Das Loch im Garten des Bolongaropalastes in Höchst wirkt unscheinbar. Doch was hier bei archäologischen Grabungen ans Tageslicht gebracht wurde, ist nach Einschätzung von Andrea Hampel, der Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes, bedeutend für ganz Hessen. Sie zeigt auf ein wenige Zentimeter langes Objekt, das in der Erde kaum auffällt. „Es handelt sich um einen eisernen Lanzenschaft“, erläutert sie. Er stamme aus der Zeit des Kaisers Augustus, als die Römer auf Eroberungskurs waren, und sei damit deutlich älter als die Zeugnisse aus der Stadt Nida im Norden Frankfurts. Aus der Erde rund um den Tritonbrunnen wurde in den vergangenen Monaten zudem eine Menge Keramik geborgen, darunter fast komplett erhaltene Öllampen. Einige Scherben deuten auf größere Vorratsbehälter hin, wie sie in Präsenzlagern üblich waren. Zusammen mit den Ergebnissen früherer Grabungen kommen die Fachleute zu dem Schluss, dass sich dort, wo jetzt der Bolongaropalast steht, einst ein sehr großes Römerlager befunden haben muss. „Das ist das römische Tafelgeschirr“ Einige Fundstücke aus dem Garten des Bolongaropalastes haben die Denkmalpfleger schon gereinigt, um sie präsentieren zu können. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD), der sich über den Stand der Arbeiten informieren lässt, nimmt fasziniert ein Bruchstück in die Hand, das eindeutig mal ein Teller war. „Das ist das römische Tafelgeschirr“, erläutert Hampel. Sogar der eingeprägte Name des Keramikers ist noch zu erkennen. Über das Unternehmen eines Römers namens Atti wissen die Archäologen zu berichten, dass es mehrere Filialen im Reich betrieb. Wegen des stark verdichteten Bodens musste für die Grabungen rund um den Brunnen zum Teil schweres Gerät eingesetzt werden. Und doch fanden die Denkmalpfleger selbst kleinste Zeugnisse römischer Kultur – zum Beispiel einen Stein, der für Spiele wie Mühle verwendet wurde. Die Grabungen sind jetzt weitgehend abgeschlossen, das Grünflächenamt kann die 3,50 Meter mal 7,50 Meter große Brunnenkammer erneuern. Ende April sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann wird der umliegende Garten neu gestaltet. Auch im Inneren des Barockpalastes schreiten die Arbeiten voran. Weitgehend fertig ist ein Raum, den es bisher so nicht gab. Er ist durch die Überdachung eines Innenhofs entstanden. Der neue Name Brunnensaal, den Josef jetzt verkündet hat, bezieht sich auf den dort angebrachten Wandbrunnen mit einem Delphin. Künftig soll es dort Veranstaltungen mit bis zu 120 Besuchern geben. Auch für private Feiern wird man den Saal mieten können. 2027 sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein In den Räumen im ersten Obergeschoss, in denen künftig die Porzellansammlung des Historischen Museums ausgestellt wird, tritt der barocke Prunk immer mehr in Erscheinung. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Das künftige Musikzimmer werde modern gestaltet, erläutert Architekt Michael Schumacher. Denn der kleine Saal sei zwar in den Ursprungsplänen angelegt gewesen, aber nicht ausgeführt worden. Der Raum war in kleine Büros aufgeteilt, zuletzt befand sich dort das Ortsgericht. Vor seinem Rundgang hatte Josef vor Vertretern des Ortsbeirats und der Vereine eine Bilanz der städtischen Aktivitäten in den westlichen Stadtteilen gezogen, für die er als Dezernent zuständig ist. In einer 100 Seiten starken Broschüre hat die Stadtverwaltung viele kleine und große Projekte zusammengetragen. Auch der Bolongaropalast kommt darin vor. „Ich bin froh, dass es jetzt vorangeht“, sagte Josef in Anspielung auf die mehrjährigen Verzögerungen und die Kostensteigerung von ursprünglich 37 Millionen Euro auf mittlerweile 73 Millionen Euro. Die Investition hält er für gerechtfertigt. „Wir haben in Frankfurt nicht viele Paläste.“ Mitte 2027 sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein. „Ich bin zuversichtlich“, sagte Josef und ergänzte: „Stand jetzt.“ Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) zeigte sich erfreut über die Fortschritte, wies aber darauf hin, dass es an anderen Stellen nicht vorangehe. So sei bei der Sanierung des Höchster Bahnhofs kein Fortschritt festzustellen. Doch auch hier zeigte sich Josef optimistisch: „Die Bahn wartet nur noch auf die Freigabe der Mittel.“ Er werde deshalb auf das Bundesverkehrsministerium zugehen.
