Themenschwerpunkte, Fokuskünstler, Nachwuchsstars in einer eigenen Serie, eine „Happy Birthday“-Reihe für einen Komponisten oder Solisten, „Spot on“ dies und das – man muss nur Saisonbroschüren großer Konzertveranstalter aufschlagen, um all das zu finden. Neu ist das nicht, es wird nur immer mehr. Und das hat seinen Grund. Die Labels geben potentiellen Kartenkäufern Orientierung in einer teils riesigen Programmauswahl. Sie können sich damit frei und doch irgendwie gelenkt fühlen. Viele Konzertbesucher lieben das offenbar. Beim Rheingau Musik Festival verkaufen sich jedenfalls, wie es heißt, alle Karten für Konzerte mit Artists in Residence oder zu einem Schwerpunkt besonders gut. So stellt das Festival, das sich aus Eintritts- und Sponsorengeldern immer aufs Neue selbst finanzieren muss, in diesem Jahr einen neuen Rekord auf: Von den 153 Konzerten, die vom 20. Juni bis zum 5. September im Rheingau und in benachbarten Regionen zu hören sind, stehen allein 42 unter dem Motto „Spot on: United Kingdom“. Wer all diese Konzerte besuchen wollte, hätte zu tun. Doch glücklicherweise gibt es bei der Vielzahl von Schwerpunkten und Fokuskünstlern automatisch Überschneidungen. Denkbar wäre theoretisch sogar das hier: Der japanische Artist in Residence Hayato Sumino alias Cateen und die spanische Fokuskünstlerin María Dueñas, die als jung und preisgekrönt in der Reihe „Augezeichnet!“ auftreten könnte, leisten mit dem Orchestra in Residence, der Academy of St Martin in the Fields, und einem jazzig-klassischen, britischen Programm einen Beitrag zu „Happy Birthday, Nils Landgren!“ und richten so natürlich auch den „Spot on: United Kingdom“. Das würde den Besuchern, die sich so mit alledem also denkbar intensiv auseinandersetzen, doch so viel Zeit sparen. So könnten sie vorher auch noch passend die Reihe der „Tea-Time-Konzerte“ besuchen.
