Liveticker und bei Sky). Das ist die Mannschaft, die den Bayern (Tabellenerster mit acht Punkten Vorsprung) die Meisterschaft vielleicht, vielleicht noch streitig machen kann. Mit einem Unentschieden oder einem Sieg für den FC Bayern allerdings wäre „die Sache durch“ (eine Formulierung, auf die ein ganz hervorragender Dortmunder Fußballtrainer, aber vielleicht nicht ganz so hervorragender Global Head of Soccer in einem Fernsehinterview mal sehr allergisch reagiert hat – aber über Jürgen Klopp dürfte an anderer Stelle noch genug geredet werden). Kompany hat Kimmich aufgestellt, Tah aber nicht Als Vincent Kompany, der ein ganz hervorragender Fußballtrainer werden kann, am vergangenen Samstag seine Aufstellung für das Spiel gegen Frankfurt wählte, hat er schon an das Spiel gegen Dortmund gedacht. Denn sowohl sein Abwehrspieler Jonathan Tah als auch sein Mittelfeldspieler Jo­shua Kimmich wären für das in Dortmund gesperrt gewesen, wenn sie eine Gelbe Karte gesehen hätten. Was tun? Mit Tah und Kimmich gegen Frankfurt, um im Fernduell mit Dortmund vorzulegen? Ohne Tah und Kimmich gegen Frankfurt, um im direkten Duell mit Dortmund nachzulegen? Am Ende hat sich Kompany dann für den Mittelweg entschieden: Er hat Kimmich aufgestellt, Tah aber nicht. Man konnte die Entscheidung unterschiedlich interpretieren. Ist Kimmich so wichtig, dass der Trainer auch gegen Frankfurt nicht auf ihn verzichten kann? Ist Tah so wichtig, dass er gegen Dortmund nicht auf ihn verzichten will? Ist es für einen Mittelfeldspieler leichter als für einen Abwehrspieler, eine Gelbe Karte zu verhindern? So oder so oder so steht fest, dass Tah in seiner ersten Saison beim FC Bayern mit bisher 33 Spielen eines mehr gemacht hat als Kimmich, der immer spielen will und das meistens auch darf. Es ist wahrscheinlich noch die Mehrheitsmeinung, dass der kolumbianische Stürmer Luis Díaz, der an dieser Stelle neulich als der autonomste Spieler in seiner Mannschaft gelobt wurde, in dieser Saison der wirkungsvollste Transfer des FC Bayern war. Doch weniger als vier Monate vor dem ersten Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft ist es auch längst keine Minderheitsposition mehr, dass Jonathan Tah mit seiner Ruhe am Ball und seiner Robustheit gegen den Ball der beste deutsche Abwehrspieler ist. Als Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag in der 86. Minute das 2:3 geschossen und damit den Sieg des FC Bayern in Gefahr gebracht hat, hat Vincent Kompany immer noch an das nächste Spiel gegen Dortmund gedacht, wie er danach in der Pressekonferenz sagte. Doch er hat eben auch daran gedacht, wie er das Spiel gegen Frankfurt gewinnen kann. Also hat er in der Nachspielzeit noch Jonathan Tah eingewechselt.