FAZ 04.02.2026
14:22 Uhr

Rheinland-Pfalz: Zugbegleiter stirbt nach Angriff in Regionalexpress


Ein junger Mann hatte den 36-Jährigen am Montagabend bei einer Ticketkontrolle attackiert. Die Chefin der Deutschen Bahn schreibt, sie sei „fassungslos“. Und der Bundesverkehrsminister gesteht ein: Es müsse mehr für Sicherheit getan werden.

Rheinland-Pfalz: Zugbegleiter stirbt nach Angriff in Regionalexpress

Nach dem Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz ist der Mann nach Angaben der Deutschen Bahn an seinen Verletzungen gestorben. Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatte ein 26-Jähriger den 36 Jahre alten Bahnmitarbeiter Serkan C. am Montagabend in einem Regionalexpress angegriffen, als der Zug den Bahnhof Landstuhl im Kreis Kaiserslautern verlassen hatte. Auch die Staatsanwaltschaft Zweibrücken bestätigte am Mittwoch den Tod des 36-Jährigen. Er sei durch Faustschläge gegen den Kopf schwer verletzt worden. Nach bisherigem Ermittlungsstand sei somit keine Waffe zum Einsatz gekommen. Die Ermittlungsbehörde ordnete eine Obduktion von dessen Leichnam an, diese sollte noch am Mittwoch stattfinden. Der Tatverdächtige habe bisher von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht. DB-Chefin: Schwarzer Tag Da der 26-Jährige keinen Fahrschein vorzeigen konnte, sollte er des Zuges verwiesen werden – daraufhin kam es laut Polizei zum Angriff auf Serkan C. Ein Bundeswehrsoldat, der im Zug war, reanimierte den aus Ludwigshafen stammenden Verletzten. Er kam schwer verletzt ins Uniklinikum Homburg. Einsatzkräfte der Landespolizei des Saarlandes und der Bundespolizei nahmen den Tatverdächtigen fest. Die Kriminaldirektion Kaiserslautern ermittelt zu den Hintergründen des Geschehens und zum Tatablauf. Bei dem mutmaßlichen Täter handele es sich um einen Griechen ohne Wohnsitz in Deutschland, sagte eine Polizeisprecherin. Der 26-Jährige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, schrieb in einem Beitrag auf der Plattform Linkedin, der Tod des Mitarbeiters mache sie „fassungslos und traurig“. „Wir alle bei der Deutsche Bahn verurteilen diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen aufs Schärfste. Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt.“ Es sei ein schwarzer Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, ihr tiefes Mitgefühl gelte seinen Angehörigen, Freunden und Kollegen. EVG-Chef Burkert: „Der Kollege hat keinen Fehler gemacht“ Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für Bahnmitarbeiter sieht durch den Vorfall eine „neue, schlimme Qualität“ erreicht. „Der Kollege hat keinen Fehler gemacht, soweit wir wissen, ist behutsam vorgegangen und ist am Ende seinen schweren Kopfverletzungen erlegen, obwohl es noch Hilfe im Zug gab“, sagte EVG-Chef Martin Burkert am Nürnberger Hauptbahnhof. Dort fand wie an mehreren Bahnhöfen bundesweit um 15.00 Uhr eine Schweigeminute statt. Eine Umfrage der Gewerkschaft unter Bahnmitarbeitern habe ergeben, dass 32 Prozent der Befragten Angst hätten, in die Arbeit zu gehen, sagte Burkert. „Das ist ein unglaublich hoher Wert.“ Um die Sicherheit von Zugbegleiterinnen und Zugbegleitern zu verbessern, fordere die Gewerkschaft seit langem vor allem eine Doppelbesetzung in Regionalzügen – damit nicht ein Mitarbeiter allein im Zug unterwegs sein muss. „Dafür sind die Länder verantwortlich“, sagte Burkert. „Die müssen einfach eine Doppelbesetzung bezahlen.“ Helfen würde aus seiner Sicht auch, Bahnmitarbeiter durchgehend mit Bodycams auszustatten und das Angebot von Notfallknöpfen auszuweiten. Furchtbarer Ausdruck der „seit langem steigenden Aggressivität“ Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) gestand am Mittwoch ein, dass mehr für den Schutz von Bahnbediensteten getan werden müsse. „Züge und Bahnhöfe müssen sicher sein“, erklärte er. Die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und dem Saarland, Alexander Schweitzer und Anke Rehlinger (beide SPD), teilten in einer gemeinsamen Presseerklärung mit, die „schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht“, mache wütend und traurig. Sie sei ein furchtbarer Ausdruck der „seit langem steigenden Aggressivität“ gegenüber Bahnpersonal. Auch die beiden Regierungschefs kündigten gemeinsame Anstrengungen an, um Zugbegleiter und Fahrgäste besser zu schützen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte höhere Strafen für solche Angriffe. „Der strafrechtliche Schutz für Mitarbeiter bei Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn muss deutlich verschärft werden“, erklärte Dobrindt am Mittwoch. „Der Strafrahmen muss ausgeweitet und die Mindeststrafen für Angriffe deutlich erhöht werden.“ Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sieht dafür dagegen keine Notwendigkeit. Wie Dobrindt zeigte sie sich bestürzt über den Tod des Zugbegleiters. Die Gefahr sei auf gewissen Strecken viel zu groß Die Gewerkschaft der Polizei (GdP)forderte am Mittwoch ebenfalls mehr Sicherheitspersonal in den Zügen. „Wir erkennen seit langer Zeit die wachsende Kriminalität und Brutalität auch im Bahnbereich“, sagte der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der „Rheinischen Post“. Es sei bekannt, dass auf gewissen Strecken in bestimmten Zeiten Zugbegleiterinnen nicht mehr alleine fahren, da die Gefahr zu groß sei. „Sowohl die Bundespolizei, aber auch die DB Sicherheit müssen hier dringend und zwingend aufgestockt werden. Flächendeckende Streifen zu dritt, durch künstliche Intelligenz unterstützte Kameraüberwachung und klare Befugnisse auch im Bereich der Kontrollen sind nun erforderlich“, betonte Roßkopf. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn: Jeden Tag werden im Durchschnitt fünf Beschäftigte körperlich angegriffen, wie aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch hervorgeht. Die Zahlen beziehen sich auf die ersten zehn Monate des letzten Jahres. Dazu kommen laut Innenministerium pro Tag vier Fälle von Bedrohungen gegen Eisenbahnmitarbeiter. Im gesamten Zeitraum wurden 1231 Mitarbeiter der Deutschen Bahn Opfer von Körperverletzungen. Und 324 Beschäftigte gar Opfer von gefährlicher Körperverletzung.